»Tja, und deswegen musst du jetzt stundenweise die Praxis schließen, um eine Feier für dein Kind zu organisieren. Das hätte ich damals nie von deinem Vater verlangt. Da war mir die Familie immer wichtiger.«

Marc seufzt so laut, dass es sogar unter der dicken Tischplatte zu hören ist. »Luisa ist aber nicht Carolins Tochter.«

»Ja, vielleicht ist das das Problem. Vielleicht hättet ihr euch damals nicht so schnell trennen sollen.«

Plötzlich gibt es einen lauten Knall, vor Schreck fange ich an zu bellen und schieße unter dem Tisch hervor. Was ist passiert? Hat Marc irgendetwas auf den Tisch gehauen? Vielleicht mit der Hand? Die liegt jedenfalls noch zur Faust geballt auf der Tischplatte und zittert leicht.

»Verdammt noch mal, Mutter, hör endlich auf damit! Du weißt genau, wie das damals war. Wir haben uns nicht getrennt – Sabine ist abgehauen. Und zwar bei Nacht und Nebel, wie man so schön sagt. Ich kam nach Hause, und sie war weg. Mitsamt Luisa. Und dass du findest, dass ich mit dieser Frau …«

Oma Wagner legt beschwichtigend die Hand auf Marcs Unterarm. »Schatz, ich weiß doch, wie weh dir das getan hat. Aber das ist nun drei Jahre her, und manchmal muss man auch verzeihen können. Denk an deine Tochter.«

»Ich denke an meine Tochter. Die braucht vor allem einen glücklichen Vater. Und ich bin glücklich, wenn ich mit Carolin zusammen bin. Denn ich liebe diese Frau. Im Übrigen verstehen sich Caro und Luisa blendend. Caro hat sofort gemerkt, dass sich Luisa an ihrer neuen Schule nicht so wohl fühlt, und ist dann auf die Idee mit den Ponys gekommen. Dass ich mich um die Umsetzung kümmere, weil ich derjenige von uns bin, der den alten Grafen kennt, finde ich selbstverständlich. So, und damit ist das Thema für mich beendet. Ich möchte nicht weiter mit dir darüber reden.«

Schweigend trinken die beiden ihren Kaffee und essen etwas von der Torte. In meinem Kopf rattern die Gedanken, und ich merke, dass ich Ohrensausen bekomme. Alte und neue Frauen, eigene und fremde Kinder, Omas und gebrauchte Männer – das Leben der Menschen ist wirklich undurchsichtig. Ich beschließe, mich einfach in mein Körbchen zu legen und zu schlafen. Morgen sieht die Welt vielleicht wieder etwas übersichtlicher aus.

SECHZEHN

Leine, Fressnapf, Hundefutter, Kuscheldecke – meinst du, du brauchst auch seinen Impfpass?« Carolin wühlt noch einmal in der großen Tasche, die sie soeben bei Nina im Flur abgestellt hat. Die verdreht die Augen.

»Carolin, ihr seid drei Tage weg. Eigentlich nur zweieinhalb. Was soll ich da mit seinem Impfpass? Das Kerlchen bekommt regelmäßig sein Happi, tagsüber kann er mit Herrn Beck in den Garten, und ansonsten schläft er hoffentlich viel. Nein, ich brauche keinen Impfpass. Falls etwas Schlimmes passiert, rufe ich euch in eurem romantischen Winkel an, und ihr kommt wieder nach Hamburg. So einfach ist das.«

»Na gut. Dann mache ich mich jetzt auf den Weg. Komm, Herkules, gib Caro ein Küsschen.«

Ich trabe rüber zu Carolin, die nimmt mich auf den Arm und drückt mich nochmal ganz fest. Sie riecht fast ein bisschen traurig. Ob sie wirklich bald zurück ist?

Herr Beck liegt in der Ecke schräg gegenüber der Wohnungstür und amüsiert sich augenscheinlich köstlich. Er rollt sich von links nach rechts und verdreht sich dabei ziemlich den Hals, um die Abschiedsszenerie besser beobachten zu können. Als Caro weg ist, kommt er zu mir und gibt mir einen Stoß mit seiner Tatze.

»Na, da war Mutti aber traurig, oder? Mann, das muss dir als Fast-Jagdhund doch echt peinlich sein!«

»He! Was soll das heißen? Erstens: Fast-Jagdhund? Ich bin vielleicht nicht aktiv in Dienst gestellt, aber ich bin zweifelsohne ein Jagdhund. Terrier und Dackel. Mehr Jagdhund geht nicht. Und zweitens: Wieso soll mir das peinlich sein, wenn mein Frauchen beim Abschied traurig ist?«

Herr Beck streicht sich über den Schnurrbart. »Weil du ein Tier bist und sie ein Mensch ist. Zu viel Rumgekuschel finde ich da unangemessen. Ach, ihr Hunde lernt es eben nicht. Ich glaube, Carolin braucht einfach mal ein eigenes Kind. Dann wäre sie auch wieder klar im Kopf.«

Na super. Das kann ja ein tolles Wochenende werden. Drei Tage mit Kratzbürste Nina und Oberlehrer Beck. Bravo. Nicht, dass ich Carolin ihr romantisches Wochenende – was auch immer damit gemeint sein mag – mit Marc nicht gönne, aber hätten sie mich nicht mitnehmen können? Ich hätte doch gar nicht gestört. Aber nein – kaum war klar, dass Luisa das Wochenende bei ihrer Mutter verbringt, schon wurde auch nach einer Abschiebemöglichkeit für mich gesucht. Und bei Nina prompt gefunden.

»So, Herkules. Dann will ich dir mal den Abschiedsschmerz erträglicher machen und etwas Leckeres für dich kochen. Die ollen Hundekuchen brauchen wir doch gar nicht, ich habe mir etwas Besseres überlegt. Komm mal mit in die Küche.«

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