Karkaroff hatte eine sonore, ölige Stimme; als er in das Licht trat, das aus dem Schloßportal fiel, sahen sie, daß er groß und schlank war wie Dumbledore, doch sein weißes Haar war kurz und sein Spitzbart (der in einem kleinen Gekräusel endete) konnte sein fliehendes Kinn nicht ganz verbergen. Er ging auf Dumbledore zu und streckte ihm beide Hände entgegen.
»Das gute alte Hogwarts«, sagte er und sah lächelnd hoch zum Schloß; seine Zähne waren ziemlich gelb und Harry fiel auf, daß sein Lächeln sich nicht auf seine Augen erstreckte, deren Blick kalt und scharf blieb.»Wie schön, wieder hier zu sein, wie schön… Viktor, komm rein in die Wärme… Sie haben nichts dagegen, Dumbledore? Viktor hat einen leichten Schnupfen…«
Karkaroff winkte einem seiner Schüler. Als der Junge vorbeiging, erhaschte Harry einen Blick auf eine markante Adlernase und dichte schwarze Brauen. Er brauchte nicht erst Ron, der ihm einen Schlag auf den Arm versetzte, oder das Zischen in seinem Ohr, um dieses Profil zu erkennen.
»Harry – das ist Krum!«
Der Feuerkelch
»Nicht zu fassen!«, sagte Ron völlig entgeistert. Sie reihten sich jetzt mit den anderen Hogwarts-Schülern hinter den Durmstrangs ein und folgten ihnen die Treppe hoch zum Schloß.»Krum, Harry! Viktor Krum!«
»Um Himmels willen, Ron, er ist doch nur ein Quidditch-Spieler«, sagte Hermine.
»Nur ein Quidditch-Spieler?«Ron sah sie an, als hätte er sich verhört.»Hermine – er ist einer der besten Sucher der Welt! Ich hatte keine Ahnung, daß er noch zur Schule geht!«
Auf dem Weg durch die Eingangshalle hinüber zur Großen Halle sah Harry, wie Lee Jordan immer wieder in die Luft sprang, um wenigstens einen Blick auf Viktor Krum zu erhaschen. Einige Mädchen aus der sechsten Klasse stöberten unterdessen hektisch in ihren Taschen -»O nein, bin ich bescheuert, ich hab nicht mal 'ne Feder mit…«-»Glaubst du, er schreibt mir mit Lippenstift ein Autogramm auf den Hut?«
»Also wirklich«, sagte Hermine naserümpfend, als sie an den Mädchen vorbeigingen, die sich jetzt wegen des Lippenstifts kabbelten.
»Ich jedenfalls hol mir auch ein Autogramm, wenn's geht«, sagte Ron,»du hast nicht zufällig 'ne Feder dabei, Harry?«
»Nö, die sind oben in meiner Tasche«, erwiderte Harry.
Sie gingen hinüber zum Gryffindor-Tisch. Ron setzte sich mit Bedacht so hin, daß er den Eingang im Auge behalten konnte, da Krum und seine Mitschüler aus Durmstrang immer noch an der Tür standen, offenbar nicht sicher, wo sie Platz nehmen sollten. Die Schüler aus Beauxbatons hatten sich an den Ravenclaw-Tisch gesetzt und sahen sich verdrießlich in der Großen Halle um. Drei von ihnen hatten auch jetzt noch Schals und Tücher um die Köpfe geschlungen.
»So kalt ist es doch auch wieder nicht«, sagte Hermine und warf ihnen einen gereizten Blick zu.»Warum haben sie keine dicken Umhänge mitgebracht?«
»Hierher! Kommt und setzt euch hierher!«, zischte Ron.»Hierher! Hermine, rück auf und mach Platz -«
»Was?«
»Zu spät«, sagte Ron enttäuscht.
Viktor Krum und seine Mitschüler aus Durmstrang hatten sich am Slytherin-Tisch niedergelassen. Harry sah Malfoy, Crabbe und Goyle in die Runde feixen. Jetzt beugte sich Malfoy vor und sprach Krum an.
»Jaah, recht so, schleim dich nur bei ihm ein, Malfoy«, höhnte Ron.»Aber ich wette, Krum durchschaut ihn sofort… der hat doch ständig Leute, die um ihn rumscharwenzeln… wo, glaubst du, schlafen die eigentlich? Wir könnten ihm einen Platz in unserem Schlafsaal anbieten, Harry… mir würd's nichts ausmachen, ihm mein Bett zu geben, ich könnte auf einem Feldbett pennen.«
Hermine schnaubte.
»Sie sehen um einiges glücklicher aus als die anderen aus Beauxbatons«, sagte Harry.
Die Durmstrangs zogen ihre schweren Pelze aus und sahen mit interessierten Mienen zum Sternengewölbe hoch; einige nahmen die goldenen Teller und Schalen in die Hände und musterten sie offenbar recht beeindruckt.
Oben am Lehrertisch trug Filch, der Hausmeister, zusätzliche Stühle herbei. Zu dieser festlichen Gelegenheit trug er seinen muffigen alten Frack. Überrascht stellte Harry fest, daß er vier Stühle dazustellte, je zwei zur Linken und zur Rechten Dumbledores.
»Aber es sind doch nur zwei Leute dazugekommen«, sagte Harry.»Warum bringt Filch dann vier Stühle? Wer kommt denn noch?«
»Hmh?«, mummelte Ron. Noch immer starrte er voll Begeisterung auf Krum.
Als alle Schüler hereingekommen waren und ihre Plätze gefunden hatten, traten die Lehrer ein, gingen in einer Reihe hoch zu ihrem Tisch und setzten sich. Den Schluß bildeten Professor Dumbledore, Professor Karkaroff und Madame Maxime. Die Gäste aus Beauxbatons sprangen auf, sobald sie ihre Schulleiterin sahen. Einige Hogwarts-Schüler lachten. Den Beauxbatons schien es jedoch keineswegs peinlich, und sie nahmen ihre Plätze erst wieder ein, als sich Madame Maxime links von Dumbledore niedergelassen hatte. Dumbledore jedoch blieb stehen und die Große Halle verstummte.