»Und, wie ist es?«, fragte er und meinte damit eindeutig nicht meine Fähigkeiten im Umgang mit einem Dolch.
»Nicht schlecht«, antwortete ich argwöhnisch, und auch ich sprach nicht von Messern. Dougals Blick huschte zu Jamie hinüber, der immer noch bei den Wagen beschäftigt war.
»Die Ehe scheint dem Jungen gutzutun«, stellte er fest.
»Ja, sie ist geradezu gesund für ihn – unter den Umständen«, pflichtete ich ihm mit kalter Stimme bei. Sein Mund verzog sich angesichts meines Tons.
»Und für dich auch. Ein gutes Arrangement für alle, wie es scheint.«
»Vor allem für dich und deinen Bruder. Und da wir gerade von ihm sprechen, was glaubst du, was Colum sagen wird, wenn er davon hört?«
Das Lächeln wurde breiter. »Colum? Ach. Ich glaube, eine solche Nichte wird er mit offenen Armen in die Familie aufnehmen.«
Die Attrappe war fertig, und ich setzte meine Übungsstunde fort. Sie hatten einen Wollsack von der Größe eines männlichen Oberkörpers genommen, ihn mit einem gegerbten Bullenfell umwickelt und das Ganze mit einem Strick befestigt. Darauf sollte ich einstechen – zunächst, wenn es auf Menschenhöhe an einen Baum gebunden war. Danach würden sie es auf mich zuwerfen oder an mir vorbeirollen.
Was Jamie nicht erwähnt hatte, war, dass sie mehrere flache Holzstücke zwischen den Wollsack und das Leder gesteckt hatten, um Knochen zu simulieren.
Die ersten paar Stöße verliefen ohne Zwischenfälle, obwohl ich mehrere Anläufe brauchte, um das Bullenleder zu durchdringen. Es war zäher, als es aussah – genau wie die Haut am Bauch eines Mannes, so teilte man mir mit. Beim nächsten Mal versuchte ich es mit Schwung von oben und traf eins der Holzstücke.
Im ersten Moment dachte ich, mir wäre plötzlich der Arm abgefallen. Der Aufprall vibrierte bis in meine Schulter, und der Dolch fiel mir aus den tauben Fingern. Unterhalb des Ellbogens fühlte ich gar nichts mehr, doch ein ominöses Kribbeln warnte mich bereits, dass das nicht lange dauern würde.
»Jesus H. Roosevelt Christ«, sagte ich. Ich stand da, hielt mir den Ellbogen und hörte mir das Gelächter an. Schließlich nahm mich Jamie bei der Schulter und massierte mir das Gefühl in den Arm zurück, indem er auf die Sehne an der Rückseite des Ellbogens drückte und den Daumen in die Mulde an meinem Handgelenk bohrte.
»Also schön«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen und bewegte vorsichtig meine kribbelnde rechte Hand. »Was macht man, wenn man einen Knochen trifft und das Messer verliert?
»Oh, aye«, verriet mir Rupert grinsend. »Man zieht mit links die Pistole und erschießt den Mistkerl.« Diese Antwort rief weiteres Gelächter hervor, doch ich beachtete es nicht.
»Schön«, sagte ich mehr oder weniger ruhig. Ich deutete auf die lange Pistole, die Jamie an der Hüfte trug. »Heißt das, du hast vor, mir zu zeigen, wie man dieses Ding lädt und abschießt?«
»Nein«, antwortete er kategorisch.
Jetzt regte sich in mir doch leichte Empörung. »Und warum nicht?«
»Weil du eine Frau bist, Sassenach.«
Ich spürte, wie mein Gesicht rot anlief. »Ach?«, sagte ich sarkastisch. »Meinst du etwa, Frauen sind nicht schlau genug, um zu verstehen, wie man mit einer Pistole umgeht?«
Er sah mich gelassen an, und sein Mund zuckte ein wenig, während er im Kopf eine Reihe von Antworten durchspielte.
»Ich bin fast versucht, es dich ausprobieren zu lassen«, sagte er schließlich. »Es würde dir recht geschehen.«
Rupert schnalzte verärgert mit der Zunge. »Sei nicht dumm, Jamie. Was dich betrifft, Kleine«, sagte er, an mich gewandt, »es ist nicht deswegen, weil Frauen dumm wären, obwohl das auf manche nun wirklich zutrifft; nein, es ist, weil sie zu zierlich sind.«
»Häh?« Im ersten Moment sah ich ihn verständnislos an. Jamie prustete und zog die mit Silber beschlagene Pistole aus ihrem Halteriemen. Aus der Nähe betrachtet war sie enorm; vom Kolben bis zur Mündung maß sie einen guten halben Meter.
»Sieh her«, sagte er und hielt sie mir vor die Nase. »Man hält sie hier fest, stützt sie auf den Unterarm auf und zielt. Und wenn man den Hahn zieht, versetzt sie einem einen Schlag wie ein auskeilendes Maultier. Ich bin einen Kopf größer und einen halben Zentner schwerer als du, und ich weiß, was ich tue.
»Ich würde es dich ja selbst herausfinden lassen«, fuhr er mit hochgezogener Augenbraue fort, »aber ich finde dich hübscher, wenn du Zähne hast. Du hast ein schönes Lächeln, Sassenach, auch wenn du ein bisschen kratzbürstig bist.«