»Also, es war ungefähr so: Nina hat Carolin gesagt, dass sie sich Alexander geschnappt hat, weil sie seit fünftausend Jahren keinen Sex mehr hatte. Carolin wollte dann wissen, ob es was Ernstes ist, und Nina hat ihr erklärt, dass Alexander für Sex genau richtig, aber für Liebe zu jung ist. Oder so ähnlich. Und dann sagte Carolin: Nina, du bist zynisch

»Schön und gut, aber wieso denkst du deswegen, dass Nina sich Liebe wünscht?«

»Na, du hast es doch selbst gesagt: Zynismus ist, wenn man etwas lächerlich macht, weil man es gerne hätte, aber gleichzeitig Angst hat, dass es das nicht gibt.«

»Tut mir leid, Kumpel. Ich kann dir gerade überhaupt nicht folgen.«

Mann, das ist heute aber auch schwierig mit Beck. Also, wenn hier jemand schwer von Begriff ist, dann dieser Kater.

»Es ist doch sonnenklar: Nina macht die Sache mit Alexander lächerlich, weil sie sich genau das wünscht. Liebe eben. Sie hat nur Angst, dass es eh nichts wird.«

Herr Beck schüttelt den Kopf. »Eine sehr steile These, Herr Kollege. Und im Übrigen hat Nina Liebe.«

»Echt? Hat sie einen Freund, von dem ich noch gar nichts weiß?«

»Nein. Sie hat mich. Und ich weiß, ich habe immer das Gegenteil über das Verhältnis von Mensch und Tier behauptet – aber ich muss mich revidieren. Diesmal ist es wirklich Liebe.«

Dazu sage ich nichts mehr. Es ist sowieso zwecklos. Aber ich bleibe dabei: Nina wünscht sich Liebe. Und zwar nicht die eines alternden Katers. Da bin ich mir ganz sicher. Vielleicht kann ich mich momentan auch deswegen so gut in Nina hineinversetzen, weil es mir ganz ähnlich geht. Auch ich wünsche mir Liebe. Leider hatte ich immer noch keine Idee, wie ich Cherie beeindrucken und ihr Herz damit für mich gewinnen könnte. Beck vielleicht? Immerhin wollte er darüber nachdenken.

»Sag mal, Beck, hast du dir vielleicht noch mal Gedanken über mein Problem gemacht?«

»Welches Problem?«

»Na – mit Cherie!«

»Cherie?«

Großartig. Herr Beck kann sich anscheinend nicht mal mehr daran erinnern, dass ich ihm vor kurzem mein Herz ausgeschüttet habe.

»Du weißt schon – die Retrieverhündin.«

»Ach ja, die. Nee, darüber habe ich noch gar nicht weiter nachgedacht.«

Ich seufze innerlich und lege den Kopf auf meine Vorderläufe. Beck scheint momentan völlig von seiner neuentdeckten Liebe zum Menschen in Beschlag genommen zu sein. Auf sein strategisches Geschick kann ich also nicht unbedingt bauen. Dann muss ich es selbst hinbekommen. Fragt sich nur, wie ich das anstellen soll. Ich habe offen gestanden nicht den blassesten Schimmer.

Caro und Nina haben sich mittlerweile in die Küche verzogen und testen den neuen Kaffeeautomaten. Der macht einen gewaltigen Lärm, dampft und zischt. Da soll Kaffee rauskommen? Die Maschine in der Küche von Marc und Caro versieht diese Aufgabe eigentlich immer still und leise, von einem gelegentlichen Blubbern vielleicht mal abgesehen.

Aber tatsächlich füllen sich die beiden Gläser, die Nina in den Automaten gestellt hat, mit Flüssigkeit. Riecht von hier unten allerdings eher wie Milch. In diesem Moment schießt noch mehr Flüssigkeit in die Gläser, diesmal eindeutig Kaffee. Nina wartet ab, bis die Maschine zu Ende gespuckt hat, dann reicht sie Caro ein Glas.

»E prego, un latte macchiato.«

»Grazie tante.«

Beide beginnen zu schlürfen, schnell hat Caro einen Schnurrbart aus Milch. Sieht sehr lustig aus.

»Hm, der ist aber lecker. So eine Espressomaschine ist schon toll. Da hast du ja ordentlich in deine Küche investiert. «

»Na ja, eigentlich ist sie für mein Büro an der Uni. Das Semester fängt nächste Woche wieder an, und so wie ich das sehe, werde ich eine ziemlich aufwändige Arbeitsgruppe leiten und viel Zeit dort verbringen. Da musste ich mir mal ein Highlight gönnen.«

»Klingt interessant. Worum geht’s da?«

»Im wesentlichen um interdisziplinäre Suchtforschung. Machen wir mit den Medizinern zusammen.«

»Aha. Na, dann noch mal auf die Forschung!«

»Ja. Prost.«

Die beiden stoßen mit ihren Gläsern an.

Caro trinkt noch einen Schluck, guckt dann auf ihre Uhr. »Oh, schon gleich halb drei. Ich mache für heute Schluss. Ich habe Luisa versprochen, sie früher aus dem Hort abzuholen, damit wir noch die Einladungen für ihre Ponyparty auf Schloss Eschersbach basteln können.«

Nina zieht die Augenbrauen hoch. »Ponyparty auf Schloss Eschersbach? Klingt reichlich überkandidelt für ein neunjähriges Mädchen.«

»Unter normalen Umständen würde ich dir Recht geben, aber hier ist es ein Notfall. Ich habe dir doch erzählt, dass Luisa Schwierigkeiten hat, in ihrer neuen Klasse Freundinnen zu finden. Sie wollte vor ein paar Wochen eine Pyjamaparty feiern, aber keine von diesen kleinen Ziegen hat zugesagt. Luisa war ganz deprimiert. Da dachte ich, wir ködern die Damen mal mit einem richtigen Highlight. Hat Marc dann eingefädelt, er betreut ja die Dackelzucht vom Schlossherrn.«

»Aha. Und du meinst, die kleinen Biester sind käuflich?«

»Garantiert. Wer sich selbst den Namen Tussi-Club gibt, kann zu so einer glamourösen Veranstaltung mit Sicherheit nicht Nein sagen.«

NEUNZEHN

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