Ja? Ich nicht. Etwas Langweiligeres, als jetzt Carolins Ideen zu dieser Kinderveranstaltung zu lauschen, kann ich mir gerade nicht vorstellen. Viel spannender ist doch, dass Herr Beck nun dauerhaft bei Nina wohnen wird! Warum erzählt Carolin denn das nicht als Erstes?
»Luisa hat doch gesagt, dass diese Lena einen Pony-Geburtstag veranstaltet hat. Also offensichtlich stehen Pferde bei den Damen hoch im Kurs. Was hältst du davon, wenn wir den gesamten Club zu einem Außentermin mit Pferden und echtem Schloss einladen? Dafür müsstest du allerdings mal deine guten Verbindungen spielen lassen.«
Gähn! Pferde? Wen interessiert’s? Gut, ich weiß, dass meine Vorfahren oft auch Jäger begleitet haben, die mit Pferden unterwegs waren. Opili sagt, dass das immer die tollsten Erlebnisse waren – eine ganze Meute Hunde und die Menschen auf den Pferden natürlich viel schneller als sonst zu Fuß. Allerdings bin ich mir sicher, dass Carolin mit dem Tussi-Club keine Treibjagd plant. Ohne Jagd kann ich mit Pferden aber nichts anfangen. Auf Schloss Eschersbach standen auch so einige davon rum, mir persönlich kamen die immer ein wenig blöd vor. Marc runzelt die Stirn. Ob er meine Ansicht über Pferde teilt?
»Ich fürchte, ich kann dir momentan nicht ganz folgen.«
»Macht nichts, ich erkläre es dir. Wir waren doch letztes Jahr einmal zusammen mit Herkules bei seinem Züchter – diesem etwas kauzigen Grafen, oder Herzog, oder was auch immer der ist, auf diesem riesigen Landgut.«
Herkules? Züchter? Landgut? Mit einem Mal bin ich wie elektrisiert. Carolin muss einfach von Schloss Eschersbach reden. Tatsächlich war ich einmal mit Carolin und Marc dort zu Besuch. Es war das erste und letzte Mal, dass ich meine Familie wieder zu Gesicht bekommen habe, nachdem mich der alte von Eschersbach ins Tierheim abgeschoben hatte. Es war ein traumhafter Tag. Alle haben sich gefreut, mich wiederzusehen: meine Schwester Charlotte und Mama, Emilia, die Köchin, und natürlich Opili. Es schien mir, dass selbst von Eschersbach ein bisschen gerührt war. Wahrscheinlich hatte er es schon bitter bereut, mich so schlecht behandelt zu haben. Aber das Tollste von allem war fast, als Hund des Tierarztes auf dem Schloss aufzutauchen. Ich habe regelrecht gerochen, wie viel Respekt die anderen auf einmal vor mir hatten. Leider haben wir diesen Ausflug nie wiederholt, ich hätte riesige Lust dazu gehabt.
»Äh, du meinst den alten von Eschersbach?«
»Genau. Du betreust doch seine Dackelzucht, oder?«
»Ja, das hat schon mein Vater gemacht, und ich habe das übernommen. Aber was hat das mit dem Tussi-Club zu tun?«
»Wenn ich mich recht erinnere, gibt es auf dem Gut auch Pferde.«
»Richtig. Deswegen war von Eschersbach auch schwer begeistert, als ich Vaters Praxis übernommen habe. Schließlich war ich in München lange Assistent in der Pferdeklinik der Uni.«
»Ja, du bist ein ganz Toller. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus.«
Marc grinst, schnappt plötzlich nach Carolin und kippt sie in die Waagerechte. »So, wolltest du nicht? Na warte, bevor ich nicht einen Kuss bekomme, lasse ich dich nicht wieder los.«
Hey, Leute, nicht flirten, weitererzählen! Ich will jetzt unbedingt wissen, was Carolins Plan mit Schloss Eschersbach zu tun hat. Ob nun Marc auch ein klasse Pferdedoc ist oder nicht, tut doch hier gar nichts zur Sache!
Carolin windet sich lachend aus Marcs Griff. »Nee, nee, mein Lieber, erpressen ist nicht! Hör mir lieber weiter zu.«
Marc seufzt und nickt. »Hat von Eschersbach auch Ponys?«
»Ja, hat er. Beziehungsweise seine Schwiegertochter hat welche. Er war erst überhaupt nicht begeistert davon, aber mittlerweile stehen dort meines Wissens auch noch drei oder vier Isländer. Viel habe ich mit den Pferden aber nicht zu tun, die sind Gott sei Dank ziemlich gesund.«
»Meinst du, Luisa könnte mal mit ein paar Mädchen zum Reiten vorbeikommen?«
Eine echte Knaller-Idee! Und ich komme gleich mit! Großartig, Carolin! Du bist wirklich zu gebrauchen. Marc allerdings scheint mir nicht ganz so euphorisch. Er zuckt bloß mit den Schultern.
»Weiß nicht. Von Eschersbach ist da immer sehr eigen. Allerdings mag er mich wohl recht gerne. Ich kann ihn mal fragen. Aber was spricht eigentlich gegen einen
»Echt, Marc – du verstehst auch gar nichts von jungen Damen. Schon gar nicht von
»Nein, das will ich auch nicht«, erwidert Marc sehr knapp. Carolin schaut ihn erstaunt an.
»Sag mal, was ist eigentlich mit dir los? Nervt es dich, wenn ich solche Vorschläge mache? Findest du, dass mich das nichts angeht? Oder ist es was anderes?«
»Überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich freue mich, dass du dir Gedanken um Luisa machst.«
»Aber was ist es dann? Stress mit Sabine?«
Sabine? Da klingelt doch etwas bei mir. Ich muss sofort an Marcs Telefongespräch im Park denken.