Пахнет оледененьем. (…)В просторечии — будущим. Ибо оледененьеесть категория будущего, которое есть пора,когда больше уже никого не любишь,даже себя. (…)В определенном смысле,в будущем нет никого; в определенном смысле,в будущем нам никто не дорог. (…)Будущее всегданастает, когда кто-нибудь умирает.Особенно человек. Тем более — если бог.Es riecht nach Eiszeit. (…)Einfach ausgedruckt — nach Zukunft. Denn Vereisungist eine Kategorie der Zukunft, einer Zeit,wo du niemanden mehr lieben wirst,auch dich selber nicht. (…)In einem gewissen Sinnegibt es in der Zukunft niemanden; sozusagenist uns in der Zukunft niemand lieb und teuer. (…)Die Zukunft brichtimmer an, wenn jemand stirbt.Besonders ein Mensch. Erst recht — ein Gott.[245]

"Uberhaupt die Zukunft — der illusionslos-antiutopisch eingestellte Brodsky hielt nichts von ihr, stand ihr ablehnend gegen"uber. Sie ist bei ihm ein Zeitraum der K"alte, der Vereisung, der Abwesenheit der Liebe. Schlechthin eine "Ara des Todes.

* * *

Der Anfang der 4. Strophe formuliert einen Imperativ: «Deshalb besser: keine Angst!» («Поэтому лучше бесстрашие!»). Am Schluss der 7. Strophe wird das Schreiben als Mittel der Befreiung von der Angst beschworen; «Das Kratzen der Feder in der Stille h"altst / du f"ur den Versuch in Kleinschrift die Angst zu verlernen» («что скрип пера / в тишине по бумаге / — бесстрашье в миниатюре»). Furchtlosigkeit «in Miniatur», ob als «Kleinschrift» oder «im Kleinen» — es ist eine bescheidene Strategic der Angstbew"altigung, die der Dichter hier empfiehlt.

Und noch eine f"ur Brodsky typische Ermahnung versteckt sich ganz am Schluss des Gedichtes: Vermeide die Tautologie. «Und Furcht vor Tautologie ist Garantie f"ur Wohlergehen» («И страх тавтологии — гарантия благополучья»), Brodsky war ein Dichter, der sich als eingefleischter Exilant jede Hoffnung auf Intaktheit und Heimkehr und Heil verbat. Simple Wiederkehr an den Ort des fr"uheren Geschehens w"are Tautologie, eine Figur, die Brodsky immer wieder geisselte: als blosse Wiederholung im Klischee, "ode Vermassung, sinnlose Vermehrung des ohnehin Vorhandenen.

Tautologie war f"ur Brodsky eine Tods"unde des K"unstlers. Auch im Bereich des eigenen Lebens. Er weigerte sich selbst nach der Wende, als das Sowjetimperium untergegangen war, nach Russland zur"uckzukehren. Als Lebender nicht und erst recht nicht als Toter, um der Vereinnahmung durch ein quasi-staatliches Grab und dem russischen Stereotyp des zu Lebzeiten geschundenen, nach dem Tod verkl"arten Dichters zu entgehen. Also wollte er in seinem «irdischen Paradies» Venedig begraben sein, auf der Friedhofinsel San Michele; in jenem Venedig, das der Exilant «siebzehn Winter lang» aufsuchte, ohne dabei je an Wiederholung oder Tautologie zu denken. Denn in der Kunst war Tautologie und Klischee f"ur ihn unm"oglich, und Venedig f"ur ihn — der Ort der Kunst schlechthin, nachzulesen in seinem grandiosen Venedig-Essay «Ufer der Verlorenen» (im englischen Original: «Watermark»).

Und ein anderer Imperativ leitet sich aus der Angst vor dem Sterbenm"ussen ab, jener Imperativ des Staubes: «Vergiss mich nicht» («не забывай меня»), in der 6. Strophe. Es ist der Imperativ, den Huchels Gedicht «Die Engel» vorgegeben hatte mit dem biblisch hohen Register in «Gedenke meiner» und den Brodsky, der Pathosbrecher, herabd"ampft zu einem schlichten: «Vergiss mich nicht!» Die Bewahrung des Ged"achtnisses ist auch ein Motor des Schreibens und Schreibenm"ussens — angesichts des Sterbenm"ussens.

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