»Marc, was soll das? Wir sind hier doch nicht im Zirkus. Wenn du mir etwas sagen willst, dann versteck dich bitte nicht hinter meinem Dackel.«
Marc kommt die Stufen wieder herunter.
»Hallo, Schatz!«
O je, er klingt kläglich. Jetzt tut er mir wirklich leid. Komm schon, Carolin! Ich habe zwar nicht verstanden, worum euer Streit eigentlich ging, aber kannst du Marc nicht einfach verzeihen? Vielleicht ist er auch gar nicht schuld an woranauch-immer. Mein Instinkt sagt mir nämlich, dass das ganze Schlamassel auch irgendetwas mit Nina zu tun haben könnte. Und der Tatsache, dass sie sich Sabine gegenüber als Caro ausgegeben hat. Aber das kann ich hier leider nicht zum Besten geben, sonst hätte ich es längst getan.
Wortlos stehen Carolin und Marc sich gegenüber, dann nimmt Marc sie in seine Arme und gibt ihr einen sanften Kuss auf die Lippen.
»Es tut mir echt leid. Ich habe doof reagiert, aber das lag nur daran, dass ich so perplex war – das musst du mir einfach glauben. Bitte!« Marcs Stimme klingt flehentlich.
Carolin windet sich aus seiner Umarmung und macht einen Schritt zurück.
»Weißt du, Marc, das war heute eine sehr unangenehme Situation für mich. Ich möchte wirklich, dass das mit uns funktioniert. Aber das habe ich nicht allein in der Hand, du musst dich genauso einbringen.«
»Aber das mache ich doch!«
»Nein, das finde ich nicht. Wenn ich dich in letzter Zeit gefragt habe, ob bei dir alles in Ordnung ist, weil ich eben das Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmt, hast du sofort dichtgemacht. Du bist nicht offen mit mir.«
»Ich weiß jetzt wirklich nicht, wovon du redest.«
»Nein? Dann denk mal drüber nach. So, Herkules, kommst du rein mit mir? Oder bleibst du lieber bei Marc?«
Äh, ich, äh … hallo? Nicht streiten! Was soll denn das?! Gut, die Sache mit der Rose war anscheinend nicht die Idee des Jahrhunderts, aber es war immerhin eine Idee. Eine ganz nette, wie ich mittlerweile finde. Carolin ist zu streng mit Marc. Wenn jemand einen Fehler einsieht, sollte man nicht noch mit ihm schimpfen.
Ich denke daran, wie ich einmal auf dem weißen, flauschigen Teppich im Salon von Schloss Eschersbach ein dringendes Geschäft verrichtet hatte. In dem Moment, in dem es passiert war, wusste ich schon, dass das ein Fehler war. Und als der alte von Eschersbach dann auf mich zuschoss, um mit mir zu schimpfen, habe ich mich gleich in einer Geste der Unterwerfung vor seine Füße gerollt und meinen Hals angeboten. Trotzdem hat er mich geschnappt und meine empfindliche Nase mitten in die Bescherung gedrückt. Obwohl ich mich gewissermaßen entschuldigt hatte. Das habe ich mir gemerkt. Wenn ich danach etwas ausgefressen hatte, habe ich mich nie wieder freiwillig gemeldet, sondern immer zugesehen, dass ich ganz schnell Land gewinne.
Auch Marc guckt Carolin nun so finster an, als hätte er gerade beschlossen, nie wieder irgendeinen Fehler zuzugeben. Das allerdings kann Carolin nicht sehen, weil sie sich schon umgedreht hat und wieder auf dem Weg in die Werkstatt befindet. Ich überlege kurz, mit Marc zu gehen. Immerhin erholt sich Cherie in der Praxis noch von ihrem Unfall. Andererseits soll sie über Nacht bleiben, wird also später auch noch da sein, und vielleicht kann ich bei Carolin ein bisschen gut Wetter für Marc machen. Schweren Herzens trotte ich deshalb hinter ihr in die Werkstatt.
Drinnen angekommen, legt Carolin die Rose achtlos auf den kleinen Tisch im Flur, auf dem auch das Telefon steht. Dann schnappt sie sich selbiges und geht ins nächste Zimmer, um zu telefonieren. Nicht einmal Wasser für die arme Blume holt sie. Pfui, wie gemein! Ich beschließe, ein Zeichen zu setzen. Carolin soll wissen, dass ich ihr Verhalten nicht gutheiße. Einer muss ja hier zu Marc halten. Stichwort Solidarität unter Männern.
Das Telefontischchen ist so niedrig, dass ich mit den Vorderpfoten leicht daraufspringen kann. Kaum habe ich das getan, komme ich auch mit der Schnauze an den Rosenstiel. Ich fasse zu und habe die Rose im Maul. Dann ziehe ich sie vorsichtig vom Tisch herunter. Noch einmal fest nachfassen – passt! Ich trabe mit der Rose im Maul zu Carolin, setze mich vor sie und gucke sie möglichst vorwurfsvoll an. Leider telefoniert Carolin und bemerkt mich nicht gleich.
»Ja, Herr Lemke, ich habe mir die Instrumente bereits angesehen. Sie sind wirklich sehr schön. Das ist natürlich ein sehr großer Auftrag, der einige Zeit in Anspruch nehmen wird.«
Sie horcht auf die Stimme aus dem Telefon. »Hm, aber Herr Carini arbeitet nicht mehr in Hamburg. Ja. Sie haben Recht, wir waren ein tolles Team. Ihn gewissermaßen
Der Mensch am anderen Ende der Leitung redet jetzt sehr eindringlich auf Carolin ein, ich kann seine Stimme ab und zu hören. Carolin hört ihm aufmerksam zu, dann nickt sie.
»Ja, ja. Das stimmt. Vielleicht hat er Zeit und Lust. Ja, versprochen, ich werde mit ihm sprechen. Danke, Herr Lemke, ich melde mich dann.«