Kopfschüttelnd machte sich Harry über sein Rührei her. Die mangelnde Begeisterung, die er und Ron zeigten, hatte Hermines Eifer, mit dem sie Gerechtigkeit für die Hauselfen erkämpfen wollte, nicht im Mindesten gedämpft. Gewiß, sie beide hatten zwei Sickel für den B.ELFE.R-Anstecker bezahlt, doch nur, um sie zu beschwichtigen. Ihr Geld hatte jedoch nichts genutzt, Hermine war eher noch eifriger geworden und hatte Harry und Ron seither ständig in den Ohren gelegen. Zunächst einmal sollten sie ihre Anstecker auch tragen, dann sollten sie auch andere dazu überreden, und zudem hatte Hermine es sich zur Gewohnheit gemacht, jeden Abend im Gemeinschaftsraum der Gryffindors umherzutingeln, ihre Mitschüler in die Enge zu treiben und mit der Sammelbüchse unter ihren Nasen zu klappern.

»Ihr wißt doch genau, daß eure Bettwäsche gewechselt, eure Feuer angezündet, eure Klassenzimmer geputzt und eure Mahlzeiten gekocht werden von einer Gruppe magischer Geschöpfe, die unbezahlt und versklavt sind?«, pflegte sie mit wütendem Blick zu sagen.

Manche, wie Neville, hatten bezahlt, nur damit Hermine sie nicht mehr finster ansah. Einige schienen oberflächlich interessiert an dem, was sie zu sagen hatte, zögerten jedoch, tatkräftiger für die Bewegung zu arbeiten. Viele hielten das Ganze für einen Scherz.

Ron ließ den Blick zur Decke schweifen, die sie alle in herbstliches Sonnenlicht tauchte, und Fred wandte sich mit enormem Interesse seinem Schinken zu (die Zwillinge hatten sich geweigert, einen B.ELFE.R-Anstecker zu kaufen). George jedoch beugte sich zu Hermine hinüber.

»Hör mal zu, Hermine, bist du jemals unten in den Küchen gewesen?«

»Nein, natürlich nicht«, erwiderte Hermine schroff,»ich glaube kaum, daß Schüler dort unten was -«

»Aber wir beide schon«, sagte George und deutete auf Fred,»und zwar öfters, um Essen zu klauen. Wir haben sie getroffen, und ich sag dir, sie sind glücklich. Sie glauben, sie haben die besten Jobs der Welt -«

»Weil sie ungebildet sind und eine Gehirnwäsche verpaßt bekamen!«, unterbrach ihn Hermine erhitzt, doch ihre nächsten Worte gingen in dem plötzlichen Rauschen über ihren Köpfen unter, das die Ankunft der Posteulen verkündete. Harry blickte sofort auf und sah Hedwig auf sich zuschweben. Hermine verstummte jäh; sie und Ron verfolgten mit bangem Blick, wie Hedwig sich auf Harrys Schulter niederließ, ihre Flügel einzog und ermattet das Bein ausstreckte.

Harry zog Sirius' Antwort von Hedwigs Bein und bot ihr die Speckschwarten seines Schinkens an, die sie dankbar auffraß. Dann, nachdem er sich mit einem Blick zu Fred und George vergewissert hatte, daß sie erneut im Gespräch über das Trimagische Turnier vertieft waren, las Harry Ron und Hermine im Flüsterton Sirius' Brief vor.

Netter Versuch, Harry,

ich bin wieder im Land und gut versteckt. Ich möchte, daß du mich über alles, was in Hogwarts vor sich geht, per Brief auf dem Laufenden hältst. Nimm nicht mehr Hedwig, wechsle ständig die Eulen und mach dir keine Sorgen um mich, paß nur auf dich selbst auf. Vergiß nicht, was ich über deine Narbe gesagt habe.

Sirius

»Warum sollst du ständig die Eulen wechseln?«, fragte Ron mit gedämpfter Stimme.

»Hedwig zieht zu viel Aufmerksamkeit auf sich«, erwiderte Hermine sofort.»Sie fällt auf. Eine Schnee-Eule, die ständig zu seinem Versteck fliegt… sie ist jedenfalls kein einheimischer Vogel, verstehst du?«

Harry rollte den Brief zusammen und steckte ihn in den Umhang. Ihm war nicht ganz klar, ob er sich jetzt mehr oder weniger Sorgen machen sollte. Daß Sirius es geschafft hatte, zurückzukommen ohne gefaßt zu werden, war immerhin etwas. Außerdem konnte er nicht leugnen, daß es ihn beruhigte, Sirius in seiner Nähe zu wissen; wenigstens würde er jetzt nicht mehr so lange auf eine Antwort warten müssen, wenn er ihm schrieb.

»Danke, Hedwig«, sagte er und streichelte sie. Sie schu-huhte schläfrig, tauchte den Schnabel kürz in seinen Becher mit Orangensaft und flatterte davon, offensichtlich mit dem dringenden Bedürfnis, sich in der Eulerei so richtig auszuschlafen.

An diesem Tag lag eine angenehm erwartungsvolle Stimmung in der Luft. Im Unterricht paßte niemand so recht auf, vielmehr waren alle gespannt auf die abendliche Ankunft der Delegationen aus Beauxbatons und Durmstrang; selbst Zaubertränke war erträglicher als sonst, denn der Unterricht war eine halbe Stunde kürzer. Als es dann früh läutete, rannten Harry, Ron und Hermine nach oben in den Gryffindor-Turm, legten ihre Taschen und Bücher ab, wie man sie geheißen hatte, zogen ihre warmen Umhänge an und eilten dann wieder hinunter in die Eingangshalle.

Die Hauslehrer wiesen ihre Schüler an, sich in Reihen aufzustellen.

»Weasley, richten Sie Ihren Hut gerade«, herrschte Professor McGonagall Ron an.»Miss Patil, nehmen Sie dieses lächerliche Ding da aus den Haaren.«

Parvati sah sie finster an und zog eine große Schmetterlingsspange von ihrer Zopfspitze.

»Folgen Sie mir, bitte«, sagte Professor McGonagall,»die Erstkläßler vorne an… und kein Gedrängel…«

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