An einem der dunklen Wasserbecken zeigte mir Jamie, wie man Forellen überlistet. Er ging in die Hocke, um nicht mit dem tief hängenden Geäst in Berührung zu kommen, streckte die Arme aus, um besser balancieren zu können, und watschelte über eine Felsenzunge, die auf das Wasser hinausragte. Auf halbem Weg drehte er sich vorsichtig um und winkte mir mit ausgestreckter Hand, ihm zu folgen.

Ich hatte mir ohnehin die Röcke für die Wanderung durch das rauhe Terrain hochgesteckt und folgte ihm ohne Schwierigkeiten. Wir legten uns bäuchlings auf den kühlen Felsen und blickten Seite an Seite ins Wasser, während uns die Weidenzweige den Rücken streichelten.

»Man muss nur«, sagte er, »eine gute Stelle finden und warten.« Er tauchte langsam die Hand so ins Wasser, dass es nicht spritzte, und legte sie auf den sandigen Grund, genau neben den Schatten, den die Felszunge warf. Seine langen Finger krümmten sich sacht nach innen, im Wasser verzerrt, so dass sie sanft hin und her zu schaukeln schienen wie die Blätter einer Wasserpflanze, obwohl sich die Muskeln seines Unterarms nicht regten und ich sehen konnte, dass er die Hand überhaupt nicht bewegte. An der Oberfläche knickte sein Arm abrupt ab und sah aus wie verdreht … wie bei unserer ersten Begegnung vor etwas über einem Monat – mein Gott, war es wirklich erst einen Monat her?

Seit einem Monat kannten wir uns, seit einem Tag waren wir verheiratet. Durch ein Gelübde und unser Blut aneinander gebunden. Und durch unsere Freundschaft. Ich hoffte, dass ich ihm nicht zu sehr weh tun würde, wenn die Zeit kam, zu gehen. Im Moment war ich froh, dass ich nicht daran denken musste; wir waren weit vom Craigh na Dun entfernt, und derzeit gab es keine Chance auf eine Flucht vor Dougal.

»Da ist sie.« Jamies Stimme war so leise, dass sie kaum mehr war als ein Hauch; er hatte mir gesagt, dass Forellen ein empfindliches Gehör haben.

Aus meinem Blickwinkel war die Forelle nichts weiter als eine Bewegung auf dem gescheckten Sand. Tief im Schatten des Felsens gab es kein verräterisches Aufglänzen der Schuppen. Flecken glitten über Flecken hinweg, bewegt durch transparente Flossen, die man nur sah, wenn sie sich regten. Die Elritzen, die sich um Jamies Handgelenk gesammelt hatten, um ihn neugierig an den Härchen zu zupfen, flüchteten in die helle Mitte des Wasserbeckens.

Ein Finger krümmte sich langsam, so langsam, dass man es kaum wahrnahm. Ich konnte nur erkennen, dass er sich bewegt hatte, weil sich sein Winkel zu den anderen Fingern verändert hatte. Der nächste Finger krümmte sich langsam. Und nach einem langen, langen Moment der nächste.

Ich wagte kaum zu atmen, und mein Herz hämmerte schneller gegen den kalten Felsen, als sich die Kiemen des Fischs bewegten. Ganz gemächlich öffneten sich die Finger wieder, einer nach dem anderen, und die langsame hypnotische Welle begann von vorn, ein Finger, noch ein Finger, noch ein Finger, eine fließende Bewegung, die an das Fächeln einer Fischflosse erinnerte.

Als würde es durch das langsame Winken angezogen, schob sich das Maul der Forelle voran, während ihre Kiemen rhythmisch atmeten und ihre rote Innenseite aufleuchtete, verschwand, aufleuchtete, verschwand. Die Kiemendeckel schlugen wie ein Herz.

Das kauende Maul schluckte Wasser. Der Körper der Forelle war jetzt fast ganz unter dem Felsen hervorgeglitten und hing gewichtslos im Wasser, nach wie vor im Schatten. Ich konnte ein Auge erkennen, das ausdruckslos hin und her zuckte.

Noch ein paar Zentimeter, und die pulsierenden Kiemen würden sich genau über den verräterisch lockenden Fingern befinden. Ich ertappte mich dabei, dass ich mich mit beiden Händen festklammerte und meine Wange an den Felsen presste, als könnte ich mich damit noch unauffälliger verhalten.

Dann brach plötzlich Bewegung los. Alles ging so schnell, dass ich gar nicht sehen konnte, was eigentlich geschah. Eine Flut aufspritzenden Wassers rauschte dicht vor meinem Gesicht vorbei, Jamie wälzte sich in einer solchen Geschwindigkeit über den Felsen, dass mir sein Plaid vor den Augen verschwamm, es klatschte laut, und der Fisch flog durch die Luft und schlug am Ufer auf.

Jamie sprang von der Felsenzunge in das flache Wasser, um seine Beute an sich zu bringen, ehe der benommene Fisch wieder in das rettende Wasser zurückzucken konnte. Er packte ihn an der Schwanzflosse und tötete ihn mit einem gezielten Hieb gegen einen Stein, dann watete er zurück, um ihn mir zu zeigen.

»Nicht schlecht«, sagte er stolz und präsentierte mir einen ordentlichen Fisch von gut vierzig Zentimetern Länge. »Das wird ein schönes Frühstück.« Grinsend blickte er mich an. Er war nass bis zu den Oberschenkeln, das Haar hing ihm ins Gesicht, und sein Hemd war voller Wasserflecken und Laub. »Ich habe doch versprochen, dass ich dich nicht verhungern lasse.«

Er packte die Forelle abwechselnd in Sauerampfer und kalten Lehm. Dann wusch er sich die Finger im kalten Wasser des Bachs, kletterte wieder auf den Felsen und reichte mir das ordentlich eingewickelte Päckchen.

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