»Was soll das denn heißen, gratuliere?«, sagte Harry und sah Ron finster an. Etwas stimmte offensichtlich nicht mit Rons Lächeln; es war eher eine Grimasse.

»Na ja… keiner sonst ist über die Alterslinie gekommen«, sagte Ron.»Nicht mal Fred und George. Wie hast du's gemacht – mit dem Tarnurnhang?«

»Mit dem Tarnurnhang wäre ich nicht über diese Linie gekommen«, sagte Harry langsam.

»Na gut«, sagte Ron.»Ich dachte nur, du hättest es mir sagen können, wenn es der Umhang gewesen wäre… da hätten wir immerhin beide druntergepaßt, oder? Aber du hast was anderes gefunden?«

»Hör zu«, sagte Harry,»ich hab meinen Namen nicht in diesen Kelch geworfen. Jemand anderes muß es getan haben.«

Ron hob die Brauen.»Warum sollte jemand das tun?«

»Weiß ich nicht«, sagte Harry. Er hatte das Gefühl, es würde auf peinliche Art schaurig klingen, wenn er sagen würde,»um mich zu töten«.

Ron zog die Augenbrauen so weit hoch, daß sie unter seinen Haaren zu verschwinden schienen.

»Es ist schon in Ordnung, mir jedenfalls kannst du die Wahrheit erzählen«, sagte er.»Wenn du nicht willst, daß es alle erfahren, schön, aber ich weiß nicht, warum du auch noch anfängst zu lügen, du hast ja nicht einmal Ärger gekriegt, oder? Diese Freundin der fetten Dame, Violet, hat uns schon alles erzählt. Dumbledore läßt dich teilnehmen. Tausend Galleonen Preisgeld, aber hallo. Und von den Prüfungen bist du auch befreit…«

»Ich hab meinen Namen nicht in diesen Kelch geworfen!«, sagte Harry mit einem Anflug von Ärger.

»Jaah, schon gut«, erwiderte Ron und klang dabei genauso ungläubig wie Cedric.»Aber du hast doch heute Morgen gesagt, du hättest es in der Nacht getan, damit dich keiner sieht… ich bin nicht blöd, weißt du.«

»Aber den Blödmann spielst du ziemlich gut«, blaffte ihn Harry an.

»Jaah?«, sagte Ron, und jetzt war keine Spur eines Grinsens, ob echt oder falsch, auf seinem Gesicht.»Du willst jetzt sicher schlafen, Harry, ich denke, du mußt morgen früh raus, für einen Fototermin oder so was.«

Ron zog die Vorhänge seines Himmelbetts zu, und Harry stand an der Tür und starrte auf den dunkelroten Stoff, der nun einen der wenigen Menschen verbarg, von denen er überzeugt gewesen war, daß sie ihm glauben würden.

<p id="BM18">Die Eichung der Zauberstäbe</p>

Als Harry am Sonntagmorgen erwachte, wußte er zunächst nicht, warum er sich so besorgt und niedergeschlagen fühlte. Dann überkam ihn die Erinnerung an den Abend zuvor. Er setzte sich auf und riß die Bettvorhänge zur Seite, um auf der Stelle mit Ron zu sprechen, denn Ron mußte ihm jetzt einfach glauben – doch dann sah er, daß Rons Bett leer war; offenbar war er schon unten beim Frühstück.

Harry zog sich an und stieg die Wendeltreppe in den Gemeinschaftsraum hinunter. Kaum war er eingetreten, fingen seine Mitschüler, die schon gefrühstückt hatten, erneut an zu klatschen. Die Aussicht, in die Große Halle zu gehen und dort den anderen Gryffindors zu begegnen, die ihn ebenfalls wie einen Helden feiern würden, war nicht besonders verlockend; doch sollte er hier bleiben und sich von den Cree-vey-Brüdern in die Zange nehmen lassen, die ihn begeistert zu sich herüberwinkten? Entschlossen ging er zum Porträtloch, kletterte hinaus und sah sich plötzlich Hermine gegenüber.

»Hallo«, sagte sie. In der Hand hatte sie ein paar in Servietten gewickelte Toastbrote.»Das hier ist für dich… hast du vielleicht Lust auf einen Spaziergang?«

»Gute Idee«, sagte Harry dankbar.

Sie gingen hinunter, durchquerten rasch die Eingangshalle, gingen hinaus und schlenderten über den Rasen zum See hinüber, wo das am Ufer vertäute Schiff der Durmstrangs sich schwarz im Wasser spiegelte. Es war ein kalter Morgen, und während sie im Gehen ihre Brote aßen, schilderte Harry ganz genau, was am Abend zuvor, nachdem er den Gryffindor-Tisch verlassen hatte, geschehen war. Als er merkte, daß Hermine ihm seine Geschichte ohne weitere Nachfragen glaubte, fiel ihm ein schwerer Stein vom Herzen.

»Hör mal, natürlich war mir klar, daß du dich nicht selbst ins Spiel gebracht hast«, sagte sie, nachdem er ihr geschildert hatte, was in dem Raum hinter dem Lehrertisch geschehen war.»Du hättest dein Gesicht sehen sollen, als Dumbledore deinen Namen ausgerufen hat! Die Frage ist nur, wer hat den Zettel wirklich eingeworfen? Denn Moody hat Recht, Harry… ich glaube nicht, daß es ein Schüler getan hat… keiner von uns hätte es geschafft, den Kelch zu täuschen oder über Dumbledores Linie -«

»Hast du Ron gesehen?«, warf Harry ein.

Hermine zögerte.

»Ähm… ja… er war beim Frühstück«, sagte sie.

»Glaubt er immer noch, daß ich meinen Namenszettel selbst eingeworfen habe?«

»Hmh… nein, ich denke nicht… nicht wirklich«, sagte Hermine verlegen.

»Was soll das heißen, nicht wirklich?«

»Oh, Harry, ist das nicht klar?«, sagte Hermine verzweifelt.»Er ist neidisch!«

»Neidisch?«, sagte Harry ungläubig.»Neidisch auf was? Will er sich vielleicht vor der ganzen Schule zum Deppen machen?«

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