Herr Beck guckt mich streng an.

»Aber ich kann nicht mehr! Dieser ganze Verkehr macht mich fertig!«, verteidige ich mich.

»Nun sei doch nicht so weinerlich! Hart in der Sache und gegen sich selbst – das ist das Erfolgsrezept des wahren Kriminalisten.«

Das sagt nun gerade der Richtige. Sonst ist es doch immer Beck, der rummeckert. Und außerdem bin ich ein Dackel, kein Kriminalist. Ich weiß ja nicht mal genau, was das Letztere überhaupt bedeutet.

»Beck, vielleicht ist unser Plan einfach gescheitert, und wir sollten nach Hause gehen.«

»Quatsch. So schnell willst du doch wohl nicht aufgeben. Denk an deine große Liebe – für eine Hündin finde übrigens selbst ich sie recht attraktiv und sportlich, wenn sie jeden Tag auf der Hundewiese trainiert. Ich muss sagen: Geschmack hast du.«

Tatsächlich hat unser bisheriger Einsatz zumindest dazu geführt, dass Beck Cherie kennengelernt hat, als sie gestern mit ihrem Frauchen zur Hundewiese spazierte. Sie war sichtlich erstaunt, mich ohne Mensch, dafür aber in Begleitung eines Katers anzutreffen.

»Wahrscheinlich findet mich Cherie jetzt erst recht wunderlich. Wir hätten ihr schon mal von unserem Plan erzählen sollen.«

»Auf keinen Fall. Der ist streng geheim. Und nun mach dir nicht so viele Sorgen. Denk einfach daran, was für ein Held du sein wirst, wenn du ihr den Schurken auf dem Silbertablett präsentierst.«

»Genau: wenn. Ich meine, seit fast einer Woche hängen wir in jeder freien Minute hier rum – und von dem Typen keine Spur.«

»Ach, der wird schon kommen. Und unser Beobachtungsposten ist perfekt: Hier muss eigentlich jeder vorbei, der von Cheries Haus zur Alster will. Du siehst doch, wie viel hier los ist.«

Keine Frage, das sehe ich. Und riechen und hören tue ich es leider auch. Ich seufze und frage mich, ob ich unseren Kandidaten schon verpasst habe. Vielleicht ist er so schnell gefahren, dass ich keine Witterung aufnehmen konnte. Andererseits – die Stelle ist von Beck tatsächlich perfekt gewählt. Denn an der neben uns liegenden Kreuzung müssen alle, die Richtung Alster wollen, abbiegen, werden also langsamer oder halten ganz an. Wäre der Kurier an mir vorbeigekommen, hätte ich ihn bemerken müssen. Ich beschließe, der Sache noch eine letzte Chance zu geben. Ohnehin müssen wir gleich wieder in die Werkstatt zurück. Zu lange können wir nicht auf unserem Posten bleiben, denn sonst würde Carolin merken, dass ich gar nicht mehr mit Beck im Garten bin.

»He, guck mal, ist das unser Mann?«

Während mich diese Bemerkung von Beck noch vor drei Tagen elektrisiert hätte, wende ich jetzt nur kurz den Kopf. Es ist immerhin das ungefähr fünfhundertste Mal, dass Herr Beck einen Verdächtigen sichtet.

Von unserem Blickwinkel aus sieht der Fahrradfahrer allerdings schon sehr nach dem Typen aus, den wir suchen. Ich müsste mal an ihm schnuppern. Ich trabe näher an den Bordstein zur Straße – und habe endlich mal Glück: Die Ampel springt offensichtlich gerade auf Rot, jedenfalls hält der Mann direkt neben mir. Ich schnüffele an dem Bein hoch, das er praktischerweise direkt vor meiner Nase abgestellt hat: Pfefferminz! Nun bin ich wirklich elektrisiert.

»Beck! Ich glaube, das ist unsere Zielperson! Könnte es zumindest sein!«

»Bist du sicher?«

»Ja.«

»Okay. Zugriff!«

Mit diesem Kommando beginnt Teil zwei unseres Plans. Und ich hoffe sehr, dass wir uns dabei nicht alle Knochen brechen. Immerhin steht unser Mann schon, das erleichtert das Vorhaben immens. In voller Fahrt wäre alles deutlich gefährlicher, aber auch dann hätten wir versucht, was wir nun in die Tat umsetzen.

Wie vorher tausendmal besprochen, läuft Herr Beck zum Fahrrad, springt auf das Vorderrad und krallt sich in den Reifen. Dann passiert tatsächlich das, was er vorausgesagt hatte: Der Typ steigt von seinem Fahrrad ab.

»Sach mal, bist du irre, du Viech? Geh weg von meinem Fahrrad, los!«

Ah! Die Stimme! Jetzt habe ich überhaupt keinen Zweifel mehr – der Kurier ist der Typ von der Alster. Und bestimmt ist er auch der Verkehrsrowdy, den wir suchen.

»He, weg da!«

Aber Herr Beck denkt gar nicht daran, dieser Aufforderung zu folgen. Stattdessen attackiert er den Vorderreifen, als hätte er es mit einer sehr appetitlichen Maus zu tun. Ich schleiche mich von hinten an die beiden heran. Der Mann beugt sich zu Beck, versucht ihn zu verscheuchen. Aber noch hat er leider seine Tasche nicht abgelegt. Beck macht also weiter und versucht, einen Kampf zu provozieren. Er beißt in den Reifen, faucht und kreischt, was das Zeug hält. Der Kurier wiederum versucht, ihn von dem Fahrrad wegzuziehen, hat aber deutlich Respekt vor Becks Krallen. Und dann, endlich, endlich, nimmt er seine Tasche von der Schulter, um sich beim Kampf mit Beck besser bewegen zu können.

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