Noch zwei Kegel schnellten an die Oberfläche des dunklen Teichs. Hastig richtete Horst sein Helmradio auf die Lenin aus — einen mächtigen schwarzen Fleck, der nicht mehr als einen Kilometer entfernt war. »Hier Kadett Staley! Die Rettungsboote sind umgebaut worden. Wir sind drei, und allein in diesen …«

Ein vierter Kegel tauchte aus der Dunkelheit. Staley drehte sich in seinem Sitz um. Der Insasse sah wie ein Mensch aus. Die drei Handwaffen feuerten gleichzeitig. Der vierte Kegel glühte auf und begann zu schmelzen, doch sie stellen das Feuer erst nach längerer Zeit ein. »Eins von den … äh …« Staley wusste nicht, wie er seine Meldung formulieren sollte. Die Verbindung war vielleicht nicht sicher.

»Wir chaben Sie auf dem Bildschirm, Kadett«, sagte eine Stimme mit schwerem Akzent.

»Entfernen Sie sich von der Mac Arthur und warten Sie, bis Sie gecholt werden. Chaben Sie Ihren Auftrag ausgeführt?«

»Jawohl, Sir.« Staley blickte auf seine Uhr. »Noch vier Minuten, Sir.«

»Dann schauen Sie, dass Sie wegkommen, Kadett«, wies die Stimme an.

Gut, aber wie? fragte sich Staley. Die Funktion der Steuerinstrumente war nicht so einfach zu erraten. Während er noch hastig nach irgendwelchen Hinweisen suchte, zündete seine Rakete neuerlich. Aber was — er hatte jedenfalls nichts berührt. »Meine Rakete feuert wieder«, meldete Whitbreads Stimme. Es klang ruhig, viel ruhiger, als Staley sich fühlte.

»Aye, meine auch«, sagte Potter. »Aber ’nem geschenkten Gaul soll man nicht in die Düsen gucken. Wir entfernen uns wenigstens vom Schiff.«

Das Dröhnen hielt an. Alle drei Boote beschleunigten mit nahezu einem Standard-ge auf Splitter Alpha zu, der als mächtige grüne Sichel die eine Seite des Himmels beherrschte. Auf der anderen Seite erstreckte sich das Dunkel des Kohlensacks und davor das dunklere Schwarz der Lenin. Die Boote beschleunigten noch lange Zeit.

<p>32</p><p>Die <emphasis>Lenin</emphasis></p>

Der junge russische Kadett nahm vorbildlich Haltung an. Sein Gefechtsanzug war blitzsauber gepflegt, so wie überhaupt seine ganze Adjustierung vollkommen dem Reglement entsprach. »Der Admiral ersucht Sie, auf die Brücke zu kommen«, sagte er höflich in fehlerlosem Anglic., Rod Blaine folgte ihm niedergeschlagen. Sie schwebten durch die Luftschleuse des Nummer-Zwei-Hangars der Lenin und wurden von einer Ehrengarde aus Kutuzovs Infanteristen in Empfang genommen. Das Ehrenzeremoniell eines Kapitänbesuchs stachelte nur seinen Schmerz auf. Er hatte seine letzten Befehle erteilt, und er hatte als letzter sein Schiff verlassen. Jetzt war er nur mehr ein Beobachter, und dies war vermutlich das letzte Mal, dass ihm jemand ein Empfangszeremoniell bereitete.

Alles an diesem Kriegsschiff kam ihm zu groß vor, obwohl er wusste, dass das nichts als eine Täuschung war. Mit wenigen Ausnahmen war die Bauweise der schweren Schlachtschiffe vereinheitlicht, so dass er ebenso gut an Bord der Mac Arthur hätte sein können. Die Lenin befand sich im Gefechtszustand, alle luftdichten Türen waren geschlossen und verriegelt. An den Schaltborden der wichtigsten Schleusen standen Infanterieposten, aber sonst begegnete ihnen niemand, und Rod war froh darüber. Er hätte niemandem von seiner früheren Mannschaft — oder von den Passagieren — gegenübertreten mögen.

Die Brücke der Lenin war riesig. Sie war als Flaggschiff eingerichtet, und der Brückenraum enthielt zusätzlich zu den üblichen Bildschirmen, Instrumentenkonsolen und Kommandoplätzen noch ein Dutzend Sitze für den Gefechtsstab des Admirals. Rod erwiderte hölzern den Gruß des Admirals und ließ sich dankbar in den Sitz des Flaggenkapitäns sinken. Er fragte sich nicht einmal, wohin Commander Borman, Kutuzovs Flaggenleutnant und Stabschef, verschwunden war. Er war mit dem Admiral in seiner Kommandostation allein. Die Bildschirme über ihm zeigten die Mac Arthur aus einem halben Dutzend Richtungen. Die letzten Boote der Lenin entfernten sich gerade.

Staley muss seinen Auftrag ausgeführt haben, dachte Rod. Jetzt bleiben der Mac nur noch ein paar Minuten. Wenn sie vernichtet ist, dann bin ich wirklich am Ende. Ein neuernannter Kapitän, der sein Schiff auf der ersten Fahrt verliert — selbst der Einfluss des Marquis konnte das nicht aufwiegen. Blinder Hass auf alles, was im System des Splitters lebte, wallte in ihm hoch.

»Verdammt, wir müssten das Schiff doch diesen — diesen gottverdammten Tieren wegnehmen können!« brachte er erstickt hervor.

Kutuzov schaute überrascht auf. Seine buschigen Augenbrauen zogen sich zusammen, dann wurde seine Miene etwas freundlicher. »Da. Wenn sie wirklich nicht mehr sind.

Aber angenommen, sie sind keine Tiere? Auf jeden Fall ist es zu spät.«

»Ja, Sir. Die Torpedos sind scharfgemacht.« Zwei Wasserstoffbomben. Der Feldgenerator würde binnen Millisekunden zu Atomen verdampfen, und die Mac Arthur — der Gedanke war wie ein körperlicher Schmerz. Wenn die Bildschirme aufflammten, gab es sie nicht mehr. Er blickte unvermittelt auf. »Wo sind meine Kadetten, Admiral?«

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