Mergell kam im gleichen Augenblick auf die Füße wie er. Er keuchte. Aus seiner Nase lief Blut über Gesicht und Kinn, und auf seiner Stirn prangte eine dunkel unterlaufene Beule. Er täuschte mit der Faust an, ließ sich dann zur Seite kippen und trat Skar wuchtig in den Leib. Skar schrie auf und wankte zurück. Zwei, drei Fausthiebe trafen ihn an Brust und Kopf, dann versetzte Mergell ihm einen wütenden Stoß und sprang mit einem verzweifelten Satz nach seiner Waffe. Er kam mit einer Rolle wieder auf die Füße, schwang seinen Säbel und drang mit einem gellenden Schrei auf seinen vermeintlich wehrlosen Gegner ein. Skar sprang zurück, als Mergells Säbel niedersauste. Die Klinge schnitt mit häßlichem Geräusch dicht vor seinem Gesicht durch die Luft und hackte in den Boden. Skar trat Mergell in die Kniekehlen, flankte zur Seite und riß seinen Waffengurt vom Boden hoch. Das Tschekal schien ihm regelrecht in die Hand zu springen. Er warf Mergell die leere Scheide ins Gesicht, parierte einen Säbelhieb und setzte mit einem wütenden Schrei nach. Ihre Waffen krachten aufeinander und rutschten funkensprühend ab. Mergell wurde von der Wucht des Hiebes zurückgetrieben und prallte gegen den Tisch. Aber er erwies sich als hervorragender Fechter. Immer wieder zuckte sein Säbel hoch und parierte Skars Schläge, und Skar mußte mehr als nur einmal zur Seite springen oder sich blitzschnell ducken, um nicht von der dünnen, gekrümmten Klinge verletzt oder getötet zu werden. Seine Arme begannen allmählich zu erlahmen, aber auch Mergell schien die Wirkung seiner mit brutaler Kraft geführten Hiebe zu spüren. Er schwankte, und seine Konter und Finten waren längst nicht mehr so elegant wie zu Beginn des ungleichen Kampfes. Schließlich endete der Kampf so abrupt, wie er begonnen hatte. Skar holte zu einem mächtigen, beidhändig geführten Schlag aus und sprang vor, aber Mergell verzichtete auf eine Abwehr und duckte sich statt dessen blitzschnell zur Seite weg. Seine Klinge ruckte hoch und riß eine lange, blutige Schramme in Skars Seite. Skar schrie überrascht auf, verlor das Gleichgewicht und stürzte auf den Tisch. Mergells Klinge sauste herab, krachte gegen seinen Handschutz und prellte ihm die Waffe aus der Hand.
»Hört auf!«
Seshars Stimme schnitt hart und befehlend durch den Raum, und Mergell erstarrte mitten in der Bewegung. Das Schwert in seiner Hand zitterte, und seine Brust hob und senkte sich in schnellen, hektischen Stößen. Skar richtete sich langsam auf, massierte seine schmerzenden Handgelenke und wich rückwärtsgehend vor Mergell zurück. Der Säbel folgte jeder seiner Bewegungen, die tödliche Spitze nur mehr wenige Millimeter von Skars Kehle entfernt. »Laß ihn, Mergell«, sagte Seshar.
»Das reicht.«
Einen Moment lang hatte Skar beinahe den Eindruck, als ob Mergell den Befehl ignorieren und ihm kurzerhand das Schwert in den Leib rammen wollte; dann drehte er sich mit einer ruckhaften Bewegung, hob seinen Stuhl vom Boden auf und ließ sich erschöpft darauf niedersinken.
Skar blieb sekundenlang reglos gegen die Wand gelehnt stehen. Seshar starrte ihn aus brennenden Augen an. Sein Gesicht war nun nicht mehr so unbewegt wie zu Anfang, aber der Ausdruck darauf war jetzt nur noch bloße Verachtung.
»Vielleicht«, sagte er mit mühsam beherrschter Stimme, »ist es besser, wenn du jetzt gehst, Skar.«
Skar rieb sich über die schmerzenden Rippen, reckte trotzig das Kinn vor und trat auf Seshar zu. »Begeht jetzt keinen Fehler«, sagte er. Seine Stimme schwankte, vor Aufregung oder Anstrengung, ganz wenig nur, aber doch so, daß jeder der im Raum Versammelten es bemerkte. »Der Kampf war nicht fair, und Ihr wißt es. Ich hatte praktisch schon gewonnen. Hätte er nicht zur Waffe gegriffen . . .«
»Genug«, unterbrach ihn Seshar. »Ich will nichts mehr hören, Skar. Es ist nicht gerade ein Zeichen dafür, ein großer Krieger zu sein, wenn man einen Mann zusammendrischt, der fünfzig Pfund weniger wiegt und zwei Handspannen kleiner ist.«
»Aber es war ein Zufall!« begehrte Skar auf. »Ich . . .«
»Schweig, Skar!« donnerte Seshar. »Ich will nichts mehr hören! Wir haben uns getäuscht. Du bist nicht der Mann, auf den wir gewartet haben. Verzeih, wenn ich falsche Hoffnungen in dir geweckt habe, doch auch ein König ist nur ein Mensch und kann sich irren. Du kannst auf Ipcearn bleiben, solange du willst, doch im Augenblick bitte ich dich, dich zurückzuziehen und uns allein zu lassen.«