»Zwar weiß ich, wie begierig ihr alle darauf seid, den Trimagischen Pokal für Hogwarts zu holen«, sagte er,»doch die Leiter der teilnehmenden Schulen haben gemeinsam mit dem Zaubereiministerium beschlossen, in diesem Jahr eine Altersbegrenzung für die Bewerber festzusetzen. Nur Schüler, die volljährig sind – das heißt siebzehn Jahre oder älter -, erhalten die Erlaubnis, sich am Wettbewerb zu beteiligen. Dies ist ein Schritt«- und Dumbledore sprach ein wenig lauter, denn bei diesen Worten hatten einige Schüler empört aufgeschrien und die Weasley-Zwillinge schienen plötzlich mächtig zornig zu sein -»dies ist ein Schritt, den wir für notwendig halten, denn die Turnieraufgaben sind schwierig und trotz aller Vorkehrungen nur unter Gefahr zu lösen, und es ist höchst unwahrscheinlich, daß Schüler unterhalb der sechsten Klassenstufe damit zurechtkommen. Ich persönlich werde dafür sorgen, daß kein minderjähriger Schüler unseren unparteiischen Schiedsrichter hinters Licht führt, um Hogwarts-Champion zu werden.«Seine hellblauen Augen huschten zwinkernd über Freds und Georges rebellische Mienen.»Ich bitte euch daher, eure Zeit nicht mit einer Bewerbung zu verschwenden, wenn ihr noch nicht siebzehn seid.
Die Abordnungen aus Beauxbatons und Durmstrang werden im Oktober eintreffen und den größten Teil des Jahres bei uns bleiben. Ich weiß, daß ihr unsere ausländischen Gäste mit größter Herzlichkeit empfangen und den HogwartsChampion mit Leib und Seele unterstützen werdet, sobald er oder sie ausgewählt ist. Und nun ist es spät und ich weiß, wie wichtig es ist, daß ihr alle wach und ausgeruht seid, wenn ihr morgen in die Klassen geht. Schlafenszeit! Husch, husch!«
Dumbledore setzte sich und begann mit Mad-Eye Moody zu sprechen. Unter lautem Stuhlbeinscharren und Tischerücken erhoben sich die Schüler und schwärmten auf die Flügeltüren der Eingangshalle zu.
»Das können sie nicht machen!«, sagte George Weasley, der sich dem Strom zur Tür nicht angeschlossen hatte, sondern nur da stand und Zornfunkelnd zu Dumbledore hochstarrte.»Im April werden wir siebzehn, warum dürfen wir es nicht probieren?«
»Ich trete jedenfalls an, daran werden die mich nicht hindern«, sagte Fred verbissen und starrte ebenfalls mit finsterer Miene in Richtung Dumbledore.»Der Champion darf sicher alles Mögliche anstellen, was wir sonst nie tun dürfen. Und tausend Galleonen Preisgeld!«
»Jaah!«, sagte Ron mit abwesendem Blick.»Jaah, tausend Galleonen…«
»Kommt jetzt«, sagte Hermine,»sonst sind wir noch die Letzten hier.«
Harry, Ron, Hermine, Fred und George machten sich auf den Weg hinaus in die Eingangshalle, und Fred und George überlegten laut, wie Dumbledore es schaffen könnte, die unter Siebzehnjährigen vom Turnier fern zu halten.
»Wer ist dieser unparteiische Richter, der über die Champions entscheidet?«, fragte Harry.
»Keine Ahnung«, sagte Fred,»aber den müssen wir auf jeden Fall austricksen. Ich denke mal, ein paar Tropfen Alterungstrank werden genügen, George…«
»Aber Dumbledore weiß doch, daß ihr nicht alt genug seid«, sagte Ron.
»Schon, aber er entscheidet ja nicht, wer Champion wird, oder?«, sagte Fred mit hinterlistigem Lächeln.»Ich glaube, sobald dieser Richter weiß, wer mitkämpfen will, wählt er von jeder Schule den Besten aus, ohne daß er groß aufs Alter achtet. Dumbledore will doch nur verhindern, daß wir uns bewerben.«
»Aber es sind schon Leute dabei umgekommen!«, sagte Hermine mit besorgter Stimme, während sie durch eine hinter einem Wandvorhang verborgene Tür gingen und dann eine schmale Treppe erklommen.
»Tjaah«, sagte Fred lässig,»aber das ist doch schon ewig her. Und außerdem, wo bleibt der Spaß, wenn nicht ein bißchen Prickeln dabei ist? Hey, Ron, wie war's, wenn wir Dumbledore reinlegen? Hast du Lust mitzumachen?«
»Was meinst du?«, fragte Ron Harry.»Mitmachen wäre cool, oder? Aber ich glaube, die brauchen jemand Älteren… weiß nicht, ob wir schon genug gelernt haben…«
»Ich jedenfalls nicht«, ertönte Nevilles verzagte Stimme hinter Fred und George.»Aber Oma würde sicher wollen, daß ich mitmache, immer redet sie davon, daß ich die Familienehre verteidigen soll. Ich muß nur – uuuhps…«
Nevilles Fuß war geradewegs durch eine Stufe in der Mitte der Treppe gesunken. Von diesen Trickstufen gab es viele in Hogwarts; die meisten der älteren Schüler übersprangen sie bereits im Schlaf, doch Neville war berüchtigt für sein schwaches Gedächtnis. Harry und Ron packten ihn unter den Achseln und zogen ihn hoch, unter dem Kreischen und Klappern und pfeifenden Lachen einer Rüstung oben am Treppenabsatz.
»Klappe«, sagte Ron und knallte der Rüstung im Vorbeigehen das Visier zu. Schließlich gelangten sie zum Eingang des Gryffindor-Turms, der hinter dem großen Porträt einer fetten Dame in einem rosa Seidenkleid verborgen war.
»Paßwort?«, sagte sie, als sie näher kamen.
»Quatsch«, sagte George,»hat mir ein Vertrauensschüler unten verraten.«