»Hat er vielleicht mal erwähnt, ja«, sagte Moody und kratzte sich ungerührt am Kinn,»aber ich dachte, ein kurzer Schock, der richtig wehtut -«

»Wir geben Strafarbeiten, Moody! Oder sprechen mit dem Leiter des Hauses, dem der Missetäter angehört!«

»Das werd ich schon noch tun«, sagte Moody und starrte Malfoy mit größter Abneigung an.

Malfoy, dessen blasse Augen immer noch vor Schmerz und Scham tränten, sah voller Haß zu Moody auf und murmelte etwas, aus dem die Wörter»mein Vater«herauszuhören waren.

»Ach ja?«, sagte Moody leise und humpelte ein paar Schritte vor, wobei das dumpfe Klonk seines Holzbeins von den Wänden widerhallte.»Gut, ich kenn deinen Vater schon sehr lange, Junge… sag ihm, daß Moody seinen Sohn jetzt scharf im Auge behält… sag ihm das von mir… und euer Hauslehrer ist sicher Snape?«

»Ja«, grollte Malfoy.

»Noch ein alter Freund«, knurrte Moody.»Ich freu mich schon die ganze Zeit auf ein Pläuschchen mit Snape… komm mit, du…«Er packte Malfoy am Oberarm und schleifte ihn in Richtung Kerker fort.

Professor McGonagall starrte ihnen einen Augenblick lang mit bangem Blick nach, dann ließ sie mit einem Schwung ihres Zauberstabs die auf dem Boden liegenden Bücher zurück in ihre Arme flattern.

»Im Augenblick will ich kein Wort von euch hören«, flüsterte Ron Harry und Hermine zu, als sie sich ein paar Minuten später an den Gryffindor-Tisch setzten, inmitten von aufgeregtem Getuschel über das eben Geschehene.

»Warum nicht?«, fragte Hermine überrascht.

»Weil ich das für immer in mein Gedächtnis einbrennen will«, sagte Ron mit geschlossenen Augen und einem Ausdruck von ungetrübter Glückseligkeit auf dem Gesicht.»Draco Malfoy, das sagenhafte hopsende Frettchen…«

Hermine und Harry lachten und Hermine tat allen dreien Rinderschmorbratenscheiben auf die Teller.

»Dabei hätte er Malfoy ernsthaft verletzen können«, sagte sie.»Eigentlich war es gut, daß Professor McGonagall eingeschritten ist -«

»Hermine«, sagte Ron zornig und öffnete die Augen wieder.»Du zerstörst gerade den schönsten Moment meines Lebens!«

Hermine murmelte etwas Unwirsches und begann schon wieder mit unglaublicher Geschwindigkeit zu essen.

»Erklär mir ja nicht, du willst heute Abend wieder in die Bibliothek?«, sagte Harry mit prüfendem Blick.

»Allerdings«, mampfte Hermine,»'ne Menge zu tun.«

»Aber du hast uns doch gesagt, Professor Vektor -«

»Es geht nicht um Hausaufgaben«, sagte sie. Fünf Minuten später hatte sie ihren Teller leer geputzt und war verschwunden.

Kaum war sie weg, als Fred Weasley auch schon ihren Platz einnahm.

»Moody!«, sagte er.»Wie cool ist er?«

»Ultracool«, sagte George und setzte sich Fred gegenüber.

»Supercool«, sagte der beste Freund der Zwillinge, Lee Jordan, und rutschte auf den Stuhl neben George.»Wir hatten ihn heute Nachmittag«, erklärte er Harry und Ron.

»Und wie war's?«, sagte Harry neugierig.

Fred, George und Lee tauschten bedeutungsschwere Blicke.

»So 'ne Stunde hab ich noch nie erlebt«, sagte Fred.

»Er weiß es, Mann«, sagte Lee.

»Weiß was?«, fragte Ron und beugte sich vor.

»Weiß, wie es ist, dort draußen zu sein und es zu tun«, sagte George eindringlich.

»Was zu tun?«, fragte Harry.

»Gegen die schwarzen Magier zu kämpfen«, sagte Fred.

»Er hat alles erlebt«, sagte George.

»Irre«, sagte Lee.

Ron stöberte in seiner Tasche nach dem Stundenplan.

»Wir haben ihn erst am Donnerstag!«, sagte er enttäuscht.

<p id="BM14">Die Unverzeihlichen Flüche</p>

Die nächsten beiden Tage vergingen ohne größere Zwischenfälle, abgesehen davon, daß Neville in Zaubertränke bereits seinen sechsten Kessel zum Schmelzen brachte. Professor Snape, der im Sommer offenbar neue Höhen der Gemeinheit erklommen hatte, ließ ihn nachsitzen, und von dieser Stunde, in der er einen Bottich gehörnter Kröten hatte ausnehmen müssen, kehrte Neville als komplettes Nervenbündel zurück.

»Dir ist doch klar, warum Snape derart übellaunig ist, oder?«, sagte Ron zu Harry, während sie Hermine zusahen, die Neville gerade einen Putzzauber beibrachte, damit er die Froschinnereien unter seinen Fingernägeln los wurde.

»Jaah«, sagte Harry.»Moody.«

Es war kein Geheimnis, daß Snape in Wahrheit selbst Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste sein wollte, und jetzt hatte er es auch im vierten Jahr nicht geschafft. Snape hatte keinen ihrer bisherigen Lehrer in diesem Fach ausstehen können und daraus auch keinen Hehl gemacht – doch merkwürdigerweise schien er gegen Mad-Eye Moody lieber keine offene Abneigung zeigen zu wollen. Im Gegenteil, immer wenn Harry die beiden zusammen sah – beim Essen oder wenn sie sich auf dem Gang begegneten -, hatte er den deutlichen Eindruck, daß Snape Moodys Blick auswich, ob nun dem magischen oder dem normalen Auge.

»Ich glaube, Snape hat ein wenig Schiß vor ihm«, sagte Harry nachdenklich.

»Stell dir vor, Moody würde Snape in eine gehörnte Kröte verwandeln«, sagte Ron mit verschleiertem Blick,»und würde ihn zwischen den Mauern seines Kerkers hin und her klatschen lassen…«

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