Sie waren von vier Männern umringt – oder fünf; ich verlor im Schatten den Überblick –, die mit kurzen Schwertern bewaffnet waren. Mindestens zwei von ihnen hatten auch Pistolen, die sie jedoch nicht gezogen hatten.

Es musste Dougal sein – oder Jamie, oder beide –, worauf sie aus waren. Vorzugsweise lebend. Vermutlich, um Lösegeld zu erpressen. Daher die kurzen Schwerter statt der tödlicheren Langschwerter oder Pistolen.

Dougal und Jamie kannten keine derartigen Skrupel und waren mit beträchtlichem Ingrimm zugange. Rücken an Rücken bildeten sie einen bedrohlichen Kreis, indem jeder die schwächere Seite des anderen deckte. Als Dougal dann machtvoll mit dem Dolch zustieß, kam mir der Gedanke, dass »schwächer« möglicherweise nicht ganz der passende Ausdruck war.

Das ganze unermüdliche, grunzende, fluchende Durcheinander bewegte sich jetzt auf mich zu. Ich wich zurück, so weit ich konnte, doch die Felsspalte war kaum mehr als einen halben Meter tief. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr. Murtagh hatte beschlossen, nun aktiver ins Geschehen einzugreifen.

Ich war zwar kaum imstande, meinen entsetzten Blick von Jamie abzuwenden, aber ich sah, wie der kleine Mann in aller Ruhe seine Pistole zog. Sorgfältig überprüfte er das Radschloss, rieb die Waffe an seinem Ärmel, legte sie auf seinem Unterarm ab und wartete.

Und wartete. Ich zitterte vor Angst um Jamie, der jetzt jede Raffinesse aufgegeben hatte und brutal um sich hieb, um die beiden Männer zurückzutreiben, die ihm blutrünstig gegenüberstanden. Warum zum Teufel feuerte der Mann denn nicht?, dachte ich hektisch. Und dann wurde mir klar, warum. Sowohl Jamie als auch Dougal standen in der Schusslinie. Und ich meinte mich zu erinnern, dass die Zielgenauigkeit von Steinschlosspistolen manchmal zu wünschen übrig ließ.

Diese Vermutung bestätigte sich im nächsten Moment, als einer von Dougals Gegnern einen unerwarteten Satz machte und ihn am Handgelenk erwischte. Die Klinge schlitzte ihm den ganzen Unterarm auf, und er sank auf sein Knie. Als Jamie spürte, wie sein Onkel fiel, zog er seinerseits die Klinge ein und trat zwei schnelle Schritte rückwärts. Damit stand er mit dem Rücken zum Fels, und Dougal kniete neben ihm, in Reichweite seiner schützenden Klinge. Außerdem hatte ich jetzt freien Blick auf die Angreifer – genau wie Murtagh mit seiner Pistole.

Aus der Nähe war der Knall der Pistole unerwartet laut. Er überraschte die Angreifer völlig, vor allem aber den Mann, der getroffen wurde. Im ersten Moment stand er still und schüttelte verwundert den Kopf, dann setzte er sich ganz langsam, sank erschlafft hintenüber und rollte über den abschüssigen Boden hinunter in die Glut des erlöschenden Feuers.

Jamie nutzte den Moment der Überraschung und schlug einem der Angreifer das Schwert aus der Hand. Dougal war jetzt wieder auf den Beinen, und Jamie trat beiseite, um ihm mehr Bewegungsfreiheit zu lassen. Einer der Kämpfer hatte sich davongemacht und war den Abhang hinuntergelaufen, um seinen verletzten Kameraden aus der heißen Asche zu retten. Er lud ihn sich auf den Rücken und verschwand mit ihm. Damit waren aber immer noch zwei der Angreifer übrig, und Dougal war verletzt. Ich konnte dunkle Tropfen auf den Felsen fliegen sehen, als er sein Schwert schwang.

Die Kämpfer waren jetzt so nah, dass ich Jamies Gesicht sehen konnte, ruhig und konzentriert, gefangen in der Euphorie des Schwertkampfes. Plötzlich rief ihm Dougal etwas zu. Jamie riss den Blick für den Bruchteil einer Sekunde vom Gesicht seines einen Gegners los und sah zu Boden. Er hob den Kopf gerade rechtzeitig wieder, um nicht zerhackt zu werden, duckte sich blitzschnell zur Seite und warf sein Schwert.

Sein zweiter Gegner blickte mit beträchtlicher Überraschung auf das Schwert, das in seinem Bein steckte. Verwundert berührte er die Klinge, dann packte er sie und zog. Sie ließ sich leicht bewegen, so dass ich vermutete, dass die Wunde nicht tief war. Der Mann machte immer noch einen etwas verblüfften Eindruck und blickte auf, als wollte er sich nach dem Zweck dieses unorthodoxen Verhaltens erkundigen.

Dann stieß er einen Schrei aus, ließ das Schwert fallen und rannte humpelnd davon. Durch das Geräusch aufgeschreckt, sah der noch verbliebene Angreifer zu ihm hinüber, machte kehrt und flüchtete ebenfalls. Jamie stürzte ihnen nach wie eine Lawine. Er hatte nun das gewaltige Claymore aus der Decke gezogen und schwang es mit beiden Händen im mörderischen Bogen. Hinter ihm kam Murtagh, der etwas höchst Unschmeichelhaftes auf Gälisch brüllte und sowohl sein Schwert als auch die nachgeladene Pistole schwang.

Danach kehrte schnell wieder Ruhe ein, und es dauerte kaum eine Viertelstunde, bis sich die MacKenzies wieder gesammelt und sich ein Bild von ihren Verlusten gemacht hatten.

Перейти на страницу:

Похожие книги