»Trink das«, sagte ich, »dann zieh dich so weit aus, wie du es für schicklich hältst, und leg dich auf den Tisch. Ich mache Feuer, damit es warm genug ist.«
Sein blaues Auge warf einen wohlwollenden Blick auf die Flasche, und seine gekrümmte Hand griff langsam nach dem Hals.
»Trink lieber auch selbst einen Schluck, Kleine«, riet er mir. »Das wird anstrengend.«
Er stöhnte halb schmerzerfüllt, halb genüsslich auf, als ich mich fest auf seine linke Schulter stützte, um sie zu lockern, sie dann von unten anhob und seinen halben Oberkörper rotieren ließ.
»Früher hat mir meine Frau den Rücken gewalkt«, sagte er. »Gegen den Hexenschuss. Aber das hier ist viel besser. Du hast schöne kräftige Hände, Kleine. Du würdest einen guten Stalljungen abgeben.«
»Ich nehme an, das ist ein Kompliment«, sagte ich trocken und goss mir noch etwas von der erwärmten Mischung aus Öl und Talg auf die Hand, um ihm den gesamten weißen Rücken damit einzureiben. Eine scharfe Demarkationslinie trennte die verwitterte, von der Sonne gefleckte Haut seiner Arme von dem Punkt, wo seine aufgekrempelten Ärmel endeten und die milchweiße Haut seiner Schultern und seines Rückens begann.
»Du bist ja wirklich einmal ein hübscher Junge gewesen«, stellte ich fest. »Die Haut auf deinem Rücken ist so weiß wie meine.«
Ein tiefes Glucksen schüttelte die Haut unter meinen Händen.
»Das würde man gar nicht vermuten, nicht wahr? Aye, Ellen MacKenzie hat mich einmal dabei gesehen, wie ich ohne Hemd ein Fohlen zur Welt brachte, und sie meinte, es sähe so aus, als hätte der Herrgott mir den falschen Kopf auf den Körper gesetzt – eigentlich würde ein Beutel Milchpudding auf meine Schultern gehören, kein Gesicht aus dem Chorgestühl.«
Ich vermutete, dass sie das Chorgestühl in der Kapelle meinte, das eine Reihe extrem unattraktiver Dämonen bei der Folterung von Sündern zeigte.
»Das klingt so, als hätte Ellen MacKenzie kein Blatt vor den Mund genommen«, sagte ich. Ich war mehr als nur ein bisschen neugierig, was Jamies Mutter betraf. Die Kleinigkeiten, die er mir hin und wieder erzählte, hatten mir zumindest ansatzweise eine Vorstellung von seinem Vater Brian vermittelt. Seine Mutter hatte er jedoch kaum erwähnt, und ich wusste nichts über sie, außer dass sie jung im Kindbett gestorben war.
»Oh, Ellen hatte eine scharfe Zunge und den passenden Verstand dazu.« Ich öffnete die Knieverschlüsse seiner Beinkleider und schob sie hoch, um mir seine muskulösen Waden vorzunehmen. »Aber genug Charme dazu, so dass es niemanden sehr gestört hat, außer ihre Brüder. Und sie hat sich nie viel aus Colums oder Dougals Meinung gemacht.«
»Mm. Das kam mir auch schon zu Ohren. Ist sie nicht irgendwann durchgebrannt?« Ich grub die Daumen in die Sehnen an der Rückseite seines Knies, und er stieß ein Geräusch aus, das bei einem weniger würdevollen Menschen ein Quietschen gewesen wäre.
»Oh, aye. Ellen war die Älteste der sechs MacKenzie-Geschwister, ein oder zwei Jahre älter als Colum – und Jacobs Augapfel. Das war der Grund, weshalb sie so lange unverheiratet geblieben ist; sie wollte nichts von John Cameron oder Malcolm Grant wissen oder von den anderen, die für sie in Frage kamen, und ihr Vater wollte sie nicht zwingen.«
Doch der alte Jacob starb, und Colum hatte weniger Geduld mit den Launen seiner Schwester. Als Teil seiner verzweifelten Bemühungen, seine prekäre Position an der Spitze des Clans zu festigen, hätte er gern die Munros im Norden oder die Grants im Süden als Verbündete gewonnen. Beide Clans hatten junge Anführer, die nützliche Schwäger abgegeben hätten. Die fünfzehnjährige Jocasta hatte gehorsam in John Camerons Brautwerbung eingewilligt und war nach Norden gezogen. Ellen, die mit zweiundzwanzig schon fast eine alte Jungfer war, hatte sich deutlich weniger kooperativ gezeigt.
»Ich vermute, sie hat Malcolm Grant mit großer Entschlossenheit zurückgewiesen, so, wie er sich uns gegenüber neulich verhalten hat«, sagte ich.
Alec lachte, und das Lachen verwandelte sich in ein zufriedenes Stöhnen, als ich fester zudrückte.
»Aye. Ich weiß nicht, was genau sie zu ihm gesagt hat, aber ich denke, es hat ihm überhaupt nicht gefallen. Sie sind damals beim großen
»Du liebe Güte. Das muss ja eine Unterhaltung gewesen sein.« Ich goss ihm noch einen Schluck Massageöl zwischen die Schulterblätter, und die angenehme Wärme ließ ihn ächzen.