»Goldene Augen; ich habe schon einmal ein solches Augenpaar gesehen – bei einem Leoparden.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, Claire. Du könntest zwar Französin sein, aber du bist es nicht.«

»Woher weißt du das?«

»Ich habe mich schon oft mit dir unterhalten und dich außerdem reden hören. Dougal glaubt, dass du Französin bist, weil du gut Französisch sprichst – sehr gut.«

»Danke«, sagte ich sarkastisch. »Und die Tatsache, dass ich gut Französisch spreche, beweist, dass ich keine Französin bin?«

Er lächelte und legte seine Finger fester um meinen Nacken. »Vous parlez très bien – aber lange nicht so gut wie ich«, fügte er hinzu. Er ließ mich plötzlich los. »Nach meinem Aufenthalt in Leoch habe ich ein Jahr in Frankreich verbracht und später noch einmal zwei bei der Armee. Ich kann es erkennen, wenn jemand Französisch als Muttersprache hat, und das hast du nicht.« Er schüttelte nachdenklich den Kopf.

»Spanien? Vielleicht, aber warum? Spanien interessiert sich nicht für uns. Preußen? Gewiss nicht.« Er zuckte mit den Schultern. »Wer du auch immer bist, die Engländer wollen es unbedingt herausfinden. Sie können hier keine unbekannten Größen dulden, jetzt, da die Clans in Aufbruchstimmung sind und Prinz Charlie darauf wartet, dass er aus Frankreich absegeln kann. Und ihre Methoden, es herauszufinden, sind nicht besonders sanft. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.«

»Und woher weißt du, dass ich keine englische Spionin bin? Du hast doch gesagt, dass Colum das glaubt.«

»Es ist möglich, aber dein Englisch ist auch ein bisschen seltsam. Und wenn du es wärst, warum solltest du es dann vorziehen, mich zu heiraten, statt zu deinen eigenen Leuten zurückzugehen? Das war noch ein Grund, warum Dougal wollte, dass du mich heiratest – er wollte wissen, ob du in letzter Minute doch noch die Flucht ergreifst.«

»Und ich habe nicht die Flucht ergriffen. Aber was beweist das?«

Er lachte und legte sich auf das Bett, einen Arm über den Augen, um sie vor dem Licht der Lampe abzuschirmen.

»Der Teufel soll mich holen, wenn ich das weiß, Sassenach. Der Teufel soll mich holen. Mir fällt einfach keine vernünftige Erklärung für dich ein. Du könntest genauso gut aus dem Feenvolk kommen …« Er blinzelte mich unter seinem Arm hinweg an. »Nein, vermutlich nicht. Du bist zu groß.«

»Hast du denn keine Angst, dass ich dich eines Nachts im Schlaf umbringe, wenn du nicht weißt, wer ich bin?«

Er antwortete nicht, sondern nahm den Arm von seinen Augen, und sein Lächeln wurde breiter. Er musste die Augen der Frasers haben, dachte ich. Sie lagen nicht tief wie die der MacKenzies, sondern standen merkwürdig schräg, so dass sie über den hohen Wangenknochen beinahe aussahen wie Katzenaugen.

Ohne sich die Mühe zu machen, den Kopf zu heben, öffnete er sein Hemd und schob den Stoff beiseite, so dass seine Brust bis zur Taille entblößt war. Er zog den Dolch aus seiner Scheide und warf ihn mir zu. Er plumpste zu meinen Füßen auf die Dielen.

Dann legte er sich den Arm wieder über die Augen und reckte den Kopf zurück, so dass ich die Stelle just unterhalb des Kiefers sehen konnte, an der sein Bartwuchs abrupt endete.

»Geradewegs nach oben, genau unter dem Brustbein«, riet er mir. »Schnell und sauber, obwohl man etwas Kraft dazu braucht. Die Kehle durchzuschneiden ist einfacher, aber es ist sehr blutig.«

Ich bückte mich, um den Dolch aufzuheben.

»Das würde dir recht geschehen«, verkündete ich. »Unverschämter Kerl.«

Das Grinsen unter seinem Ellbogen wurde noch breiter.

»Sassenach?«

Ich hielt inne, den Dolch immer noch in der Hand.

»Was?«

»Ich würde glücklich sterben.«

Kapitel 17

Wir begegnen einem Bettler

Am nächsten Morgen schliefen wir ziemlich lange, und die Sonne stand hoch am Himmel, als wir das Gasthaus verließen, diesmal Richtung Süden. Die meisten Pferde waren verschwunden, und von den Männern unserer Truppe schien auch niemand da zu sein. Ich fragte mich laut, wo sie wohl waren.

Jamie grinste. »Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich könnte raten. Die Wache ist gestern in diese Richtung geritten …« Er zeigte nach Westen. »Also nehme ich an, Rupert und die anderen haben diese Richtung eingeschlagen.« Und zeigte nach Osten.

»Rinder«, erklärte er, als er sah, dass ich immer noch nichts verstand. »Die Landbesitzer und Bauern bezahlen die Wache dafür, ein Auge offen zu halten und ihr Vieh zurückzuholen, wenn es gestohlen wird. Aber wenn die Wache auf dem Weg nach Westen ist, Richtung Lag Cruime, sind die Herden östlich von hier schutzlos – zumindest im Moment. Dort ist das Land der Grants, und Rupert ist einer der besten Rinderdiebe, die ich je erlebt habe. Die Tiere folgen ihm, wohin auch immer er geht. Und das so gut wie ohne einen Laut. Und da hier die Abwechslung allmählich rar wird, ist er wahrscheinlich unruhig geworden.«

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