Sie blieben schließlich zum Essen, auch wenn sie nicht gerade herzhaft zulangten – Hagrid tischte seinen eigenen Worten zufolge Rinderbraten auf, doch nachdem Hermine eine große Kralle aus ihrem Stück gezogen hatte, verging den dreien ein wenig der Appetit. Sie machten sich stattdessen einen Spaß daraus, Hagrid die Aufgaben des Trimagischen Turniers zu entlocken, und überlegten wild hin und her, welche Bewerber es wohl zum Champion schaffen würden und ob Fred und George inzwischen schon bartlos waren.
Gegen Nachmittag setzte leichter Regen ein; behaglich saßen sie am Feuer, lauschten dem sanften Getrommel am Fenster und sahen Hagrid zu, wie er seine Socken stopfte und mit Hermine über die Hauselfen stritt – sie hatte ihm nämlich die Anstecker gezeigt, doch er weigerte sich strikt, bei B.ELFE.R mitzumachen.
»Da tät man ihnen keinen Gefallen mit, Hermine«, sagte er mit ernster Miene und fädelte einen dicken gelben Garnfaden in eine massige Knochennadel ein.»'s liegt in ihrer Natur, sich um Menschen zu kümmern, das mögen sie, verstehst du? Du würdest sie unglücklich machen, wenn du ihnen die Arbeit nimmst, und wenn du sie bezahlst, sind sie beleidigt.«
»Aber Harry hat Dobby befreit und der war überglücklich!«, sagte Hermine,»außerdem haben wir gehört, daß er jetzt für seine Arbeit Lohn verlangt!«
»Ja nu, Spinner gibt's überall. Ich sag ja nich, daß es nich den einen oder ändern Elf gibt, der sich befreien läßt, aber die meisten kriegst du nicht dazu – nö, da ist nichts zu machen, Hermine.«
Hermine war ziemlich sauer und steckte ihr Kästchen zurück in die Umhangtasche.
Gegen halb fünf wurde es dunkel, und Harry, Ron und Hermine fanden es an der Zeit, zum Halloween-Fest hoch ins Schloß zu gehen – zumal da heute Abend verkündet wurde, wer die Schul-Champions sein sollten.
»Ich komm mit«, sagte Hagrid und legte sein Nähzeug weg.»'ne Sekunde noch.«
Hagrid stand auf, ging hinüber zur Kommode neben seinem Bett und begann nach etwas zu suchen. Sie achteten nicht sonderlich auf ihn, bis ein wahrhaft fürchterlicher Geruch in ihre Nasen drang.
»Hagrid, was ist das denn?«, hüstelte Ron.
»Hmh?«, sagte Hagrid und wandte sich mit einer großen Flasche in der Hand um.»Mögt ihr's nicht?«
»Ist das Rasierwasser?«, sagte Hermine mit halb erstickter Stimme.
»Ähm – Kölnischwasser«, murmelte Hagrid. Er lief rot an.»Vielleicht 'n bißchen viel«, sagte er unsicher.»Ich mach's wieder ab, wartet kurz…«
Er stapfte aus der Hütte und sie sahen, wie er sich am Wassertrog vor dem Fenster ungestüm wusch.
»Kölnischwasser?«, sagte Hermine verdutzt.»Hagrid?«
»Und was ist mit dem Haar und dem Anzug?«, setzte Harry viel sagend hinzu.
»Seht mal!«, sagte Ron plötzlich und deutete aus dem Fenster.
Hagrid hatte sich aufgerichtet und wandte sich um. Wenn er vorher rot geworden war, dann war dies nichts im Vergleich zu dem, was ihm jetzt passierte. Harry, Ron und Hermine waren so leise wie möglich aufgestanden, damit Hagrid sie nicht bemerkte, und sahen jetzt, durchs Fenster spähend, Madame Maxime und ihre Schüler aus der Kutsche steigen, offenbar ebenfalls auf dem Weg zum Fest. Sie konnten nicht hören, was Hagrid zu Madame Maxime sagte, doch sein Blick hatte sich verschleiert und sein Gesicht hatte einen Ausdruck der Verzückung angenommen, wie Harry ihn bei Hagrid nur einmal beobachtet hatte – als er den Babydrachen Norbert betrachtet hatte.
»Er geht mit ihr zusammen hoch zum Schloß!«, sagte Hermine entrüstet.»Ich dachte, wir sollten auf ihn warten!«
Hagrid warf nicht einmal einen kurzen Blick zurück zur Hütte, sondern stapfte an Madame Maximes Seite die Anhöhe zum Schloß hoch, in ihrem Gefolge die Schüler von Beauxbatons, die im Laufschritt gingen, um mithalten zu können.
»Er steht auf sie!«, sagte Ron ungläubig.»Na ja, wenn sie dann noch Kinder kriegen, stellen sie einen Weltrekord auf – ich wette, ein Baby von denen würde über 'ne Tonne wiegen.«
Sie verließen die Hütte und schlössen die Tür. Draußen war es schon überraschend dunkel. Sie wickelten sich fest in ihre Umhänge und machten sich auf den Weg hoch zum Schloß.
»Uuh, schaut mal, da sind die anderen!«, flüsterte Hermine.
Die Durmstrangs kamen vom See her zum Schloß hoch. Viktor Krum ging an der Seite Karkaroffs, die anderen trotteten hinter ihnen her. Ron verfolgte Krum mit aufgeregten Blicken, doch Krum erreichte das Portal ein wenig vor Harry, Ron und Hermine und betrat, ohne sich noch einmal umzuschauen, das Schloß.
In der kerzenerleuchteten Großen Halle gab es schon fast keine freien Stühle mehr. Der Feuerkelch hatte einen anderen Platz bekommen; er stand jetzt vor Dumbledores leerem Stuhl am Lehrertisch. Fred und George – von ihren Barten befreit – schienen ihre Enttäuschung ziemlich gut verkraftet zu haben.
»Ich hoffe, es wird Angelina«, sagte Fred, als Harry, Ron und Hermine sich setzten.
»Ich auch!«, sagte Hermine.»Na, wir werden es ja gleich erfahren!«