Nach dem Getöse unten kam mir das Zimmer wie ein Hafen des Friedens und der Ruhe vor. Jamie, der immer noch leise vor sich hin lachte, ließ sich auf das Bett fallen, um wieder zu Atem zu kommen.
Ich lockerte mein Mieder, das jetzt unangenehm eng saß, und setzte mich, um mir die Knoten aus dem wirr getanzten Haar zu kämmen.
»Du hast so schönes Haar«, sagte Jamie, der mich beobachtete.
»Was?
Er lachte. »Nun, das andere gefällt mir auch«, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen, »aber, ja, ich habe das gemeint.«
»Aber es ist so … so lockig«, sagte ich und errötete ein wenig.
»Aye, natürlich.« Er wirkte überrascht. »Ich habe gehört, wie eine von Dougals Töchtern in der Burg zu einer Freundin gesagt hat, dass sie drei Stunden mit heißen Zangen zu Werke gehen muss, wenn sie so aussehen möchte. Sie sagt, sie könnte dir die Augen dafür auskratzen, dass du so aussiehst, ohne einen Finger dafür zu rühren.« Er setzte sich auf, lehnte sich vor und zupfte sanft an einer Locke, die mir glatt gezogen beinahe bis auf die Brust reichte. »Meine Schwester Jenny hat auch Locken, aber nicht so wie du.«
»Hat deine Schwester auch rote Haare wie du?«, fragte ich und versuchte, mir vorzustellen, wie die mysteriöse Jenny wohl aussah. Jamie schien ja oft an sie zu denken.
Er schüttelte den Kopf, während seine Finger weiter mit meinen Locken spielten. »Nein. Jennys Haar ist schwarz. Schwarz wie die Nacht. Ich bin rot wie meine Mutter, und Jenny schlägt nach unserem Vater. Brian Dhu haben sie ihn genannt. Den schwarzen Brian, wegen seiner Haare und seines Bartes.«
»Ich habe gehört, dass man Hauptmann Randall ›Black Jack‹ nennt«, sagte ich. Jamie lachte humorlos auf.
»Oh, aye. Aber damit ist die Farbe seiner Seele gemeint, nicht sein Haar.« Sein Blick wurde schärfer, als er mich jetzt ansah.
»Du machst dir doch seinetwegen keine Sorgen, oder, Claire? Das solltest du auf keinen Fall tun.« Seine Hände hoben sich von meinem Haar und legten sich besitzergreifend auf meine Schultern.
»Ich habe es ernst gemeint«, sagte er leise. »Ich werde dich beschützen. Vor ihm und vor jedem anderen. Bis zu meinem letzten Blutstropfen,
»Es bedeutet ›mein braunes Mädchen‹.« Er hob eine Haarlocke an seine Lippen und lächelte mit einem Blick, der meine eigenen Blutstropfen dazu brachte, sich gegenseitig durch meine Adern zu jagen. »
»Dabei fand ich Braun immer eine ziemlich langweilige Farbe«, sagte ich sachlich und versuchte, etwas Tempo aus dem Geschehen zu nehmen. Ich hatte fortwährend das Gefühl, um einiges schneller mitgerissen zu werden als beabsichtigt.
Jamie schüttelte immer noch lächelnd den Kopf.
»Nein, das würde ich nicht sagen, Sassenach. Sie ist wirklich alles andere als langweilig.« Er hob die Masse meines Haars mit beiden Händen an und breitete sie aus. »Es ist wie Wasser in einem Bach, das über die Steine fließt. Dunkel an den Stellen, wo es Wellen schlägt, mit silbernen Flecken an der Oberfläche, dort, wo sich die Sonne darin fängt.«
Nervös und ein wenig atemlos wich ich zurück, um den Kamm aufzuheben, der mir auf den Boden gefallen war. Als ich wieder hochkam, sah mich Jamie immer noch unverwandt an.
»Ich habe ja versprochen, dass ich dich nicht nach Dingen fragen werde, die du mir nicht sagen willst«, sagte er, »und das werde ich auch nicht tun, aber ich ziehe meine eigenen Schlüsse. Colum dachte, du bist vielleicht eine englische Spionin, obwohl er sich in diesem Fall nicht vorstellen konnte, warum du kein Gälisch sprichst. Dougal glaubt, dass du wahrscheinlich eine französische Spionin bist und vielleicht nach Unterstützung für König James Ausschau hältst. Doch in diesem Fall kann
»Und was ist mit dir?«, sagte ich und zerrte fest an einem sturen Knoten in meinen Haaren. »Was glaubst du, was ich bin?«
Er legte abschätzend den Kopf schief und betrachtete mich sorgfältig.
»Dem Aussehen nach könntest du Französin sein. Du hast dieses feinknochige Gesicht, das man manchmal bei angevinischen Adeligen sieht. Aber die Französinnen haben eher einen dunklen Teint, und deine Haut ist wie Opal.« Er zeichnete langsam mit dem Finger die Rundung meines Schlüsselbeins nach, und ich spürte, wie meine Haut unter seiner Berührung erglühte.
Der Finger wanderte zu meinem Gesicht hinauf, von der Schläfe bis zur Wange, wo er mir das Haar hinter das Ohr strich. Ich verharrte reglos unter seinem forschenden Blick und versuchte, mich auch dann nicht zu bewegen, als seine Hand über meinen Nacken fuhr und sein Daumen sanft mein Ohrläppchen streichelte.