»Ich habe versucht, es der Überseele zu erklären. Manchmal versteht sie menschliche Gefühle nicht.«

»Manchmal?« murmelte Elemak.

»Ich … ich habe laut gesprochen. In der Zurückgezogenheit meines Zimmers. Nafai hat bis spät in den Abend gearbeitet. Aber Chveja wurde wach und muß ziemlich lange gelauscht haben, bevor sie schließlich anklopfte.«

»Willst du damit sagen, daß deine Tochter eine Petze ist?« sagte Mebbekew und gab sich schockiert.

Luet sah ihn nicht an. »Chveja hat nicht verstanden, was sie gehört hat. Es tut mir leid, daß ich für soviel Unruhe gesorgt habe. Ich wußte, daß einige von euch davon wissen und einige nicht. Aber als Nafai vor ein paar Minuten davon erfahren hat, sind wir beide sofort hierher gekommen und … na ja, hier sind wir.«

»Morgen kann Zdorab bestätigen, daß das Wecksignal auf die Mitte der Reise eingestellt ist«, sagte Nafai. »Es würde uns nur dann nicht wecken, wenn die Überseele es während der vielen Phasen ausschalten würde, in denen ich selbst schlafe. Aber das halte ich nicht für wahrscheinlich. Denn sobald ich dann erwache, würde ich selbst euch manuell wecken. Ich sage euch jetzt ein für allemal, daß mit dem Ablauf der Zeit keine Spiele getrieben werden. Unsere Kinder werden bei unserer Ankunft im selben Alter sein wie bei unserem Aufbruch. Der einzige, der während der Reise altert, werde ich sein — und glaubt mir, ich habe kein Interesse daran, mehr zu altern, als unbedingt nötig ist, um die sichere Funktion des Schiffes zu gewährleisten.«

»Warum mußt du überhaupt wach sein?« fragte Obring, Kokors Gatte, nach Nafais wohlüberlegter Meinung eine kleine Schlange von Mann.

»Die Schiffe wurden nicht dafür entworfen, von der Überseele gesteuert zu werden«, erklärte Nafai. »Das Programm der Überseele ist sogar erst fertig geschrieben worden, nachdem die ursprüngliche Flotte auf Harmonie eingetroffen ist. Die Computer hier können das Programm der Überseele zwar aufnehmen, aber kein einziges Programm ist imstande, sämtliche Computer an Bord des Schiffes gleichzeitig zu kontrollieren. Das ist eine Sicherheitsvorkehrung. Redundanz. Auf diese Weise können nicht alle Systeme gleichzeitig versagen. Außerdem gibt es noch einige Dinge, die ich von Zeit zu Zeit erledigen muß.«

»Die irgend jemand erledigen muß«, murmelte Elemak.

»Ich habe den Mantel«, sagte Nafai. »Und ich glaube, dieses Thema haben wir bereits vor längerer Zeit geklärt. Oder wollt ihr wirklich alte Argumente neu ausgraben?«

Offensichtlich wollte das niemand.

»Sohn«, sagte Volemak, »du wirst die Überseele nicht daran hindern können, das zu tun, von dem sie weiß, daß es das Richtige ist.«

»Die Überseele ist im Unrecht«, sagte Nafai. »So einfach ist das. Keiner von euch würde mir je verzeihen, würde ich der Überseele in dieser Sache gehorchen.«

»Das stimmt«, sagte Mebbekew.

»Und ich würde mir selbst auch nicht verzeihen«, sagte Nafai. »Also ist das Thema damit erledigt. Zdorab wird sich morgen den Kalender ansehen. Er und alle anderen, die es wünschen, können ihn sich unmittelbar vor dem Start noch einmal ansehen.«

»Das ist sehr freundlich von dir«, sagte Elemak. »Wir alle können heute wahrscheinlich viel ruhiger schlafen, da wir nun wissen, daß hinter unserem Rücken keine Ränke geschmiedet werden. Danke, daß du so ehrlich und offen zu uns warst.« Er erhob sich vom Tisch.

»Nein«, sagte Volemak. »Ihr kommt mit dieser Rebellion gegen die Überseele nicht durch. Niemand kommt damit durch. Nicht einmal du, Nafai.«

»Du kannst die Sache so lange mit Nafai besprechen, wie du willst, Vater«, sagte Elemak. »Aber Edhja und ich gehen zu Bett.« Er entfernte sich vom Tisch, legte einen Arm um seine Frau und führte sie hinaus. Die meisten anderen folgten ihm — Kokor und ihr Gatte Obring, Sevet und ihr Gatte Vas, Meb und seine Frau Dolja. Auf dem Weg zur Tür blieben Huschidh und Issib stehen, um ein paar Worte mit Nafai und Luet zu wechseln. »Sehr gute Idee«, sagte Huschidh, »alle einfach zusammenzurufen. Es war sehr überzeugend. Leider hat Elemak dir kein Wort geglaubt. Du hast ihn also nur in seiner Überzeugung bestärkt, daß du unaufrichtig bist.«

»Danke für die schnelle Analyse«, sagte Luet mürrisch.

»Ich weiß sie zu schätzen«, warf Nafai schnell ein. »Ich gehe nicht davon aus, daß Elemak irgend etwas für bare Münze nimmt, das ich tue.«

»Ich wollte dir nur sagen«, fuhr Huschidh fort, »daß die Barriere zwischen dir und Elemak stärker und tiefer als irgendeine Verbindung zwischen zwei anderen Personen hier ist. Gewissermaßen ist das auch eine Art von Verbindung. Doch falls du geglaubt haben solltest, du könntest ihn mit dieser kleinen Szene heute für dich einnehmen … das ist dir nicht gelungen.«

»Und was ist mit dir?« fragte Luet. »Hat sie dich eingenommen?«

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