Die Viertkläßler von Gryffindor waren so gespannt auf Moodys erste Stunde, daß sie am Donnerstag nach dem Mittagessen viel zu früh vor dem Klassenzimmer erschienen und davor Schlange standen.

Wer fehlte, war Hermine, die schließlich erst in letzter Sekunde auftauchte.

»War in der -«

»- Bibliothek«, ergänzte Harry.»Komm schnell, die besten Plätze sind gleich weg.«

Sie stürzten sich auf drei Stühle direkt vor dem Lehrertisch, nahmen Die dunklen Kräfte – Eine Anleitung zur Selbstverteidigung heraus und warteten ungewöhnlich leise auf das Kommende. Es dauerte gar nicht lange, dann hörten sie dumpfe, pochende Schritte den Gang entlanghallen, und schon kam Moody, unheimlich und Furcht erregend wie er war, zur Tür herein. Den hölzernen Klauenfuß konnten sie eben noch unter seinem Umhang hervorlugen sehen.

»Die könnt ihr wieder wegstecken«, knurrte er, humpelte zu seinem Tisch und setzte sich,»diese Bücher. Die braucht ihr nicht.«

Sie räumten die Bücher wieder in ihre Taschen und vor allem Ron schien davon schwer beeindruckt.

Moody zog eine Liste hervor, schüttelte seine lange grauweiße Haarmähne aus dem zerfurchten und vernarbten Gesicht und begann ihre Namen aufzurufen, wobei sein normales Auge langsam die Liste entlangwanderte, während das magische Auge umherhuschte und jeden Schüler, der sich meldete, scharf ansah.

»Gut denn«, sagte er, nachdem er den Letzten aufgerufen hatte.»Ich habe hier einen Bericht von Professor Lupin über den Wissensstand der Klasse. Sieht aus, als hättet ihr eine recht gründliche Ausbildung im Umgang mit schwarzen Kreaturen – ihr habt Irrwichte, Rotkappen, Hinkepanks, Grindelohs, Kappas und Werwölfe durchgenommen, stimmt das?«

Allseits zustimmendes Murmeln.

»Aber ihr liegt zurück – weit zurück – im Umgang mit Flüchen«, sagte Moody.»Daher will ich euch mal ausführlich beibringen, was Zauberer sich gegenseitig antun können. Ich habe ein Jahr, um euch zu lehren, wie man mit den dunklen -«

»Was, Sie bleiben nicht länger?«, platzte Ron heraus.

Moodys magisches Auge flutschte herum und starrte Ron an; Ron schien aufs Äußerste gespannt, doch einen Moment später breitete sich ein Lächeln auf Moodys Gesicht aus – wie Harry es noch nie bei ihm gesehen hatte. Sein vernarbtes Gesicht erschien dadurch nur noch zerfurchter und verzerrter, und dennoch war es eine Erleichterung zu sehen, daß er auch zu so etwas Freundlichem wie einem Lächeln fähig war. Ron wirkte, als wäre ihm ein Stein vom Herzen gefallen.

»Du bist doch Arthur Weasleys Sohn, he?«, sagte Moody.»Dein Vater hat mich vor ein paar Tagen aus einer ganz üblen Klemme rausgeholt… ja, ich bleibe nur dieses eine Jahr hier. Und das auch nur, um Dumbledore einen Gefallen zu tun… ein Jahr, und dann kehre ich wieder in den Frieden meines Ruhestands zurück.«

Er lachte rauh und schlug die knochigen Hände zusammen.

»Also, legen wir gleich los. Flüche. Es gibt sie in vielen Stärken und Gestalten. Dem Zaubereiministerium zufolge soll ich euch Gegenflüche lehren und es dabei belassen. Eigentlich darf ich euch die verbotenen schwarzen Flüche erst zeigen, wenn ihr in der sechsten Klasse seid. Vorher seid ihr angeblich noch zu jung, um damit fertig zu werden. Aber Professor Dumbledore hält mehr von eurem Nervenkostüm, er denkt, ihr schafft es, und ich sage, je früher ihr wißt, wogegen ihr antretet, desto besser. Wie sollt ihr euch denn gegen etwas verteidigen, was ihr nie gesehen habt? Ein Zauberer, der euch mit einem verbotenen Fluch verhext, wird euch nicht sagen, was er vorhat. Er wird euch dabei ins Gesicht lächeln. Ihr müßt darauf vorbereitet sein. Ihr müßt wachsam sein und ständig auf der Hut. Das sollten Sie lassen, während ich rede, Miss Brown.«

Lavender zuckte zusammen und wurde knallrot. Sie hatte Parvati unter dem Tisch ihr fertiges Horoskop gezeigt. Offenbar konnte Moodys magisches Auge auch durch eine Holzplatte sehen, nicht nur durch seinen Hinterkopf.

»Also… weiß jemand von euch, welche Flüche vom Zaubereigesetz mit den schwersten Strafen belegt werden?«

Ein paar hoben vorsichtig die Hände, darunter auch Ron und Hermine. Moody deutete auf Ron, doch sein magisches Auge fixierte immer noch Lavender.

»Ähm«, sagte Ron zögernd,»mein Dad hat mir von einem erzählt… heißt er Imperius-Fluch oder so?«

»Ah ja«, sagte Moody anerkennend.»Den kennt dein Vater natürlich. Hat dem Ministerium schon mal heftiges Kopfzerbrechen bereitet, dieser Imperius-Fluch.«

Moody stellte sich schwer atmend auf seine ungleichen Füße, öffnete die Schublade seines Tisches und nahm ein Einmachglas heraus. Drei große schwarze Spinnen krabbelten darin herum. Harry spürte, wie Ron neben ihm leicht zurückwich – Ron verabscheute Spinnen.

Moody langte in das Glas, fing eine Spinne ein und legte sie auf seinen Handballen, so daß alle sie sehen konnten.

Dann richtete er seinen Zauberstab auf sie und murmelte:»Imperio!«

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