»Sieht ganz danach aus, als hätten sie Spaß dabei, oder?«, sagte Hagrid munter. Harry nahm an, daß er die Kröter meinte, denn seine Mitschüler hatten mit Sicherheit keinen Spaß; hin und wieder explodierte einer der Kröterrümpfe mit einem erschreckend lauten Knall, und das Geschöpf schleuderte ein paar Meter nach vorn. Nicht wenige Schüler rutschten, die Leine in der Hand, bäuchlings über den Rasen

und versuchten verzweifelt, wieder auf die Beine zu kommen.

»Ach, ich weiß nicht, Harry«, seufzte Hagrid plötzlich und sah ihn mit besorgter Miene an.»Schul-Schämpion… dir scheint auch alles in den Schoß zu fallen, oder?«

Harry antwortete nicht. Ja, alles schien ihm in den Schoß zu fallen… das war ungefähr das, was Hermine bei ihrem Spaziergang um den See gesagt hatte, und das war ihr zufolge der Grund, warum Ron nicht mehr mit ihm sprach.

* * *

Die nächsten Tage gehörten zu den schlimmsten, die Harry in Hogwarts je erlebt hatte. Ganz ähnlich war es ihm schon einmal während jener Monate ergangen, als fast alle in Hogwarts ihn verdächtigt hatten, seine Mitschüler anzugreifen. Doch damals hatte Ron auf seiner Seite gestanden. Harry hatte das Gefühl, wenn Ron nur wieder sein Freund wäre, könnte er das Verhalten der anderen leichter ertragen, doch auf keinen Fall wollte er versuchen, wieder mit Ron zu sprechen, wenn Ron selbst es nicht wollte. So blieb er einsam und bekam die Abneigung der anderen täglich zu spüren.

Die Hufflepuffs konnte er verstehen, auch wenn er es nicht gut fand, wie sie sich aufführten; immerhin hatten sie ihren eigenen Champion, den sie unterstützen mußten. Von den Slytherins erwartete er ohnehin nichts anderes als fiese Beleidigungen – dort war er seit langem verhaßt, da er bei den Gryffindors oft tatkräftig mitgeholfen hatte, die Slytherins zu besiegen, sowohl im Quidditch als auch im Schulwettkampf der Häuser. Doch er hatte daraufgesetzt, daß wenigstens die Ravenclaws sich dazu durchringen würden, ihn ebenso eifrig zu unterstützen wie Cedric. Und darin hatte er sich geirrt. Die meisten Ravenclaws schienen zu glauben, er sei nur darauf aus, noch mehr Ruhm zu ernten, und habe deshalb dem Kelch seinen Namen untergeschoben.

Hinzu kam, daß Cedric einen viel besser aussehenden Champion hergab als Harry. Cedric war mit seiner geraden Nase, seinem dunklen Haar und seinen grauen Augen ungewöhnlich hübsch, und es war schwer zu sagen, wer dieser Tage mehr Aufmerksamkeit bekam, Cedric oder Viktor Krum. Tatsächlich beobachtete Harry eines Tages beim Mittagessen dieselben Mädchen aus der sechsten Klasse, die so scharf auf Krums Autogramm gewesen waren, wie sie Cedric anflehten, seinen Namenszug auf ihre Schultaschen zu schreiben.

Unterdessen wartete er immer noch auf eine Antwort von Sirius. Hedwig weigerte sich, auch nur in seine Nähe zu kommen, Professor Trelawney sagte seinen Tod mit noch größerer Bestimmtheit als sonst voraus, und bei Professor Flitwick war er so schlecht im Aufrufezaubern, daß er noch eine Extraportion Hausaufgaben bekam – als Einziger, abgesehen von Neville.

»Im Grunde ist es gar nicht so schwer«, versuchte ihn Hermine aufzumuntern, als sie nach Flitwicks Unterricht hinausgingen – während der ganzen Stunde hatte sie irgendwelche Gegenstände durchs Zimmer und in ihre Hände fliegen lassen, als wäre sie ein merkwürdiger Magnet für Tafelschwämme, Papierkörbe und Lunaskope.»Du hast dich einfach nicht richtig konzentriert -«

»Und warum wohl?«, sagte Harry niedergeschlagen. Und in diesem Augenblick ging Cedric Diggory vorbei, umringt von einer Schar geziert lächelnder Mädchen, die Harry ansahen, als ob er ein besonders großer Knallrümpfiger Kröter wäre.»Na ja – ist doch egal, oder? Ich kann mich ja auf heute Nachmittag freuen, Doppelstunde Zaubertränke…«

Die Doppelstunde Zaubertränke war immer ein schreckliches Erlebnis, doch jetzt war es die reine Folter. Anderthalb Stunden lang mit Snape und den Slytherins in einen Kerker

gesperrt zu sein, die alle entschlossen schienen, Harry so schwer wie möglich zu bestrafen, weil er es gewagt hatte, Schul-Champion zu werden, das war so ziemlich das Unangenehmste, was Harry sich vorstellen konnte. Einen Freitag hatte er schon durchgestanden, mit Hermine an seiner Seite, die ihm ständig»Scher dich nicht drum, laß sie reden«zumurmelte, und er wußte nicht, warum es ihm heute besser ergehen sollte.

Als er nach dem Mittagessen mit Hermine vor Snapes Kerker ankam, warteten die Slytherins bereits an der Tür, und ausnahmslos alle trugen große Anstecker an den Umhängen. Einen überdrehten Moment lang dachte Harry, es seien B.ELFE.R-Anstecker – dann sah er, daß alle dieselbe Aufschrift in roten Leuchtbuchstaben trugen, die durch das Dämmerlicht des Kellergangs strahlten:

Ich bin für CEDRIC DIGGORY -

den WAHREN Hogwarts-Champion!

»Gefällt's dir, Potter?«, sagte Malfoy laut, als Harry näher trat.»Und das ist nicht alles – sieh mal!«

Er drückte mit dem Finger auf den Anstecker, die Schrift verschwand und dann erschienen leuchtend grüne Lettern:

<p>POTTER STINKT</p>
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