Dort setzte er mich behutsam auf den Boden und ließ sich ungeschickt neben mich fallen, als hätten seine Knie plötzlich nachgegeben. Ich empfand ein eisiges Gefühl der Isolation, als sei mir der Winter in die Knochen gefahren, und ich streckte die Hand nach ihm aus. Er hob den Kopf von den Knien. Sein Gesicht war eingefallen, und er starrte mich an, als hätte er mich noch nie gesehen. Als ich ihm die Hände auf die Schultern legte, zog er mich fest an sich und stieß einen Laut aus, der weder Stöhnen noch Schluchzen war.

Dann nahmen wir einander in wildem, drängendem Schweigen, mit harten Stößen, die innerhalb von Momenten vorüber waren, getrieben von einem Drang, den ich nicht verstand, von dem ich aber wusste, dass wir ihm gehorchen mussten, wenn wir einander nicht für immer verlieren wollten. Es war kein Akt der Liebe, sondern der Notwendigkeit, als wüssten wir, dass keiner von uns allein überleben konnte. Unsere Kraft lag einzig in der Vereinigung, die die Erinnerung an die tödliche Bedrohung und die verhinderte Vergewaltigung mit allen Sinnen ertränkte.

Dann lagen wir aneinandergeklammert im Gras, mit wirren Haaren und Kleidern, und zitterten in der Sonne. Jamie murmelte etwas, doch seine Stimme war so leise, dass ich nur das Wort »Entschuldigung« auffing.

»Nicht deine Schuld«, murmelte ich und strich ihm über das Haar. »Ist alles gut, es ist ja nichts passiert.« Ich fühlte mich wie im Traum, als wäre rings um mich nichts real, und ich erkannte dumpf die Symptome des verspätet einsetzenden Schocks.

»Nicht das«, sagte er. »Nicht das. Es war meine Schuld … wie dumm, hierherzukommen, ohne auf der Hut zu sein. Und zuzulassen, dass du … aber das war es nicht, was ich gemeint habe. Ich entschuldige mich, weil ich dich gerade so benutzt habe. Dich so zu nehmen, so kurz nachdem … als wäre ich ein Tier. Es tut mir leid, Claire … ich weiß nicht, was … ich konnte nichts dagegen tun, aber … Gott, du bist so kalt, a nighean donn, deine Hände sind wie Eis. Komm her, damit ich dich wärme.«

Auch er stand unter Schock, dachte ich benommen. Seltsam, wie es manche Leute zum Reden zwingt. Andere zittern nur stumm vor sich hin. So wie ich. Ich drückte seinen Mund an meine Schulter, um ihn zum Schweigen zu bringen.

»Ist ja gut«, sagte ich wieder und wieder, »ist ja gut.«

Plötzlich legte sich ein Schatten über uns, und wir fuhren beide zusammen. Dougal stand mit verschränkten Armen über uns und betrachtete uns finster. Er wandte sich höflich ab, während ich mir hastig das Mieder schnürte, und richtete den Blick stattdessen stirnrunzelnd auf Jamie.

»Jetzt hör mir gut zu, Junge, es ist ja schön, wenn du dich mit deiner Frau vergnügst, aber wenn es so weit kommt, dass du uns alle über eine Stunde warten lässt und ihr euch so vergesst, dass du mich nicht einmal kommen hörst – dann wird dich das eines Tages in Schwierigkeiten bringen. Da könnte schließlich jeder von hinten kommen und dir eine Pistole an den Kopf halten, ehe du dich versiehst …«

Er hielt mitten in seiner Tirade inne, um mich ungläubig anzustarren, während ich mich hysterisch lachend im Gras wälzte. Puterrot führte Jamie Dougal beiseite und erklärte ihm leise, was geschehen war. Ich johlte und kicherte weiter unkontrolliert vor mich hin, bis ich mir selbst ein Taschentuch in den Mund stopfte, um die Geräusche zu dämpfen. Dougals Worte hatten meinen Gefühlsausbruch so auf die Spitze getrieben, dass ich Jamies auf frischer Tat ertapptes Gesicht vor mir sah, und das war einfach zu komisch. Ich lachte und ächzte, bis ich Seitenstiche bekam. Als ich mich endlich setzte und mir mit dem Taschentuch die Augen trocknete, sah ich Dougal und Jamie mit identischen Mienen der Missbilligung über mir stehen. Jamie zog mich hoch. Ich gluckste und kicherte immer noch hin und wieder, während er mich zu der Stelle führte, wo die anderen ungeduldig mit den Pferden warteten.

Abgesehen von einer hartnäckigen Tendenz, ohne Grund hysterisch loszulachen, schien unsere Begegnung mit den Deserteuren keine schlimmen Nachwirkungen bei mir hinterlassen zu haben, obwohl ich das Lager nur noch mit äußerster Vorsicht verließ. Dougal versicherte mir zwar, dass Banditen auf den Straßen der Highlands eigentlich selten waren, einfach weil es hier kaum Reisende gab, die einen Überfall lohnten. Doch ich ertappte mich dabei, dass ich bei Geräuschen im Wald nervös zusammenfuhr und mich beeilte, von einfachen Arbeiten wie dem Holz- oder Wasserholen so schnell wie möglich zurückzukehren, weil ich die schützende Gesellschaft der MacKenzies keinesfalls zu lange missen wollte. Außerdem spendeten mir ihre nächtlichen Schnarchgeräusche eine ganz neue Art von Beruhigung, und ich verlor jedes Schamgefühl, das ich in Bezug auf die diskreten Bewegungen unter unseren Decken irgendwann einmal besessen haben mochte.

Ich hatte immer noch große Angst vor dem Alleinsein, als ein paar Tage später der Zeitpunkt für das Treffen mit Horrocks kam.

»Hierbleiben?«, sagte ich ungläubig. »Nein! Ich gehe mit dir.«

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