»Oh, aye. Es ist alles arrangiert. Der Treffpunkt ist eine Stelle in den Hügeln ein oder zwei Meilen oberhalb von Lag Cruime. In vier Tagen, falls bis dahin nichts schiefgeht.«

Die Erwähnung von Dingen, die schiefgehen könnten, machte mich etwas nervös.

»Meinst du, es besteht keine Gefahr? Ich meine, traust du diesem Horrocks?«

Er setzte sich, rieb sich den letzten Schlaf aus den Augen und blinzelte.

»Einem englischen Deserteur? Himmel, nein. Er würde mich mit Sicherheit am liebsten an Randall verkaufen, nur, dass er ja kaum selbst zu den Engländern gehen kann. Sie hängen Deserteure. Nein, ich traue ihm nicht. Deshalb habe ich Dougal ja auf seiner Reise begleitet, statt Horrocks allein aufzusuchen. Wenn der Mann etwas im Schilde führt, werde ich wenigstens in Begleitung sein.«

»Oh.« So, wie die Dinge zwischen Jamie und seinen beiden intrigierenden Onkeln standen, war ich mir nicht sicher, ob Dougals Anwesenheit tatsächlich so beruhigend war.

»Nun, wenn du meinst«, sagte ich skeptisch. »Ich gehe zumindest nicht davon aus, dass Dougal die Gelegenheit nutzen und dich erschießen würde.«

»Er hat schon auf mich geschossen«, entgegnete Jamie fröhlich und verschloss sein Hemd. »Das solltest du doch wissen; schließlich hast du die Verletzung verbunden.«

Mir fiel der Kamm aus der Hand.

»Dougal! Ich dachte, die Engländer hätten auf dich geschossen!«

»Die haben ebenfalls auf mich geschossen«, sagte er. »Und ich sollte vielleicht nicht sagen, dass es Dougal war, der mich getroffen hat, es war wahrscheinlich Rupert – er ist der beste Schütze unter Dougals Männern. Nein, als wir auf der Flucht vor den Engländern waren, ist mir klargeworden, dass wir uns fast an der Grenze zum Gebiet der Frasers befanden, und ich dachte, ich versuche da mein Glück. Also habe ich meinem Pferd die Sporen gegeben und einen Bogen um Dougal und den Rest geschlagen. Natürlich wurde zu diesem Zeitpunkt viel geschossen, aber die Kugel, die mich getroffen hat, kam von hinten. Und nur Dougal, Rupert und Murtagh waren hinter mir. Die Engländer waren alle vor mir. Als ich vom Pferd gefallen bin, bin ich den Hügel hinuntergerollt und wäre ihnen fast in den Schoß gekullert.« Er beugte sich über das Wasser, das ich in einem Eimer geholt hatte, und spritzte es sich mit beiden Händen ins Gesicht. Er schüttelte den Kopf und blinzelte mich dann grinsend an. Die Tropfen hingen ihm glänzend an den dichten Wimpern und Augenbrauen.

»Dougal hatte es danach schwer genug, mich zurückzubekommen. Ich lag auf dem Boden und war zu nichts nutze, und er stand über mir und riss mit einer Hand an meinem Gürtel, um mich hochzuziehen. In der anderen hatte er das Schwert und war mit einem Dragoner zugange, der meinte, ein todsicheres Heilmittel für meine Schmerzen zu haben. Dougal hat ihn umgebracht und mich auf sein eigenes Pferd bugsiert.« Er schüttelte den Kopf. »Danach war für mich alles ein bisschen verschwommen; ich habe nur die ganze Zeit gedacht, wie schwer es doch für das Pferd sein musste, mit hundertneunzig Kilo auf dem Rücken einen Hügel zu erklettern.«

Ich lehnte mich verblüfft zurück.

»Aber … da hätte Dougal dich doch umbringen können, wenn er gewollt hätte.«

Jamie schüttelte den Kopf und griff nach dem Rasiermesser, das er sich von Dougal geliehen hatte. Er schob den Eimer so zurecht, dass er sich darin spiegeln konnte. Dann verzog er das Gesicht zu der gequälten Grimasse, die Männer beim Rasieren aufsetzen, und begann, sich die Wangen glatt zu schaben.

»Nein, nicht vor den Männern. Außerdem wollten Dougal und Colum ja nicht unbedingt meinen Tod – vor allem Dougal nicht.«

»Aber …« Mir wurde wieder schwindelig, was immer zu geschehen schien, wenn ich mit den Verwicklungen des schottischen Familienlebens konfrontiert wurde.

Jamies Worte klangen ein wenig gedämpft, weil er das Kinn nach vorn reckte und den Kopf zurücklegte, um an die Stoppeln unter seinem Kinn zu gelangen.

»Es geht um Lallybroch«, erklärte er und tastete mit der freien Hand nach übrig gebliebenen Barthaaren. »Es ist nicht nur ein ertragreiches Anwesen; es befindet sich auch am Eingang eines Bergpasses. Der einzige brauchbare Pass in die Highlands im Umkreis von zehn Meilen. Sollte es zu einem weiteren Aufstand kommen, wäre es ein wertvolles Stück Land für den, der es kontrolliert. Und falls ich unverheiratet gestorben wäre, wäre es vermutlich an die Frasers zurückgefallen.«

Er grinste und strich sich über den Hals. »Nein, ich bin wirklich ein Problem für die MacKenzie-Brüder. Einerseits sähen sie mich am liebsten tot, damit ich nicht zur Bedrohung für Hamish werden kann. Andererseits wollen sie mich und mein Land verlässlich auf ihrer Seite haben, wenn es zum Krieg kommt – und nicht auf der Seite der Frasers. Aus diesem Grund sind sie ja bereit, mir bei der Sache mit Horrocks zu helfen. Solange ich vogelfrei bin, kann ich nicht viel mit Lallybroch anfangen, auch wenn das Land nach wie vor mir gehört.«

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