»Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nichts fragen werde, was du mir nicht erzählen willst. Ja, ich verspreche es dir.«

»Komm, wir setzen uns. Du solltest nicht so lange auf dem verletzten Fuß stehen.«

Wir traten zurück an die Mauer, wo das Dach ein kleines Stück trockenes Steinpflaster überragte, und ließen uns bequem mit dem Rücken zur Wand nieder.

»Also gut, Sassenach. Was ist?«, fragte Jamie.

»Der Herzog von Sandringham«, begann ich. Ich biss mir auf die Lippe. »Jamie, du darfst ihm nicht trauen: Ich weiß selbst nicht alles über ihn, aber ich weiß … dass etwas mit ihm nicht stimmt.«

»Du weißt davon?« Er wirkte überrascht.

Jetzt war es an mir, ihn anzustarren.

»Du meinst, du weißt bereits über ihn Bescheid? Bist du ihm schon begegnet?« Ich war erleichtert. Vielleicht war ja die mysteriöse Verbindung zwischen Sandringham und den Intrigen der Jakobiten besser bekannt als Frank und der Reverend gedacht hatten.

»Oh, aye. Er war hier zu Besuch, als ich sechzehn war. Als ich … wieder heimgegangen bin.«

»Warum bist du eigentlich gegangen?«, fragte ich neugierig, denn plötzlich fiel mir ein, was mir Geillis Duncan bei unserer ersten Begegnung erzählt hatte. Das merkwürdige Gerücht, dass eigentlich Jamie der Vater von Colums Sohn Hamish war. Ich wusste zwar, dass er es nicht war, es gar nicht sein konnte – doch ich war höchstwahrscheinlich der einzige Mensch in der Burg, der das mit Gewissheit wusste. Ein derartiger Verdacht hätte gut der Grund für Dougals Anschlag auf Jamies Leben gewesen sein können – wenn der Angriff in Carryarick denn ein solcher Anschlag gewesen war.

»Es war doch nicht … wegen Letitia, oder?«, fragte ich zögernd.

»Letitia?« Seine Verblüffung war ihm deutlich anzusehen, und ein kleiner Krampf in meinem Inneren, den ich gar nicht gespürt hatte, löste sich. Eigentlich hatte ich zwar nicht geglaubt, dass etwas Wahres an Geilies Vermutungen war, aber dennoch …

»Wie in aller Welt kommst du denn auf Letitia?«, fragte Jamie neugierig. »Ich habe ein ganzes Jahr hier gelebt, und soweit ich mich erinnere, hat sie nur ein einziges Mal mit mir gesprochen – nämlich um mir die Leviten zu lesen, weil wir beim Shinty durch ihren Rosengarten gelaufen sind.«

Ich erzählte ihm, was Geillis gesagt hatte, und er brach in schallendes Gelächter aus. Sein Atem stieg in kleinen Wölkchen in die kühle Regenluft.

»Gott«, sagte er, »als ob ich mich das getraut hätte!«

»Und es könnte auch nicht sein, dass Colum so etwas vermutet hat, oder?«, fragte ich.

Er schüttelte entschlossen den Kopf.

»Nein, Sassenach. Wenn er so etwas auch nur im Ansatz geglaubt hätte, hätte ich meinen siebzehnten Geburtstag nicht erlebt, ganz zu schweigen davon, das stattliche Alter von zweiundzwanzig zu erreichen.«

Das entsprach mehr oder weniger dem Eindruck, den ich von Colum hatte, aber ich war dennoch erleichtert. Jamies Miene war nachdenklich geworden, und der Ausdruck seiner blauen Augen schien mit einem Mal abwesend.

»Wenn ich es aber bedenke, bin ich mir gar nicht sicher, ob Colum weiß, warum ich damals so plötzlich gegangen bin. Und wenn Geillis Duncan hier solche Gerüchte verbreitet … Die Frau stiftet nichts als Unruhe, Sassenach; sie ist ein launisches Klatschweib, wenn es nicht sogar stimmt, was die Leute sagen, und sie eine Hexe ist. Nun ja, jedenfalls sorge ich besser dafür, dass er es erfährt.«

Er richtete den Blick auf den Wasservorhang, der sich von den Traufen ergoss.

»Vielleicht gehen wir besser nach unten, Sassenach. Langsam wird es hier feucht.«

Wir nahmen einen anderen Weg nach unten, am Dach entlang zu einer Außentreppe, die in den Küchengarten führte, wo ich gern noch etwas Borretsch gepflückt hätte – sollte es der Wolkenbruch zulassen. Wir stellten uns an der Burgmauer unter einen Fenstersims, der den Regen über uns ableitete.

»Was macht man mit Borretsch, Sassenach?«, fragte Jamie wissbegierig, während er seinen Blick über die vom Regen zu Boden gedrückten Pflanzen wandern ließ.

»Nichts, solange er grün ist. Nach dem Pflücken trocknet man ihn, und dann …«

Ich wurde von lautem Gebell und Geschrei unterbrochen, das von der anderen Seite der Gartenmauer kam. Ich rannte durch den Regen zur Mauer, während mir Jamie humpelnd folgte.

Vater Bain, der Dorfpriester, kam den Pfad emporgerannt, dass die Pfützen unter seinen Füßen nur so explodierten. Ein Rudel kläffender Hunde war ihm dicht auf den Fersen. Weil ihm seine voluminöse Soutane im Weg war, stolperte er und fiel hin, so dass er Wasser und Schlamm verspritzte. Im nächsten Moment fielen die Hunde knurrend und schnappend über ihn her.

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