Na, das muss man mich nun garantiert nicht zweimal fragen. Begeistert folge ich Luisa in ihr Kinderzimmer und hüpfe zu ihr ins Bett. Dort lege ich mich zu ihren Füßen und schlafe sofort ein.

»So, dann zeige ich euch jetzt mal, wo ihr schlafen werdet.« Corinna von Eschersbach, die Frau des jungen Grafen, führt uns durch einen Teil des Schlosses, den selbst ich noch nie gesehen habe. Er liegt im Westflügel, also dem Teil, in dem der junge Graf mit seiner Familie wohnt. Von innen sieht es hier eigentlich aus wie in einem normalen Haus, nur größer. Die Decken sind sehr hoch, und wenn ich das nicht schon aus dem anderen Teil des Schlosses gewöhnt wäre, würde es mir vielleicht ein bisschen Angst machen. Den fünf Mädchen scheint es jedenfalls gerade so zu gehen – sie laufen mit weit aufgerissenen Augen und Mündern hinter der Gräfin her und haben sogar aufgehört, miteinander zu tuscheln. Carolin, die auch dabei ist, dreht sich zu den Kindern um.

»Also, das ist schon etwas Tolles, so ein echtes Schloss, oder? Ich muss sagen, dass ich euch ein bisschen beneide. Das nächste Mal komme ich mit, Frau von Eschersbach!«

Die beiden Frauen lachen. Dann öffnet Corinna von Eschersbach eine Tür zu einem großen Raum, der offensichtlich als Schlafsaal dienen soll. Jedenfalls stehen hier mehrere Betten nebeneinander, jeweils getrennt durch ein kleines Schränkchen. Zwei der Betten sehen sogar aus wie ein kleiner Turm – mit einem Bett oben und einem unten. Sehr interessantes Konstrukt.

»Jede von euch kann sich nun ein Bett aussuchen und im Schrank daneben ihre Sachen verstauen. Die Stockbetten teilen sich den etwas größeren Schrank daneben. Ihr werdet euch einig, oder?«

Die Mädchen nicken und beginnen sofort, ihre Sachen auf den Betten zu verteilen. Corinna nickt Carolin zu.

»Hätten Sie noch Lust auf einen Kaffee?«

»Gerne.«

Kurz darauf sitzen wir in einer Küche – allerdings nicht in Emilias Reich, der großen Schlossküche im Erdgeschoss, sondern in einer viel kleineren, die mich stark an die Küche in Marcs Wohnung erinnert. Corinna von Eschersbach gießt Carolin einen großen Becher mit Kaffee und Milch ein.

»Ich hoffe, dass die Mädchen am Sonntag auch wirklich zufrieden sind. Es ist schließlich das erste Mal, dass ich so etwas mache – obwohl ich schon länger Lust dazu hatte. Mein Schwiegervater hat sich bisher immer gegen die Idee gewehrt, aber mit Fürsprache von Herrn Dr. Wagner hat es diesmal geklappt. Also, drücken Sie uns die Daumen, dass es schön für die Kinder wird.«

»Ach, bestimmt wird es das, da habe ich gar keine Zweifel! Ponys, ein echtes Schloss – was soll da schiefgehen?«

»Sie haben Recht. Ich habe mir auch schon ein paar schöne Dinge überlegt, die wir an diesem Wochenende unternehmen werden. Um den Reitunterricht mache ich mir sowieso keine Sorgen, schließlich bin ich ausgebildete Reitlehrerin.«

»Na also – das wird bestimmt toll. Aber noch eine ganz andere Frage: Ist es in Ordnung, wenn Herkules bei Luisa schläft? Ich fand es sehr nett, dass sie ihn überhaupt mitnehmen darf. Aber wenn das mit dem Schlafen ein Problem ist, habe ich dafür Verständnis. Wissen Sie, Luisa hatte es in den letzten Monaten nicht leicht. Sie ist gerade erst von München nach Hamburg gezogen, und ich habe das Gefühl, dass sie sich mit Herkules zusammen etwas sicherer fühlt.«

»Natürlich, das verstehe ich. Und solange Herkules stubenrein ist und hier nicht die Vorhänge anknabbert, darf er gerne bei den Mädchen bleiben.« Sie nimmt einen Schluck aus ihrem Becher und mustert Carolin neugierig. »Luisa ist nicht Ihre gemeinsame Tochter, oder?«

Caro schüttelt den Kopf. »Nein. Luisa ist Marcs Kind aus erster Ehe. Aber wir wohnen seit ein paar Wochen zusammen, und ich mag das Mädchen sehr gerne.«

»Das merkt man. Und es scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.«

»Ja. Jedenfalls hoffe ich das. Trotzdem ist es für Luisa natürlich nicht einfach. Im Grunde ihres Herzens wünscht sie sich bestimmt, dass ihre Eltern wieder ein Paar wären.«

Corinna von Eschersbach nickt. »Tja, Patchwork ist oftmals schwierig. Ich weiß, wovon ich rede. Meine Mutter hat nach der Trennung von meinem Vater auch noch einmal geheiratet. Die erste Zeit war es nicht leicht. Aber ich kann Sie beruhigen – heute verstehen wir uns alle gut, und ich habe auch sehr schöne Erinnerungen an meine Kindheit. Und übrigens«, sie beugt sich zu mir herunter und streicht mir über den Kopf, »ist dafür unter anderem ein Artgenosse von Herkules verantwortlich. Apropos Herkules – heißt der nicht Carl-Leopold? Oder haben Sie ihn umgetauft?«

»Oh, das ist eine längere Geschichte. Aber ich erzähle sie immer wieder gern!«

»Bist du schon einmal geritten?« Lena, die anscheinend die Anführerin des Tussi-Clubs ist, hat bereits Reithose und Reitstiefel an und steht vor Luisa, die sich noch umziehen muss.

»Ja. Bei meiner Mama in München gab es einen Reitstall, der hatte ganz tolle Pferde. Ich hatte sogar ein Pflegepony, das ich jeden Tag reiten durfte. Es hieß Sally.«

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