Diese waren nicht sonderlich groß; es fehlten zwei Pferde und drei Säcke Getreide. Die Wagenknechte, die stets in der Nähe ihrer Ladung schliefen, hatten weitere Plünderungen der Wagen verhindert, und den bewaffneten Wachen war es gelungen, die Möchtegern-Pferdediebe zu verjagen. Der größte Verlust schien einer der Männer zu sein.

»Entführt«, sagte Dougal grimmig. »Verdammt, er wird mich ein Monatseinkommen an Lösegeld kosten.«

»Es hätte auch schlimmer sein können, Dougal«, wandte Jamie ein, der sich das Gesicht am Ärmel abwischte. »Denk nur, wie Colum reagieren würde, wenn sie dich erwischt hätten.«

»Wenn sie dich erwischt hätten, Junge, hätten sie dich von mir aus behalten können, und du könntest deinen Namen in Grant ändern«, gab Dougal trocken zurück, doch die Stimmung hellte sich jetzt merklich auf.

Ich holte die kleine Medizinkiste hervor, die ich dabeihatte, und reihte die Verletzten der Schwere ihrer Wunden nach auf. Nichts wirklich Ernstes, wie ich erfreut feststellte. Dougals Armverletzung war vermutlich das Schlimmste.

Ned Gowan hatte leuchtende Augen und sprudelte vor Lebensfreude. Er war anscheinend so berauscht von der Aufregung des Kampfes, dass ihn der Zahn überhaupt nicht störte, den ihm ein schlecht gezielter Dolchknauf ausgeschlagen hatte. Allerdings hatte er die Geistesgegenwart besessen, ihn sorgsam unter seiner Zunge aufzubewahren.

»Nur für den Fall der Fälle«, sagte er und spuckte den Zahn auf seine Handfläche. Die Wurzel war nicht beschädigt, und das Zahnfleisch blutete immer noch schwach, also versuchte ich mein Glück und presste den Zahn fest an seinen Platz zurück. Der schmächtige Mann wurde kreidebleich, gab aber kein Geräusch von sich. Doch er spülte sich den Mund dankbar zur Desinfektion mit Whisky aus, den er dann schluckte, um ja nichts zu verschwenden.

Dougals Wunde hatte ich sofort mit einem Druckverband versehen und war erleichtert, dass die Blutung so gut wie zum Stillstand gekommen war, als ich den Verband jetzt abwickelte. Es war ein sauberer Schnitt, der allerdings tief war. Ein schmaler Rand aus gelbem Fett war an der Kante der klaffenden Wunde zu sehen, die mindestens drei Zentimeter tief in den Muskel reichte. Zum Glück waren keine lebenswichtigen Gefäße verletzt, aber ich würde den Arm nähen müssen.

Es stellte sich heraus, dass die einzige verfügbare Nadel eine schmale Ahle war, die von den Wagenknechten zum Flicken des Geschirrs benutzt wurde. Ich betrachtete sie skeptisch, doch Dougal hielt mir nur den Arm hin und wandte den Blick ab.

»Eigentlich kann ich problemlos Blut sehen«, erklärte er, »aber ich habe etwas dagegen, wenn es mein eigenes ist.« Er saß auf einem Felsen, während ich arbeitete, und biss die Zähne derart fest aufeinander, dass seine Kiefermuskeln zitterten. Die Nacht wurde allmählich kalt, doch ihm standen die Schweißperlen auf der hohen Stirn. Einmal bat er mich höflich, einen Moment aufzuhören, wandte sich ab und übergab sich kurz und knapp hinter einen Felsen, dann wandte er sich zurück und stützte den Arm wieder auf sein Knie.

Zum Glück hatte einer der Gastwirte seine Pacht in Form eines kleinen Whiskyfässchens bezahlt, dessen Inhalt sich jetzt als äußerst nützlich erwies. Ich benutzte den Whisky, um einige offene Wunden zu desinfizieren, dann gestattete ich meinen Patienten die Selbstmedikation nach Belieben. Als ich fertig war, nahm ich sogar selbst einen Becher entgegen. Ich leerte ihn mit Genuss und ließ mich dankbar auf meine Decke sinken. Der Mond ging unter, und ich zitterte, halb als Reaktion und halb vor Kälte. Es fühlte sich herrlich an, als sich Jamie neben mich legte und mich fest an seinen kräftigen, warmen Körper drückte.

»Glaubst du, sie kommen zurück?«, fragte ich, doch er schüttelte den Kopf.

»Nein, es waren Malcolm Grant und seine beiden Jungen – es war sein Ältester, dem ich das Schwert ins Bein geworfen habe. Sie dürften jetzt zu Hause im Bett sein«, erwiderte er. Er streichelte mein Haar und sagte in sanfterem Ton: »Du hast heute Abend großartige Arbeit geleistet, Claire. Ich war so stolz auf dich.«

Ich drehte mich um und legte ihm die Arme um den Hals.

»Nicht so stolz, wie ich es war. Du warst wunderbar, Jamie. So etwas habe ich noch nie gesehen.«

Er prustete zwar bescheiden, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass er sich freute.

»Es war doch nur ein Diebeszug, Sassenach. So etwas mache ich schon, seit ich vierzehn war. Das ist ja nur Spaß; es ist etwas anderes, wenn man jemandem gegenübersteht, der einen wirklich umbringen will.«

»Spaß«, wiederholte ich mit schwacher Stimme. »Ja natürlich.«

Seine Arme legten sich fester um mich, und eine der streichelnden Hände wanderte in die Tiefe und begann, mir den Rock hochzuziehen. Die Aufregung des Kampfes war eindeutig dabei, in eine andere Art von Erregung umzuschlagen.

»Jamie! Doch nicht hier!«, sagte ich. Ich wand mich und zog mir den Rock wieder zurecht.

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