Ohne Eile ging er quer durch die Halle und trat hinaus auf die Plattform des Backbordaufzugs. Der Lift ragte über die Wellen wie eine großzügig bemessene Sonnenterrasse. Beiderseitig der Toröffnung ruhte er in senkrechten Laufschienen. Zwei große Hubschrauber mit zusammengelegten Rotorblättern fanden auf der über 140 Quadratmeter großen Fläche Platz, um vom Hangardeck hinauf aufs Dach gestemmt zu werden. Anawak kniff die Augen zusammen. Der Wind blies ihn ordentlich durch. Eine starke Bö konnte einen unvermittelt von den Füßen hebeln und über die Kante wehen, und nirgendwo gab es ein Gitter. Stattdessen zogen sich Auffangnetze um den Lift. Ein ganzer Ring solcher Netze umgab das Schiff, damit einen der Sturm oder der Ausstoß von Flugzeugabgasen nicht in die See warf.
Riskant war es trotzdem.
Zehn Meter unter ihm wogte die See.
Immer noch herrschten diffuse Sichtverhältnisse, aber der Eispartikelregen hatte aufgehört. So weit das Auge reichte, war das Wasser marmoriert von streifiger Gischt. Schieferfarbenes, weiß geädertes Meer in stetigem Auf und Ab. Eine Wüste.
Wie seltsam. Mehr als die Hälfte seines Lebens war er im gemäßigten Klima der kanadischen Westküste untergekrochen. Jetzt hatte ihn das Schicksal gleich zweimal hintereinander ins Eis verschlagen.
Der Wind zerrte an seinen Haaren. Allmählich fühlte er seine Haut taub werden von der Kälte. Er hielt die Hände wie eine Muschel vor seinen Mund und blies seinen warmen Atem hinein.
Dann ging er zurück ins Innere.
Johanson hatte Oliviera versprochen, sie zu einem
Ein kleiner Roboter, von den Umständen angewidert.
Die Box wurde durch eine Schleuse in einen Trockenraum gefahren und mit Peressigsäure besprüht, mit Wasser abgewaschen, einem Schwall Natronlauge ausgesetzt und über eine weitere Schleuse aus dem Simulator hinausbefördert. Wie tödlich das Wasser im Tank auch vergiftet sein mochte, die Box war jetzt sauber.
»Sind Sie sicher, dass Sie alleine klarkommen?«, fragte Johanson. Er hatte sich zur Telefonkonferenz mit Bohrmann verabredet, der auf La Palma den Einsatz des Saugrüssels vorbereitete.
»Kein Problem.« Oliviera nahm den Behälter mit der Krabbe an sich. »Falls doch, werde ich schreien. In der Hoffnung, dass Sie mir helfen kommen und nicht dieser Affenarsch von Rubin.«
Johanson schmunzelte. »Sollten wir da eine Abneigung teilen?«
»Ich hab nicht wirklich was gegen Mick«, sagte Oliviera. »Er ist nur so gottverdammt bemüht, den Nobelpreis zu kriegen.«
»Scheint mir auch so. Und Sie?«
»Was soll mit mir sein?«
»Keine Lust auf Lorbeeren? Ein bisschen berühmt werden wir wohl alle, wenn wir das hier überleben.«
»Gegen ein paar Groupies hätte ich nichts einzuwenden. Die Wissenschaft ist trocken genug.« Oliviera hielt inne.
»Bei der Gelegenheit, wo ist er eigentlich?«
»Wer? Rubin?«
»Ja. Er wollte hier sein, wenn ich die DNA-Analyse im Hochsicherheitslabor durchführe.«
»Seien Sie doch froh.«
»Ich bin froh. Ich frage mich trotzdem, wo er sich rumtreibt.«
»Irgendwas Sinnvolles wird er schon tun«, sagte Johanson versöhnlich. »Ich meine, er ist ja kein schlechter Kerl. Er riecht nicht, hat niemanden umgebracht und eine Menge Auszeichnungen im Regal stehen. Wir müssen den Typ nicht mögen, solange er uns weiterbringt.«
»Tut er das? Finden Sie, er hat bis jetzt irgendwas Sinnvolles geleistet?«
»Aber gnädige Frau.« Johanson breitete die Hände aus. »Ist es einer guten Idee nicht scheißegal, wer sie hat?«
Oliviera grinste.
»Die Lebenslüge der zweiten Garnitur.« Sie zuckte die Achseln. »Na ja. Soll er machen, was er will. Wer weiß, wofür es gut ist.«
Anawak trat an den Beckenrand.
Das Deck war immer noch geflutet. Er sah Delaware und Greywolf mit Neoprenanzügen bekleidet im Wasser paddeln und den Delphinen das Geschirr abnehmen. Lärm erfüllte die Halle. Weiter heckwärts wurde eines der
Roscovitz schaute zu ihm herüber.
»Fahren Sie raus?«, rief Anawak.
»Nein.« Der Leiter der Tauchstation zeigte auf das Boot.
»Dieses Baby hat ‘ne Macke. Irgendwas mit der Vertikalsteuerung.«
»Schlimm?«
»Keine große Sache, aber nachschauen ist besser.«
»Mit dem waren wir doch draußen, oder?«
»Keine Angst, Sie haben nichts kaputtgemacht.« Roscovitz lachte. »Möglicherweise ein Defekt in der Software. In wenigen Stunden ist alles wieder heile.«