Ojkib hingegen wußte bereits, daß er lange vorher aufwachen würde. Es überraschte ihn nicht, daß die Schwerkraft nicht normal war, so daß er sich unvorstellbar leicht und stark vorkam und jeder Schritt ihn bis zur Decke hinaufzutragen schien. So war es nun mal im Weltraum, wo einen kein Planet am Boden hielt, sondern man nur die Beschleunigung des Schiffes hatte. Und hätte er irgendwelche Zweifel gehabt, wären sie durch die Tatsache zerstreut worden, daß Ojkib, als Nafai und Luet die Kinder in der Schiffsbibliothek versammelten — dem größten Raum des Sternenschiffs, von der Zentrifuge einmal abgesehen —, das schwache Murmeln hören konnte, mit dem die Überseele zu den beiden sprach: Das ist eine schlechte Idee. Laßt ihnen keine Wahl. Kinder in diesem Alter sind zu jung, um eine so wichtige Entscheidung treffen zu können. Ihre Eltern haben bereits zugestimmt. Wenn ihr ihnen sagt, daß sie eine Wahl haben, obwohl es gar nicht stimmt, werden sie euch dafür nur hassen. Und so wird es immer weiter gehen.
Ojkib hörte solche Gesprächsfetzen seit seiner frühesten Kindheit. Er konnte sich an keine Zeit erinnern, da er sie nicht gehört hatte. Zuerst waren sie ihm jedoch wie Musik vorgekommen, wie Wind, wie das Geräusch von Wellen, das einem Kind vertraut ist, das am Meer aufwächst. Er dachte sich nichts dabei, suchte nicht nach einer Bedeutung darin. Doch allmählich, als er vier oder fünf Jahre alt war, wurde ihm klar, daß dieses Hintergrundgeräusch Namen enthielt; daß es Ideen enthielt, Ideen, die später bei Diskussionen unter den Erwachsenen aufkamen.
Obwohl die Stimmen nur in seinem Verstand zu vernehmen und daher geräuschlos waren, begann er, gewisse Denkweisen mit gewissen Personen in Einklang zu bringen. Ihm fiel auf, daß er manchmal, wenn er bei Mutter oder Vater war, bei Nafai oder Issib, bei Luet oder Huschidh, am deutlichsten das Gespräch hörte, das dem galt, worüber sie sich gerade mit einem anderen unterhielten. Er sah zum Beispiel, daß Luet versuchte, einen Streit zwischen Chveja und Dazja zu schlichten, und hörte, wie jemand sagte: Warum setzt sie sich bei Dazja nicht durch? Warum macht sie wieder einen Rückzieher? Und ein anderer — die beständigste Stimme, die stärkste — sagte: Sie setzt sich durch, sie macht das gut, hab Geduld, sie muß keinen offenen Sieg erringen, solange ihr Chveja versichert, daß sie noch euren Respekt hat. Daher wußte er, daß eine besonders leidenschaftliche, vertrauliche Stimme bedeutete, daß er Luet hörte; ein kühlerer, ruhigerer, aber unsicherer Gedankengang der Huschidhs war. Die nüchternste, ungeduldigste, streitlustigste Stimme aber war die Nafais.
Doch obwohl Ojkib das alles wußte, war er noch so jung, daß er nicht begriff, daß er diese Dinge eigentlich nicht hören sollte. Zuerst wurde es ihm der Träume wegen klar, denn diese waren eine der wirksamsten Möglichkeiten der Überseele, mit Menschen zu sprechen. Als Ojkib noch sehr klein war, kam Luet einmal zu ihnen, um mit Mutter über einen Traum zu sprechen, den sie gehabt hatte. Als sie ihn erzählt hatte, meldete Ojkib sich zu Wort und sagte: »Ich hatte diesen Traum ebenfalls!«, und dann wiederholte er die Dinge, die Luet gesehen hatte.
Mutter antwortete ihm daraufhin lächelnd, doch er wußte, sie glaubte ihm nicht, daß er denselben Traum gehabt hatte. Als es beim zweitenmal geschah, bei einem Traum Vaters, nahm Mutter Ojkib zur Seite und erklärte ihm sanft, daß er nicht so tun müsse, als hätte er dieselben Träume wie andere Leute gehabt. Es sei besser, nur seine eigenen Träume zu erklären.
Ojkib störte es, daß man ihm nicht glaubte, und je älter er wurde, desto mehr störte es ihn. Warum glaubten die Erwachsenen ihm einfach nicht, daß er als Dreijähriger, als Vierjähriger, dieselben Mitteilungen von der Überseele bekam, die auch sie so häufig erhielten? Schließlich kam er zu dem Schluß, das Problem läge darin, daß der Traum
Er fragte sich: Warum hat die Überseele