— Und es gibt einen dritten Grund. Früher dachte man, nur die obere, sonnendurchflutete Schicht der Meere sei bewohnbar. Inzwischen wissen wir, dass es in allen Schichten von Leben wimmelt. Noch in elftausend Metern Tiefe herrscht Leben. Für viele Organismen gibt es nicht den geringsten Grund, sich weiter oben anzusiedeln. Die meisten könnten es gar nicht, weil ihnen das Wasser zu warm wäre, der Druck zu gering, weil ihnen nicht die Nahrung zur Verfügung stünde, die sie benötigen. Wir wiederum haben die oberen Wasserschichten erkundet, aber tief unten waren eben mal ein paar Menschen in gepanzerten Tauchbooten und einige Roboter. Wenn wir diese gelegentlichen Ausflüge mit den berühmten Stecknadeln vergleichen, müssen wir uns einen Heuhaufen von der Größe unseres Planeten vorstellen. — Es ist, als würden Außerirdische in einem Raumschiff Kameras zur Erde hinunterlassen, deren Objektive nur abbilden können, was im Umkreis weniger Meter zu sehen ist. Eine dieser Kameras filmt ein Stückchen mongolische Steppe. Eine andere macht Momentaufnahmen aus der Kalahari, und eine dritte wird über der Antarktis heruntergelassen. Eine weitere schafft es tatsächlich in eine Großstadt, sagen wir in den New Yorker Central Park, wo sie ein paar Quadratmeter Grünzeug aufnimmt und einen Hund, der einen Baum anpinkelt. Zu welchem Schluss würden die Außerirdischen gelangen? — Ein unbesiedelter Planet, auf dem sporadisch primitive Lebensformen anzutreffen sind.«
»Was ist mit ihrer Technologie«, fragte Oliviera. »Sie müssen über eine Technologie verfügen, um das alles zu bewerkstelligen.«
»Auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht«, erwiderte Johanson. »Ich glaube, dass es eine Alternative zu einer Technologie wie der unseren gibt. Wir verarbeiten tote Materie zu technischen Gerätschaften, zu Häusern, Fortbewegungsmitteln, Radio, Kleidung und so weiter. Aber Meerwasser ist ungleich aggressiver als Luft. Da unten zählt nur eines: die optimale Anpassung. Und optimal angepasst sind in der Regel Lebensformen, also könnten wir uns eine reine Biotechnologie vorstellen. Wenn wir von einer hohen Intelligenz ausgehen, werden wir auch ein hohes Maß an Kreativität voraussetzen können und eine genaue Kenntnis der Biologie mariner Organismen. — Ich meine, was tun denn wir? Menschen machen sich seit Jahrtausenden andere Lebewesen zunutze. Pferde sind lebende Motorräder. Hannibal zog mit biologischen Schwerlastern über die Alpen. Immer schon wurden Tiere abgerichtet. Heute werden sie genetisch verändert. Wir klonen Schafe und bauen genveränderten Mais an. Was, wenn wir diesen Gedanken weiterentwickeln? Hin zu einer Rasse, die ihre Kultur und Technologie
»Du lieber Himmel«, stöhnte Vanderbilt.
»Wir züchten Ebola— und Pesterreger und experimentieren mit Pocken herum«, fuhr Johanson fort, ohne den CIA-Mann zu beachten. »Also mit Lebewesen. Noch packen wir sie in Sprengköpfe, aber das ist umständlich, und eine Rakete, selbst wenn sie satellitengesteuert ist, kommt nicht unbedingt ins Ziel. Würden wir Hunde abrichten, die solche Erreger in sich tragen, wäre das vielleicht der effizientere Weg, Schaden anzurichten. Oder Vögel. Insekten meinetwegen! Was wollen Sie gegen einen virenverseuchten Mückenschwarm oder kontaminierte Ameisen ausrichten? Oder gegen Millionen Krabben, die Killeralgen transportieren?« Er machte eine Pause. »Diese Würmer am Kontinentalhang wurden gezüchtet. Kein Wunder, dass wir sie nie zuvor gesehen haben. Es hat sie nicht gegeben. Ihr Zweck besteht darin, Bakterien ins Eis zu transportieren, also haben wir es gewissermaßen mit
»Dieses Zeug, diese Gallerte«, sagte Rubin, »könnte die nicht ebenso gut ein Mensch gezüchtet haben?«