Moody schien sein wenig überschwänglicher Empfang nicht im Mindesten zu stören. Ohne den Krug mit Kürbissaft vor sich zu beachten, steckte er die Hand abermals in seinen Reiseumhang, zog einen Flachmann heraus und nahm einen kräftigen Schluck. Als er den Arm hob, um zu trinken, verrutschte sein Umhang ein wenig, und Harry sah unter dem Tisch einige Zentimeter seines geschnitzten Holzbeines, das in einem Klauenfuß endete. Dumbledore räusperte sich erneut.
»Wie ich eben erwähnte«, sagte er und lächelte dem Meer von Schülern zu, die immer noch gebannt Mad-Eye Moody anstarrten,»werden wir in den kommenden Monaten die Ehre haben, Gastgeber einer sehr spannenden Veranstaltung zu sein, eines Ereignisses, das seit über einem Jahrhundert nicht mehr stattgefunden hat. Mit allergrößtem Vergnügen teile ich euch mit, daß dieses Jahr in Hogwarts das Trimagische Turnier stattfinden wird.«
»Sie machen Witze!«, sagte Fred Weasley laut.
Die Spannung, welche die Halle seit Moodys Ankunft erfüllt hatte, entlud sich mit einem Schlag. Fast alle lachten und Dumbledore gluckste zufrieden.
»Ich mache keine Witze, Mr Weasley«, sagte er,»obwohl, da fällt mir ein, im Sommer habe ich einen köstlichen Witz gehört; ein Troll, eine Vettel und ein irischer Kobold gehen zusammen in die Kneipe -«
Professor McGonagall räusperte sich vernehmlich.
»Ähm – aber vielleicht ein andermal… nein…«, sagte Dumbledore.»Wo war ich stehen geblieben? Ah ja, das Trimagische Turnier… nun, einige von euch werden nicht wissen, worum es bei diesem Turnier geht, und ich hoffe, daß die anderen mir verzeihen, wenn ich es kurz erkläre, sie können ja inzwischen weghören.
Das Trimagische Turnier fand erstmals vor etwa siebenhundert Jahren statt, als freundschaftlicher Wettstreit zwischen den drei größten europäischen Zaubererschulen -Hogwarts, Beauxbatons und Durmstrang. Jede Schule wählte einen Champion aus, der sie vertrat, und diese drei mußten im Wettbewerb drei magische Aufgaben lösen. Die Schulen wechselten sich alle fünf Jahre als Gastgeber des Turniers ab, und alle fanden, dies sei der beste Weg, persönliche Bande zwischen jungen Hexen und Magiern verschiedener Länder zu knüpfen – bis allerdings die Todesrate so stark zunahm, daß das Turnier eingestellt wurde.«
»Todesrate?«, flüsterte Hermine mit alarmierter Miene. Doch ihre Beklemmung schien von der Mehrheit der Schüler in der Halle nicht geteilt zu werden; viele von ihnen tuschelten aufgeregt miteinander, und auch Harry wartete gespannt darauf, mehr über das Turnier zu hören, und hatte keine Lust, sich über Hunderte von Jahren zurückliegende Todesfälle Gedanken zu machen.
»Es gab im Laufe der Jahrhunderte mehrere Versuche, das Turnier wieder einzuführen«, fuhr Dumbledore fort,»doch keiner davon war sehr erfolgreich. Nun allerdings hat unsere Abteilung für Magische Spiele und Sportarten beschlossen, daß die Zeit reif ist für einen neuen Versuch. Den ganzen Sommer über haben wir uns alle Mühe gegeben, dafür zu sorgen, daß diesmal kein Champion in tödliche Gefahr geraten kann.
Die Schulleiter von Beauxbatons und Durmstrang werden mit ihren Kandidaten engerer Wahl im Oktober hier eintreffen und der Ausscheidungskampf für die drei Champions wird an Halloween stattfinden. Ein unparteiischer Richter wird entscheiden, welche Schüler geeignet sind, im Trimagischen Turnier für den Ruhm ihrer Schule anzutreten und das ausgesetzte Preisgeld von tausend Galleonen zu gewinnen.«
»Ich mach mit!«, zischte Fred Weasley, so daß es alle am Tisch hörten, und er strahlte schon begeistert bei der Vorstellung so viel Ruhm und Reichtum ernten zu können. Er war offenbar nicht der Einzige, der sich bereits als Hogwarts-Champion sah. An jedem Haustisch sah Harry Schüler, die entweder traumverloren Dumbledore anstarrten oder fieberhaft mit ihren Nachbarn flüsterten. Doch dann erhob Dumbledore erneut die Stimme, und die Halle verstummte.