Wir landen dann aber doch nicht im Park, sondern: schon wieder im Violetta! Langsam werde ich hier Stammgast. Ob man irgendwann für eine Hundetränke mit meinem Namen sorgt? Als wir das Café betreten, sitzt Sabine schon an einem Tisch in der Ecke. Sie sieht uns, springt auf, läuft zu Marc und fällt ihm um den Hals. Ich knurre ein bisschen. So wollen wir hier doch gar nicht erst anfangen!
»Huch, was hat denn der Kleine?«, erkundigt sie sich nach dieser herzlichen Begrüßung bei Marc. Der schiebt sie ein Stück zur Seite.
»Hallo, Sabine. Tja, Herkules gehört Caro. Vielleicht wundert er sich genauso über deine stürmische Begrüßung wie ich.«
Sabine zieht die Augenbrauen hoch. »Ich wollte nur nett sein. Aber bitte – wir können uns in Zukunft auch einfach die Hand geben. Wenn du es lieber förmlich magst …«
Dazu sagt Marc nichts, stattdessen geht er zu Sabines Tisch und setzt sich. Auch Sabine setzt sich wieder hin.
»Nett hier«, stellt sie fest.
»Ja, ich bin öfter mal hier, ist ziemlich genau die Mitte zwischen der Praxis und Caros Werkstatt.«
Sabine verzieht den Mund. Diese Info scheint ihr nicht zu gefallen, sie sagt jedoch nichts dazu.
»So. Du wolltest dich mit mir treffen. Also, was gibt’s?« Marc klingt nicht besonders freundlich, das beruhigt mich enorm. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine alte Frau irgendwie wieder zu seiner neuen machen will, kommt mir sehr gering vor.
»Na ja, unsere letzte Begegnung in deiner Praxis verlief doch ein bisschen unglücklich. Da dachte ich, ich nutze meinen nächsten Hamburg-Aufenthalt mal für ein Gespräch mit dir. Es ist mir nämlich durchaus an einem guten Verhältnis zu dir gelegen. Auch, wenn du mir das immer nicht glaubst.«
»Die Begegnung verlief deswegen unglücklich, weil du meine Freundin beleidigt hast – passenderweise, als sie direkt daneben stand.«
»Dafür konnte ich nun wirklich nichts. Ich dachte doch, dass diese andere Frau, die abends bei euch auf dem Sofa saß, Caroline sei.«
»Carolin. Meine Freundin heißt Carolin.«
»Ja. Wie auch immer. Jedenfalls war das keine böse Absicht von mir. Und umgekehrt hast du mittlerweile vielleicht auch ein bisschen mehr Verständnis dafür, dass ich gerne vorher gewusst hätte, wenn deine neue Flamme bei dir einzieht.«
Marc schiebt das Kinn nach vorne. »Carolin ist nicht meine
»Mein Gott, das habe ich doch gar nicht gesagt. Trotzdem: Es ist unser gemeinsames Kind. Da möchte ich über so einschneidende Dinge vorher informiert werden.«
Dazu sagt Marc erst einmal nichts, dann nickt er langsam. »Ja, du hast Recht. Das war ein Fehler von mir, und es tut mir leid.«
Sabine greift über den Tisch und nimmt seine Hand. »Danke. Es tut gut, dass du das sagst. Weißt du, ich möchte mich nicht die nächsten zehn Jahre mit dir streiten. Und ich weiß auch, dass ich dich damals tief verletzt habe. Ich wünschte, ich könnte es ungeschehen machen.«
Ihre Stimme bekommt einen ganz warmen, samtigen Klang – und bei mir gehen sämtliche Alarmglocken an.
»Marc, auch ich möchte mich entschuldigen. Es tut mir leid. Es war ein großer Fehler von mir. Weißt du, ich habe neulich ein Buch gelesen.
Marc mustert sie eindringlich.
»Sag mal, Sabine, ist alles in Ordnung bei dir?«
Er hat die letzten Worte gerade ausgesprochen, da bricht Sabine in Tränen aus. Und
»Mensch, Sabine, was ist denn los mit dir?«
Anstatt zu antworten, steht Sabine auf, schlingt ihre Arme um Marc und legt ihren Kopf auf seine Brust. Unter Tränen stammelt sie etwas, was sehr schwer zu verstehen ist, aber einzelne Wortfetzen klingen wie