Die Presse hielt den Vorfall klein, schon aus Rücksicht auf das Restaurant, aber natürlich wurde darüber berichtet, und auch von anderswoher drangen Gerüchte an Roches Ohr. Offenbar war das
Wieder stieß er auf ungewöhnliche Verbindungen, die ihm Rätsel aufgaben. Es war dringend erforderlich, an weitere Proben zu gelangen, und er ließ Kontakte herstellen in die betroffenen Städte. Unglücklicherweise war bis dahin niemand auf die Idee gekommen, etwas von dem Zeug aufzubewahren. Es war auch nirgendwo ein Hummer explodiert wie in Roanne, allerdings war die Rede von ungenießbaren Tieren, deren Fleisch man weggeworfen habe, und anderen, die schon vor dem Kochen keinen guten Eindruck gemacht hätten, weil etwas aus ihnen hervorgequollen sei. Roche wünschte sich, jemand anderer wäre so klug gewesen wie der Lehrling, aber Fischer, Großmarkthändler und Küchenpersonal waren nun mal keine Laborarbeiter. So war er fürs Erste auf Spekulationen angewiesen. Ihm schien, dass im Körper des Hummers nicht nur ein Organismus, sondern gleich zwei gelauert haben mussten. Zum einen die Gallerte. Sie hatte sich zersetzt und war offenbar vollständig verschwunden.
Der andere Organismus hingegen lebte, trat in großer Dichte auf und kam Roche auf unheilvolle Weise bekannt vor.
Er starrte durch das Mikroskop.
Tausende transparente Kugeln wirbelten wie Tennisbälle kreuz und quer durcheinander. Falls seine Vermutung zutraf, befand sich in ihrem Innern ein zusammengerollter
Hatten diese Lebewesen Jean Jérôme getötet?
Roche griff nach einer sterilisierten Glasnadel und stach sich rasch in die Daumenspitze. Ein kleiner Tropfen Blut trat aus. Vorsichtig injizierte er es in die Probe auf dem Objektträger und sah wieder durch die Linsen des Mikroskops. Bei 700-facher Vergrößerung wirkten Roches Blutkörperchen wie rubinrote Blütenblätter. Sie taumelten im Wasser, jedes angefüllt mit Hämoglobin. Sofort wurden die transparenten Kugeln aktiv. Sie stülpten ihre Rüssel aus und fielen blitzartig über die menschlichen Zellen her. Die Pedunkel stachen wie Kanülen hinein. Langsam färbten sich die unheimlichen Mikroben rötlich, während sie die Blutkörperchen aussaugten. Immer mehr von ihnen stürzten sich auf Roches Blut. War ein Blutkörperchen leer gesaugt, wechselten sie zum nächsten. Dabei schwollen sie an, exakt so, wie Roche es befürchtet hatte. Jedes der Wesen würde bis zu zehn Blutkörperchen in sich aufnehmen. In spätestens einer Dreiviertelstunde würden sie ihr Werk vollendet haben. Er sah weiterhin fasziniert zu und stellte fest, dass es sogar noch schneller ging, viel schneller, als er gedacht hatte.
Nach fünfzehn Minuten hatte der Spuk ein Ende.
Roche saß starr vor seinem Mikroskop. Dann notierte er: Vermutlich
Das ›vermutlich‹ stand für letzte Reste von Zweifel, obschon Roche sicher war, soeben den Erreger klassifiziert zu haben, der für die Krankheits— und Todesfälle verantwortlich war. Was ihn störte, war der Eindruck, es mit einer Monsterausgabe von
Er hatte viel darüber gelesen. Die erste Begegnung der Wissenschaft mit