Ich setzte mich hin und bewunderte seine langen Beine, deren glatte Muskeln den Oberschenkel von der Hüfte bis zum Knie furchten, gefolgt von einer ähnlichen Linie, die von seinem Knie zu seinem langen, eleganten Fuß verlief. Seine glatten Fußsohlen waren von einer dünnen Hornhaut überzogen, weil er oft barfuß lief.

Meine Finger sehnten sich danach, sein kleines, hübsches Ohr nachzuzeichnen und die Kante seines Kinns. Nun, dachte ich, ich hatte reagiert, und für Hemmungen war es nun zu spät. Nichts, was ich jetzt tat, konnte die Sache schlimmer machen, für keinen von uns beiden. Ich streckte die Hand aus und berührte ihn sacht.

Er schlief nicht sehr tief. Mit einer Plötzlichkeit, die mich zusammenfahren ließ, drehte er sich um und stützte sich auf die Ellbogen, als wollte er aufspringen. Dann erkannte er mich und entspannte sich lächelnd.

»Madam, Ihr habt mich ungünstig ertappt.«

Er verbeugte sich recht respektabel für einen Mann, der auf dem Rücken im Farn lag und nur ein paar Sonnenflecken am Leib trug, und ich lachte. Das Lächeln verweilte zwar in seinem Gesicht, änderte sich aber, während er mich ansah, nackt inmitten der Farne. Seine Stimme auf einmal heiser.

»Eigentlich, Madam, bin ich Euch sogar ausgeliefert.«

»Ist das so?«, sagte ich leise.

Er regte sich nicht, als ich erneut die Hand ausstreckte und ihm langsam mit der Hand über Wange und Hals fuhr, über die glänzende Rundung seiner Schulter und weiter in die Tiefe. Er regte sich nicht, doch er schloss die Augen.

»Großer Gott im Himmel«, sagte er.

Er atmete zischend ein.

»Keine Sorge«, sagte ich. »Es muss ja nicht grob sein.«

»Dank sei Gott für jede kleine Gnade.«

»Halt still.«

Seine Finger bohrten sich tief in den lockeren Boden, doch er gehorchte.

»Bitte«, sagte er nach einer Weile. Ich blickte auf und sah, dass seine Augen jetzt offen waren.

»Nein«, sagte ich amüsiert. Er schloss die Augen wieder.

»Das wirst du mir büßen«, sagte er kurz darauf. Auf seinem geraden Nasenrücken glänzte ein Schweißfilm.

»Tatsächlich? Was hast du denn vor?«

Er presste die Handflächen so fest auf den Boden, dass sich die Sehnen auf seinen Unterarmen abzeichneten, und seine Worte kamen mühselig, als hätte er die Zähne mit aller Macht zusammengebissen.

»Ich weiß es nicht, aber … bei Jesus und St. Agnes … mir wird schon etwas einf-fallen! Gott! Bitte!«

»Also schön«, sagte ich und erlöste ihn.

Und dann stieß ich einen kleinen Aufschrei aus, denn er wälzte sich übergangslos auf mich und drückte mich in die Farne.

»Jetzt du«, sagte er mit beträchtlicher Genugtuung.

Gegen Abend kehrten wir in das Gasthaus zurück, nachdem wir uns vom Gipfel des Hügels aus vergewissert hatten, dass die Pferde der Wache nicht mehr davor angebunden waren.

Das Gasthaus sah einladend aus; in den kleinen Fenstern brannte schon Licht, das auch durch die Mauerritzen drang. Allmählich kam leichter Abendwind auf, und die wehenden Blätter der Bäume ließen die Schatten im Gras tanzen. Ich konnte mir mühelos vorstellen, dass auf dem Hügel Feen lebten, die mit diesen Schatten tanzten und sich zwischen den schlanken Baumstämmen hindurchwanden, um mit der Tiefe des Waldes zu verschmelzen.

»Dougal ist noch nicht zurück«, stellte ich auf dem Weg nach unten fest. Der große schwarze Wallach, den er normalerweise ritt, stand nicht auf der kleinen Koppel des Gasthauses. Außerdem fehlten mehrere andere Pferde, darunter auch Ned Gowans.

»Nein, ich denke, er kommt frühestens morgen zurück – vielleicht sogar erst übermorgen.« Jamie bot mir den Arm an, und wir stiegen den Hügel hinunter, langsam, weil wir auf die vielen Steine achten mussten, die aus dem kurzen Gras ragten.

»Wo in aller Welt ist er denn?« Ich war so von den Ereignissen überwältigt gewesen, dass es mir gar nicht in den Sinn gekommen war, nach dem Grund für Dougals Abwesenheit zu fragen – oder diese überhaupt zu bemerken.

Jamie half mir an der Rückseite des Hauses über den Zaun.

»Um seine Geschäfte mit den Bauern in der Gegend zu erledigen. Ihm bleiben noch ein oder zwei Tage, bis er dich im Fort abliefern soll.« Er drückte mir beruhigend den Arm. »Hauptmann Randall wird nicht begeistert sein, wenn Dougal ihm eröffnet, dass er dich nicht bekommt, und Dougal wird danach nicht in seiner Nähe bleiben wollen.«

»Vernünftig von ihm«, sagte ich. »Und es war sehr freundlich von ihm, uns hierzulassen, um uns … äh … miteinander vertraut machen zu können.«

Jamie prustete. »Das hatte nichts mit Freundlichkeit zu tun. Es war eine der Bedingungen, die ich ihm dafür gestellt habe, dass ich dich nehme. Ich habe gesagt, ich heirate, wenn ich muss, aber ich werde den Teufel tun und meine Ehe unter einem Busch vollziehen, während mir zwanzig Clansmänner dabei zusehen und mir Ratschläge geben.«

Ich blieb stehen und starrte ihn an. Deswegen hatten sie sich also angeschrien.

»Eine der Bedingungen?«, sagte ich langsam. »Und was waren die anderen?«

Im Schatten des Hauses konnte ich sein Gesicht nicht deutlich sehen, aber ich hatte das Gefühl, dass er verlegen wurde.

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