»Ihr heiratet also, um Kinder aufzuziehen. Wer zieht Kinder auf, die außerhalb einer Ehe geboren werden?«
»Dafür gibt es wohltätige Institutionen«, sagte Sally ernst. Sie vermochte ihre Abscheu nicht zu verbergen.
»Ich nehme an, dass du nie …« Das Split verstummte taktvoll.
»Nein, natürlich nicht.«
»Wie machst du das? Ich meine nicht, warum, sondern wie?«
»Nun — du weißt, dass Männer und Frauen Geschlechtsverkehr haben müssen, damit ein Kind entstehen kann, so wie ihr auch — ich hab’ euch ziemlich genau untersucht.«
»Also, wenn ihr nicht verheiratet seid, dann … macht ihr es einfach nicht?«
»Ja. Es gibt natürlich Pillen, die eine Frau einnehmen kann, wenn sie gern mit Männern zusammen ist, aber nicht die Folgen tragen will.«
»Pillen? Wie wirken die? Hormone, ja?« Das schien das Split zu interessieren, wenn auch mehr nebensächlich.
»Richtig.« Sie hatten schon über Hormone gesprochen. Auch in der Physiologie der Splits gab es auslösende oder steuernde chemische Verbindungen, die jedoch von ganz anderer Art als beim Menschen waren. »Aber eine anständige Frau nimmt sie nicht?« vermutete Sallys Split.
»Nun … äh …«
»Wann wirst du heiraten?«
»Wenn ich den richtigen Mann finde.« Sie überlegte einen Augenblick, zögerte und fügte dann hinzu: »Vielleicht habe ich ihn schon gefunden.« Bloß dass der verdammte Idiot vermutlich schon mit seinem Schiff verheiratet ist, dachte sie.
»Warum heiratest du ihn dann nicht?«
Sally lachte. »Das ist nicht etwas, in das man sich Hals über Kopf hineinstürzt. ›Jung gefreit, bald bereut.« Ich kann heiraten, wann immer ich will.« Die durch ihren Beruf geprägte Objektivität ließ sie einschränken: »Naja, innerhalb der nächsten fünf Jahre jedenfalls. Wenn ich bis dahin nicht verheiratet bin, würde man mich als alte Jungfer ansehen.«
»Was bedeutet das?«
»Nun, die Leute würden es sonderbar finden.« Neugierig geworden fragte sie: »Was ist, wenn ein Split keine Kinder haben will?«
»Dann haben wir keinen Geschlechtsverkehr«, sagte Sallys Split tugendsam.
Ein kaum hörbares
Die Landefähre der Splits hatte die Form einer stumpfen Pfeilspitze, die mit einem abschmelzenden Hitzeschutzmaterial überzogen war. Das Cockpit bestand aus einem transparenten Ring, abgesehen davon gab es keine Aussichtsluken. Als Sally und ihr Split den Eingang erreichten, stellte sie erstaunt fest, dass Horace Bury knapp vor ihr an Bord ging.
»Sie fliegen mit hinunter auf Alpha, Exzellenz?« erkundigte sich Sally.
»Ja, Mylady.« Bury schien ebenso überrascht zu sein wie Sally. Als erden Verbindungstunnel betrat, merkte er, dass die Splits einen alten Trick der Raumflotte einsetzten — das Rohr stand unter Druck, und zwar herrschte am drüberen Ende der geringere Druck, so dass die Passagiere praktisch hinübergeblasen wurden. Das Schiffsinnere war erstaunlich geräumig und bot allen genügend Platz: Renner, Sally Fowler, Kaplan Hardy — Bury überlegte, ob man ihn wohl jeden Sonntag auf die
Doch dann zog sich Dr. Horvath nach vorne ins Cockpit und schnallte sich in dem Sitz neben dem Piloten, einem Braunen, an. Bury ließ sich in der ersten Reihe nieder, wo nur zwei Sitze nebeneinander angebracht waren, und ein Split nahm den Sitz neben ihm ein. Angst schnürte ihm die Kehle zusammen, Allah ist gnädig, ich bezeuge, dass Allah — nein! Er hatte nichts zu befürchten, hatte nichts getan, was ihn in Gefahr bringen könnte.
Und doch — er saß hier hilflos angeschnallt neben einem fremden Wesen, während auf der
Ein Druckanzug ist der persönlichste Gegenstand, den ein Mensch im Weltraum besitzt, ein viel intimeres Ding als eine Pfeife oder eine Zahnbürste vielleicht. Trotzdem hatten viele die unsichtbaren Heinzelmännchen an ihre Anzüge herangelassen. Während des zeitraubenden Fluges zu Splitter Alpha hatte Commander Sinclair die Veränderungen untersucht, die die Minis vorgenommen hatten.
Bury hatte abgewartet. Endlich erfuhr er über Nabil, dass die Heinzelmännchen den Wirkungsgrad der Rezirkulationssysteme verdoppelt hatten. Sinclair gab die Druckanzüge ihren Eigentümern zurück — und begann, die Anzüge der Offiziere in ähnlicher Weise zu modifizieren.