Nicht die Gemeinsamkeiten zwischen Russland und Armenien, die Brjusov dem Russland angegliederten nordostlichen Zweig der armenischen Kultur konzediert, bilden also den Fokusvon Belyjs Wahrnehmung, sondern die Erinnerung an die kulturelle Vergangenheit Armeniens. In E`emiadzin mit seiner Kathedrale, deren Ausmasse ihn an die Kathedrale in Cambridge erinnem und in dem Museum, wo ihm dergelehrte Bibliothekar Senekerim Ter-Akopjan die uralten kostbar ausgef"uhrten Handschriften zeigt, wird ihm das Zusammenspiel heidnischer, jud"aischer und christlicher Elemente f"ur die Formierung derarmenischen Kultur deutlich vor Augen gef"uhrt[263]. Neben Ter-Akopojan wird aberauch der Ingenieur Sirmazanjan genannt, der Erbauer des Staudamms in Ajger-Lic[264], des Weiteren ein Kapit"an auf dem Sevan-See sowie der Maler Saijan, Belyjs Begleiter[265]. Belyj entledigt sich hier seines sozialen Auftrags.
Sein Synthesestreben konzentriert sich weniger wie bei Brjusov auf die Vermittlung der armenischen Kultur zwischen Asien und Europa, als vielmehr auf die Verschmelzung der Elemente Natur und Kultur, die er in der Landschaft entdeckt. In der Landschaft Armeniens ofifenbaren sich f"ur Belyj die Schicksale des Landes. Das wird in der Beschreibung des Ararats, des wichtigsten Natur— und Kulturzeichens der Armenier sichtbar:
To — Арарат.
Смотришь, — кажется: вылезло что-то огромное, все переросшее — до ненормальности вдруг отчеканясь главою своей; <…> и растет впечатление, что голова, отделившись от тела, является белой планетой, которой судьба — обвалиться, иль в небо уйти навсегда, унося времена патриархов: не бред ли: в двадцатом столетии увидеть подножье ковчега, летавшего где-то здесь, в уровнях воздуха; и дико вспомнить легенду армян, будто рай насажден был здесь именно <…>[266]
Diese Urszene der Menschheitsgeschichte erscheint ihm symboltrachtig auch f"ur die Zukunft:
Будет то время, когда станет братским объятьем сплетение рук араратских, откуда — восход в поднебесные выси, куда ушел конус, коли он… не рухнет до этого; он — разрушается; землетрясение сороковых годов прошлого века свалило под глетчером бок великана на церковь Иакова и на поселок, — в места, куда Ной, опустившися, стал разводить виноградники послепотопные[267].
Belyjs Armenienbericht wurde 1928 im Heft 8 der Zeitschrift «Krasnaja Nov’» ver"offentlicht, dann erst wieder vollst"andig im Jahre 1985 in Erevan[268].
Mandel’stams Besch"aftigung mit Armenien ist uns vor allem in drei Textsorten "uberliefert: im Gedichtzyklus «Armenija» (1930), dem Notizbuch zur Armenien-Reise «Zapisnye knizki 1931–1932» sowie dem eigentlichen Reisetext «Putesestvie v Armeniju» (1931/1933)[269]. Mandel’stam besuchte Armenien vom Mai bis November 1930. Seit 1928, als eine Verleumdungs — und Hetzkampagne gegen den Dichter entfesselt worden war, tr"aumte er von dieser Reise, die ihm schliesslich durch F"ursprache Nikolaj Bucharins genehmigt wurde.
"Ahnlich wie bei Belyj ist die Reise als Flucht aus der bedr"uckenden Moskauer Atmosph"are zu verstehen, was sich in den Armenien-Texten widerspiegeln und deren Erz"ahlperspektive bestimmen wird.