»Hm. Da hast du in der Tat ein Problem. Und wie willst du das lösen?«
Ich schaue auf meine Pfoten, als gäbe es dort etwas Interessantes zu entdecken. Vielleicht gar die Lösung meines Problems. Aber natürlich sehe ich da nur Gras und zwei bis drei wagemutige Ameisen, die sich an meinen Krallen zu schaffen machen.
»Keine Ahnung, was ich da machen könnte. Hast du vielleicht eine Idee?«
»Einen alten Kater nach den Chancen bei einer jungen Hündin zu fragen ist mit Sicherheit nicht besonders erfolgversprechend. Aber ich werde mir Mühe geben, mir anhand meiner generellen Erkenntnisse über die Liebe etwas Sinnvolles einfallen zu lassen.«
»Ach, Herr Beck, das klingt gut. Denn ich habe nicht einmal generelle Erkenntnisse über die Liebe. Mich trifft es zum ersten Mal. Und manchmal fühlt sich das ganz toll an und manchmal leider ganz furchtbar.«
»Na gut, eine Sache steht damit schon mal fest: Du bist wirklich verliebt.«
Das Wummern aus der Decke über uns ist mittlerweile so laut, dass es sogar den Fernseher überdröhnt. Es ist mal schneller, mal langsamer, aber leider nie leise. Zwischendurch klingt es auch so, als würden Menschen rauf- und runterspringen, wobei ich mir das kaum vorstellen kann, denn eigentlich machen Menschen so was nicht. Wenn ich mal vor Begeisterung rauf- und runterspringe, ernte ich jedenfalls meist tadelnde Blicke von ihnen.
Nina scheint aber wild entschlossen, den Lärm zu ignorieren. Sie geht zum Fernseher und stellt ihn noch ein bisschen lauter. Für Herrn Beck und mich ist das allerdings keine Alternative, denn nun sind wir wie eingeklemmt zwischen dem Lärm des Fernsehers und dem von oben. Ein kurzer Blickkontakt, und wir sind uns einig: Das geht so nicht!
Wir verziehen uns also in den Flur. Hier ist es aber leider auch nicht wesentlich ruhiger, denn offenbar bekommt der Herr Obermieter heute sehr viel Besuch. Auf der Treppe herrscht jedenfalls reger Verkehr, Menschen traben zu seiner Wohnung, und viele von ihnen müssen sehr seltsames Schuhwerk anhaben, denn die Schritte klingen gar nicht wie Schritte, sondern wie ein schnelles Klackern.
Da! Schon wieder! Klack klack, klack klack! Die Klingel schrillt, dann lautes Hallo an der Tür, Musik schwappt in den Hausflur. Nervig. Ob es in Ninas Schlafzimmer ruhiger ist? Und ob Beck und ich da ausnahmsweise reindürfen? Beck schaut mich leidend an.
»Warum sind Menschen bloß so furchtbar laut? Jedes vernünftige Tier kann auch im Stillen seinen Spaß haben. Aber nein, wenn die Zweibeiner eine Party feiern, dann geht das nicht ohne Höllenlärm.«
Aha. Eine Party. Interessant. Ich habe zwar schon davon gehört. Luisa wollte doch eine Pyjamaparty machen, und Marc und Carolin reden in letzter Zeit häufiger davon, dass nun mal eine Einweihungsparty anstünde. Was genau das ist, weiß ich allerdings nicht.
»Was machen Menschen denn bei einer Party?«, will ich von Beck wissen.
»Du hörst es doch selbst. Sie machen Krach.«
»Aber sie werden sicherlich noch irgendetwas anderes machen, oder? Die treffen sich doch nicht nur, um gemeinsam laut zu sein.«
»Na ja, sie hören laute Musik, sie tanzen, sie reden, natürlich trinken sie Alkohol. Manchmal küssen sie sich, auch wenn sie sich vor der Party noch gar nicht kannten. Also, mit Zunge meine ich. Nicht nur das Begrüßungsküsschen. So Zeug eben.«
Hm.
Allerdings war ich bisher davon ausgegangen, dass Menschen nur solche anderen Menschen abschlecken, die sie wirklich gut kennen. Stattdessen auch Fremde? Das ist nach meiner Kenntnis vom menschlichen Paarungsverhalten nun in der Tat ungewöhnlich. Aus diesem ganzen Kennenlernzeug vor der Paarung wird doch sonst eine Riesensache gemacht. Wie lange das allein gedauert hat, bis Marc endlich Carolin das erste Mal geküsst hat – also, mit einer einzigen
Meine Chance dazu ergibt sich schneller als erwartet. Denn noch bevor ich meinen letzten Gedanken zum Thema Lärm, Küssen und Party richtig zu Ende gedacht habe, kommt Nina aus dem Wohnzimmer. Sehr entschlossen stapft sie zur Wohnungstür – mir ist sofort klar, wo sie hin will: nach oben, sich beschweren. Ich hefte mich also an ihre Fersen, Beck tut es mir gleich. Und Nina ist offenbar so wütend, dass sie gar nicht bemerkt, dass ihr eine kleine Eskorte die Treppe hoch folgt.