Poto versuchte nicht zu fliegen. Statt dessen nahm er all seinen Mut zusammen und kroch näher zu dem Teufel auf dem Ast heran. Damit stieg er so hoch, daß der untere Teufel ihn mit seinen Sprüngen nicht erreichen konnte. Aber es brachte ihn auch fast in die Reichweite der ausholenden Hand des oberen Teufels. Zweimal berührte die Hand Potos Füße. Doch beim zweitenmal hatte der Teufel sich so weit vorgewagt, daß sein Gleichgewicht gefährdet war, und in diesem Augenblick
Es gab ein zweites bedeutendes Argument, das für Poto sprach: Jeder wußte — ganz gleich, wie die Versammlung entscheiden würde —, daß Poto hinabsteigen, pTo suchen und alles tun würde, um ihn zu retten, sogar sein Leben für ihn anbieten, falls er noch nicht tot war. Die Versammlung mußte in Wirklichkeit also nicht entscheiden, ob Poto gehen sollte, sondern, ob sein Versuch so gefährlich war, daß man ihm eine Schwinge abreißen sollte, um zu verhindern, daß er ging. Das wäre eine schreckliche Strafe, denn es war die äußerste Erniedrigung, einen Mann der Flugfähigkeit zu berauben. Das war die Strafe, die man einem Mann aufzwang, der einer Frau Gewalt angetan hatte, und sie führte immer zum gleichen Ende: zu einem grausamen, erniedrigenden Tod unter den Händen der Teufel, sobald sie ihren nächsten Überfall durchführten. Da Poto kein Kind war, würde man ihn nicht in die Höhlen hinabtragen. Statt dessen würden die Räuber ihn an Ort und Stelle essen, bei lebendigen Leibe. Die Ablenkung, einen mit einer zerrissenen Schwinge essen zu können, mochte ein paar Kleinkindern das Leben retten — nur dafür war ein solcher Verbrecher noch gut.
Es wäre grausam, da Potos einziges Verbrechen darin bestand, daß er sein Ander-Ich retten wollte, ganz gleich, was die Versammlung entschied. Aber es würde ihm nicht helfen, daß er abstritt, der Versammlung trotzen zu wollen — indem er den Eindruck erweckte, sein Ander-Ich mehr zu lieben als das Gesetz, würde er sich nur erniedrigen. Wie man von einer Frau erwartete, daß sie für die Rettung ihres Mannes bat, und sie deshalb schweigen mußte, ob sie nun tatsächlich für ihn gebeten hätte oder nicht, erwartete man von einem Mann, daß er allen Ängsten, Gesetzen, Gefahren und Weisheiten trotzte, um zur Rettung seines Ander-Ichs zu fliegen. Ob er das Gesetz nun brechen würde oder nicht, man müßte ihn eigentlich bestrafen, als ob er es gebrochen
Also mußte die Versammlung entscheiden, ob sie Potos Schwinge zerreißen oder das Risiko eingehen sollten, daß er die Sicherheit des Volkes gefährdete, indem er erneut den Alten gegenübertrat.
Nachdem die letzten ihrer Befürworter gesprochen hatten, verstummte Boboi endlich. Wie viele waren es? Etwas weniger als die halbe Versammlung. Wenn auch nur einige weitere für sie stimmten, würde Poto zerrissen werden, und pTo würde allein unter den Alten bleiben.
Nun war Poto an der Reihe. Das Volk war bereits müde. Er würde sich kurz fassen. »Ich glaube nicht, daß alle Alten unsere Feinde sind. Sie waren sehr wütend auf pTo, sonst wären sie nicht die Schlucht hinaufgekommen, um ihn zu suchen. Es stimmt, sie haben sein Angebot zurückgewiesen. Aber derjenige, der ihn geschlagen hat, handelte allein. Ich sah, daß die anderen sich von ihm abwandten oder nach ihm griffen, um ihn aufzuhalten …«
»Woher willst du wissen, was die Alten tun
Die Versammlung kreischte ihren Ärger darüber hinaus, daß Boboi es gewagt hatte, Poto zu unterbrechen. Schließlich hatte Poto die Formen der Höflichkeit gewahrt. Durch das hohe Kreischen in Verlegenheit gebracht, wandte Boboi das Gesicht von der Versammlung ab.
»Ich habe das nicht als einziger gesehen«, fuhr Poto fort. »Wenn es irgendeinen Zeugen gibt, der abstreitet, daß die anderen Alten pTo nicht zerbrechen wollten, wie der eine es getan hat, mögen sie jetzt sprechen, und ich erkläre mich mit allem einverstanden.«
Einige waren vielleicht nicht damit einverstanden, aber keiner war sich seiner so sicher, daß er es gewagt hätte, Poto zurückzuweisen, während er für sein Ander-Ich bat.