Herr Beck schüttelt den Kopf. »Nee. Den kann jeder kriegen, der eigentlich besonders gut gelaunt ist. Damit hängt der nämlich zusammen. Mit der guten Laune, oder besser gesagt: mit zu guter Laune. Also, wenn sich jemand ganz doll freut und dann plötzlich merkt, dass doch nicht alles so rund läuft, wie er dachte, dann ist er natürlich besonders enttäuscht. Und diese Enttäuschung nennt man
Na, vielen Dank. Wenn mir noch etwas gefehlt hat, dann Becks Schlaumeierei. Ich rapple mich wieder auf und laufe in Richtung Terrassentür zur Werkstatt. Anstatt mich weiter verspotten zu lassen, gucke ich mal, ob es nicht wenigstens etwas zu fressen für mich gibt. Immerhin ist die Mittagszeit schon fast vorbei.
»He, warte doch!«, ruft mir Beck hinterher. »Das war nicht so gemeint! Entschuldige!«
Pah. Der kann mich mal. Bevor ich jedoch die Treppen zur Werkstatt hinunterspringen kann, kommt Herr Beck im gestreckten Galopp angeprescht und direkt neben mir zu stehen.
»Hallo, Herr von Eschersbach! Ich habe mich entschuldigt. Nun sein Se mal nicht nachtragend, sondern lassen Sie uns lieber überlegen, wie wir Sie aus diesem Stimmungstief wieder nach oben kriegen.«
Ich setze mich.
»Na gut. Was schlägst du vor?«
»Mal sehen. Die Sache mit der Tasche, um die kümmere ich mich. Es war meine Idee, also bringe ich das auch zu Ende. Wirst schon sehen.«
»Aber wie willst du das denn machen? Ohne die Tasche geht’s doch gar nicht. Wir hätten sie einfach besser verstecken müssen – sie draußen liegen zu lassen war echt hirnrissig.«
»Mag sein, aber Selbstvorwürfe bringen uns nun auch nicht weiter. Und Aufgeben kommt nicht in Frage. Mir wird schon etwas einfallen. Mir fällt immer etwas ein.«
Ich seufze. Der Kater scheint wild entschlossen.
»Und mit Marc und Carolin?«
»Auch da würde ich sagen: nur die Ruhe. Denn sein wir mal ehrlich: Wenn Carolin mittlerweile so wenig Vertrauen zu Marc hat, dass sie ernsthaft glaubt, er würde hinter ihrem Rücken wieder was mit seiner Exfrau anfangen, dann kannst du auch nichts dran machen. Wenn sie ihn wirklich liebt, muss sie sich ein Herz fassen und mit ihm sprechen. Dir empfehle ich, dich da rauszuhalten. Das ist eindeutig Menschenkram.«
Wahrscheinlich hat Beck Recht. Ich sollte mich da raushalten. Das wird mir allerdings verdammt schwerfallen. Vielleicht haben wir auch Glück, und alles regelt sich von selbst? Ich beschließe vorzufühlen, ob die Stimmung in der Werkstatt vielleicht schon ein bisschen besser ist. Eben war Caro verdammt schweigsam, hoffentlich ist sie mittlerweile munterer.
Nein. Sie steht immer noch an ihrer Werkbank, scheinbar konzentriert auf ihre Arbeit. Daniel lehnt neben ihr an der Wand und mustert sie nachdenklich.
»Willst du ihn denn nicht wenigstens mal zurückrufen?«
»Nein.«
»Er hat schon dreimal angerufen. Beim vierten Mal verleugne ich dich nicht mehr.«
Schweigen. Daniel zieht sich seine Jacke an. »Ich fahre jetzt noch mal zu Lemke und komme heute nicht mehr rein. Und ich glaube, du machst einen Fehler. Marc weiß doch gar nicht, was eigentlich los ist.« Dann schnappt er sich die Schlüssel, die auf seiner Werkbank liegen, und geht los.
Als die Tür ins Schloss fällt, nimmt sich Caro das Telefon und tippt eine Nummer ein.
»Hallo, Nina. Bist du an der Uni? Und noch mit deinem Experiment beschäftigt? Ach so … na, ich dachte, wir könnten vielleicht einen Kaffee zusammen trinken.« Nina scheint etwas länger auszuholen, jedenfalls sagt Caro eine ganze Weile gar nichts. »Aha. Na gut, dann komme ich später auf ein Glas Wein vorbei … nee, muss ich dir persönlich erzählen. Bis dann.« Klick.
Sie hat aufgelegt. Ohne mich eines Blickes zu würdigen, geht Caro in die kleine Küche und holt sich ein Glas Wasser. Aus ihrer Handtasche kramt sie ein kleines Pappschächtelchen, holt zwei kleine weiße Bonbons daraus hervor und schluckt diese. Dann stapft sie wieder zu ihrer Werkbank zurück.
Wenn Carolin in dieser Stimmung ist, mag ich sie gar nicht. Gut, so grimmig wie heute ist sie selten, und es ist überdeutlich, dass es ihr nicht gut geht. Aber ist das ein Grund, seinen treuen vierbeinigen Freund zu ignorieren? Ich laufe hinter ihr her, springe dann auf den Korbsessel neben ihrer Werkbank und belle einmal laut und kräftig. Hallo, Caro! Nun guck mich doch wenigstens mal an! Endlich dreht sie sich zu mir um.
»Mann, Herkules! Jetzt nerv du nicht auch noch!«