»Ich wette, ein paar von uns haben ihre Zettel letzte Nacht eingeworfen, als wir alle schon im Bett waren«, sagte Harry.»Jedenfalls hätte ich es so gemacht… hätte keine Lust darauf gehabt, daß alle zusehen. Was wäre zum Beispiel, wenn der Kelch dich gleich wieder ausspucken würde?«
Hinter ihm hörte er Gelächter. Er wandte sich um und sah Fred, George und Lee Jordan die Treppe herunterstürmen, alle drei offenbar in größter Aufregung.
»Das war's«, flüsterte Fred mit Siegermiene Harry, Ron und Hermine zu.»Wir haben ihn geschluckt.«
»Wen denn?«, fragte Ron.
»Den Alterungstrank, ihr Dumpfbeutel«, sagte Fred.
»Jeder einen Tropfen«, sagte George und rieb sich feixend die Hände.»Wir müssen ja nur ein paar Monate älter werden.«
»Wenn einer von uns gewinnt, teilen wir die tausend Galleonen zwischen uns auf«, sagte Lee mit breitem Grinsen.
»Ich an eurer Stelle wär mir nicht so sicher, daß es klappt«, warnte Hermine.»Dumbledore hat das sicher schon bedacht.«
Fred, George und Lee würdigten sie keines Blickes.
»Fertig?«, sagte Fred zitternd vor Aufregung zu den anderen beiden.»Also dann – ich geh voraus -«
Harry sah gespannt zu, wie Fred einen Pergamentfetzen aus der Tasche zog, auf dem»Fred Weasley – Hogwarts«stand. Er trat genau bis an die Linie und stand da wie ein Taucher, der zu einem Sprung aus zwanzig Meter Höhe ansetzt. Dann, aller Augen in der Halle auf sich gerichtet, holte er tief Luft und trat über die Linie.
Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Harry, Fred hätte es geschafft – George jedenfalls war sich dessen sicher, denn mit einem Triumphschrei sprang er Fred nach -, doch schon war ein lautes Zischen zu hören, und die Zwillinge flogen aus dem goldenen Kreis, als wären sie von einem unsichtbaren Kugelstoßer hinausgeschleudert worden. Sie schlugen schwer auf dem kalten Steinboden auf, vier Meter vom Kreis entfernt, und um alles noch schlimmer zu machen, ertönte ein lauter Knall und aus den Gesichtern der beiden sprossen lange, weiße und vollkommen gleich aussehende Barte.
Ihre Mitschüler brüllten vor Lachen, und selbst Fred und George stimmten mit ein, sobald sie sich aufgerappelt und ihre Barte ausgiebig begutachtet hatten.
»Ich habe euch gewarnt«, sagte eine tiefe, vergnügte Stimme, und alle wandten sich zu Professor Dumbledore um, der aus der Großen Halle kam. Er musterte Fred und George augenzwinkernd.»Ich schlage vor, ihr beide geht hoch zu Madam Pomfrey. Sie kümmert sich bereits um Miss Fawcett von Ravenclaw und Mr Summers von Hufflepuff, die ebenfalls auf die Idee kamen, sich ein wenig älter zu machen. Allerdings muß ich sagen, daß ihre Barte bei weitem nicht so schön geworden sind wie eure.«
Fred und George machten sich auf den Weg in den Krankenflügel, begleitet von Lee, der sich vor Lachen kaum auf den Beinen halten konnte, während Harry, Ron und Hermine kichernd zum Frühstück gingen.
Die Große Halle war am Morgen umgestaltet worden. Da Halloween war, flatterte eine Wolke echter Fledermäuse an der verzauberten Decke umher, und aus den Ecken heraus schielten und grinsten Hunderte ausgeschnitzter Kürbisse. Harry führte sie hinüber zu Dean und Seamus, die sich darüber unterhielten, welche volljährigen Hogwarts-Schüler sich wohl bewerben würden.
»Hier geht das Gerücht um, Warrington sei früh aufgestanden und habe seinen Namen eingeworfen«, berichtete Dean.»Dieser große Kerl von Slytherin, der aussieht wie ein Faultier.«
Harry, der Quidditch gegen Warrington gespielt hatte, schüttelte angewidert den Kopf.»Bloß keinen Slytherin-Champion!«
»Und alle Hufflepuffs reden von Diggory«, sagte Seamus verächtlich.»Aber ich hätte nicht gedacht, daß er sein gutes Aussehen riskieren würde.«
»Hört mal!«, sagte Hermine plötzlich.
Aus der Eingangshalle drang Jubelgeschrei herein. Sie wirbelten auf ihren Stühlen herum und sahen Angelina Johnson, ein wenig verlegen grinsend, durch die Tür kommen. Angelina war ein großes schwarzes Mädchen, das Jägerin für das Gryffindor-Team spielte; sie kam zu ihnen herüber, setzte sich und sagte:»Tja, ich hab's getan. Ich hab gerade meinen Namen eingeworfen!«
»Du machst Witze!«, sagte Ron, sah jedoch beeindruckt aus.
»Du bist also schon siebzehn?«, fragte Harry.
»Was fragst du noch? Siehst du 'nen Bart bei ihr oder was?«, sagte Ron.
»Ich hatte letzte Woche Geburtstag«, sagte Angelina.
»Mensch, bin ich froh, daß jemand aus Gryffindor teilnimmt«, sagte Hermine.»Ich drück dir die Daumen, daß du gewinnst, Angelina!«
»Danke, Hermine«, sagte Angelina und lächelte ihr zu.
»Ja, besser du als dieser Schönling Diggory«, sagte Seamus, woraufhin einige vorbeigehende Hufflepuffs ihn finster ansahen.
»Und was fangen wir mit dem Rest des Tages an?«, fragte Ron, als sie nach dem Frühstück die Große Halle verließen.
»Wir haben Hagrid noch gar nicht besucht«, sagte Harry.
»Gut«, sagte Ron,»solange er uns nicht bittet, den Krötern ein paar Finger zu opfern.«