»Schön, jetzt weiß ich, warum wir sie unbedingt hätscheln sollten«, sagte Malfoy trocken.»Wer will nicht ein Haustier, das brennen, stechen und Blut saugen zugleich kann?«

»Nur weil sie nicht hübsch sind, heißt das noch lange nicht, daß sie nicht nützlich sind«, stieß Hermine hervor.

»Drachenblut hat sagenhafte magische Wirkungen, aber einen Drachen als Haustier willst du trotzdem nicht, oder?«

Harry und Ron grinsten Hagrid zu, der hinter seinem buschigen Bart flüchtig zurücklächelte. Hagrid hätte nur zu gerne einen Drachen als Haustier gehalten, wie Harry, Ron und Hermine sehr genau wußten – er hatte in ihrem ersten Jahr für kurze Zeit einen Drachen gehabt, einen angriffslustigen Norwegischen Stachelbuckel namens Norbert. Hagrid liebte einfach Monster – je tödlicher, desto besser.

»Na, wenigstens sind diese Kröter klein«, sagte Ron eine Stunde später auf dem Weg zum Mittagessen ins Schloß.

»Das sind sie jetzt noch«, sagte Hermine verärgert,»aber sobald Hagrid rausgefunden hat, was sie fressen, werden sie sicher zwei Meter lang.«

»Na und, das macht doch nichts, wenn sie am Ende die Seekrankheit oder so was heilen können!«, sagte Ron und grinste sie schlaumeierisch an.

»Du weißt ganz genau, daß ich das nur gesagt habe, um Malfoy abzuwürgen«, sagte Hermine.»In Wahrheit denke ich, daß er Recht hat. Das Beste wäre, die alle totzutreten, bevor sie anfangen, über uns herzufallen.«

Sie setzten sich an den Gryffindor-Tisch und taten sich Lammkoteletts mit Kartoffeln auf. Hermine begann so schnell zu essen, daß Harry und Ron sie mit offenem Mund anstarrten.

»Ähem – ist das dein neuer Feldzug für die Elfenrechte?«, sagte Ron.»Daß du futterst bis zum Erbrechen?«

»Nein«, sagte Hermine so würdevoll, wie es mit einem Mund voll Rosenkohl gerade noch ging,»ich will nur schnell in die Bibliothek kommen.«

»Wie bitte?«, sagte Ron ungläubig.»Hermine – wir sind gerade mal den ersten Tag hier! Wir haben noch nicht mal Hausaufgaben!«

Hermine zuckte die Achseln und spachtelte munter weiter, als hätte sie seit Tagen nichts gegessen. Dann sprang sie auf, sagte:»Bis zum Abendessen!«, und entschwand in höchster Eile.

Als die Glocke zum Nachmittagsunterricht läutete, machten sich Harry und Ron auf den Weg zum Nordturm. Am oberen Ende einer engen und schmalen Wendeltreppe führte eine silberne Trittleiter an die Decke und zu einer runden Falltür, hinter der Professor Trelawney lebte.

Nachdem sie die Trittleiter erklommen hatten, drang ihnen ein vertrauter süßlicher Parfümduft vom Feuer her in die Nasen. Wie immer waren alle Vorhänge zugezogen; die vielen mit Seidentüchern und Schals drapierten Lampen tauchten das Zimmer in ein mattes rötliches Licht. Harry und Ron schlängelten sich durch das dichte Gewirr bereits besetzter Chintz-Stühle und Sitzpolster und ließen sich an einem kleinen runden Tisch nieder.

»Guten Tag.«Die rauchige Stimme Professor Trelawneys ertönte direkt hinter Harry und ließ ihn zusammenzucken.

Professor Trelawney, eine sehr dünne Frau mit riesiger Brille, die ihre Augen über die Maßen groß erscheinen ließ, musterte Harry von oben herab, mit jener tragischen Miene, die sie bei seinem Anblick immer aufsetzte. Im Licht des Feuers glitzerte die übliche Menge an Perlen, Kettchen und Ringen an Hals, Armen und Fingern.

»Du bist in Sorge, mein Lieber«, sagte sie mit trauerschwerer Stimme zu Harry.»Mein inneres Auge sieht durch dein mutiges Antlitz hindurch auf die geplagte Seele in dir. Und ich muß dir leider sagen, daß deine Sorgen nicht völlig grundlos sind. Ich sehe leider, leider schwere Zeiten auf dich zukommen… die schwersten… ich fürchte, wovor dir graut, wird tatsächlich eintreten… und schneller vielleicht, als du denkst…«

Sie senkte ihre Stimme und flüsterte jetzt beinahe. Ron sah Harry an und rollte mit den Augen, doch Harry blickte mit steinerner Miene zurück.

Professor Trelawney schwebte an ihnen vorbei und setzte sich, der Klasse zugewandt, in einen großen geflügelten Lehnstuhl am Feuer. Lavender Brown und Parvati Patil, die Professor Trelawney zutiefst bewunderten, saßen auf Polstern zu ihren Füßen.

»Meine Lieben, es ist an der Zeit, daß wir uns den Sternen zuwenden«, sagte sie.»Den Bewegungen der Planeten und den geheimnisvollen Botschaften, die sie nur jenen entbergen, welche die Schritte des Sternentanzes zu deuten wissen. Das Schicksal der Menschen kann mit Hilfe der Planetenstrahlen entziffert werden, die sich kreuzen…«

Doch Harrys Gedanken waren abgeschweift. Das parfümierte Feuer machte ihn immer schläfrig und ein wenig bedröppelt, und Professor Trelawneys weitschweifige Reden über die Wahrsagerei schlugen ihn nie so richtig in Bann – obwohl er unweigerlich daran denken mußte, was sie ihm eben gesagt hatte.»Ich fürchte, wovor dir graut, wird tatsächlich eintreten…«

Перейти на страницу:

Поиск

Книга жанров

Похожие книги