»Wieso denn das?«
»Ich kenne zufällig ein paar alte Bräuche aus der Beringsee. Die haben es wie folgt gemacht: Bevor die Jäger in See stachen, musste der Harpunenwerfer mit der Tochter des Kapitäns schlafen, um ihren Vaginalgeruch anzunehmen. Nur der zog den Wal in die Nähe des Boots und besänftigte ihn, sodass er sich töten ließ.«
»Auf so was können wirklich nur Männer kommen«, sagte Delaware.
»Männer, Frauen, Wale …«, lachte Greywolf.
»Okay«, rief Delaware. »Tauchen wir zum Meeresgrund, suchen Sedna und kämmen ihre Haare.« Alles ist eins, echote es in Anawaks Kopf. Akesuk hatte gesagt:
Hier schwammen sie mit Delphinen, während Roscovitz und Browning ein Stück weiter das
Wie sollten sie das Haar der Meeresgöttin kämmen? Bis heute hatten die Menschen nur Toxide und Atommüll nach Sedna geworfen. Eine Ölpest nach der anderen verklebte ihr Haar. Ohne zu fragen, hatten sie ihre Tiere gejagt und viele davon ausgerottet. Anawak spürte sein Herz klopfen im eisigen Wasser. Ihn fröstelte. Etwas sagte ihm, dass dieser Moment des Glücks von kurzer Dauer sein würde. Er hatte seinen Frieden mit so vielem gemacht, hatte Freunde gewonnen, fühlte sich befreit vom Ballast falsch verstandenen Daseins.
Dumpf überkam ihn die Ahnung, dass soeben etwas zu Ende ging. Nie wieder würden sie so zusammenkommen.
Greywolf überprüfte den Sitz des Geschirrs am sechsten und letzten Tier der Staffel und nickte befriedigt.
»In Ordnung«, sagte er. »Lassen wir sie raus.«
»Ich blöde Kuh. Ich muss blind gewesen sein!«
Oliviera starrte den Bildschirm an, auf dessen Oberfläche das Fluoreszenzmikroskop die Vergrößerung der Probe übertrug. In Nanaimo hatte sie die Gallerte mehrfach untersucht, beziehungsweise das, was davon übrig geblieben war, nachdem sie das Zeug aus den Hirnen der Wale gepult hatten. Auch den Fetzen, der nach dem Tauchgang unter der
Es war geradezu peinlich!
Dabei hätte sie es längst schon wissen können. Aber in der
Meerwasser!