»Seine Gesundheit ist nicht meine Sorge. Und seine Sorge ist sie bald auch nicht mehr. Ich würde mir gern ein Häppchen davon gönnen.« Er nickte kurz in meine Richtung. »Und ich habe keine Lust, als Zweiter an die Reihe zu kommen, schon gar nicht nach so einem schottischen Hurensohn.«

Faulzahn lachte. »Ich bin da nicht so wählerisch. Dann bring ihn um und leg los.«

Harry, ein kurz gewachsener, stämmiger Mann mit einem Silberblick, überlegte kurz und betrachtete mich nachdenklich. Ich saß immer noch mit hochgezogenen Knien auf dem Boden und hatte mir die Röcke fest um die Knöchel gewickelt. Zwar hatte ich mich bemüht, mein Mieder zu schließen, doch das meiste meines Oberkörpers lag immer noch bloß. Schließlich lachte der kurze Mann und winkte seinem Kameraden.

»Nein, lass ihn zusehen. Komm her, Arnold, und halt ihn mit der Muskete in Schach.« Arnold gehorchte mit einem breiten Grinsen. Harry legte seine Muskete auf den Boden und ließ den Pistolengürtel zur Vorbereitung danebenfallen.

Während ich meine Röcke niederpresste, spürte ich einen festen Gegenstand in der rechten Tasche. Der Dolch, den Jamie mir gegeben hatte. Konnte ich mich überwinden, ihn zu benutzen? Ja, beschloss ich mit einem Blick auf Harrys lüsternes Pickelgesicht, das konnte ich definitiv.

Ich würde jedoch bis zur letzten möglichen Sekunde warten müssen, und ich hatte meine Zweifel, ob sich Jamie noch so lange beherrschen konnte. Ich konnte den Blutdurst in seinem Gesicht sehen; bald würde der Gedanke an die möglichen Konsequenzen nicht mehr reichen, um ihn zurückzuhalten.

Ich hütete mich, meinem Gesicht zu viel anmerken zu lassen, doch ich kniff die Augen zusammen und beschwor ihn mit einem Blick, sich nicht zu bewegen. An seinem Hals zeichneten sich die Sehnen ab, und das Blut war ihm ins Gesicht gestiegen, doch ich sah sein kaum merkliches Nicken als Zeichen, dass er mich verstanden hatte.

Ich wand mich, als mich Harry auf den Boden drückte und versuchte, mir die Röcke hochzuschieben, jedoch mehr, um den Dolchgriff in die Hand zu bekommen, als um mich zu wehren. Er schlug mir ins Gesicht und befahl mir stillzuhalten. Meine Wange brannte, und mir tränten die Augen, doch ich hatte den Dolch jetzt in der Hand, verborgen in meinen Rockfalten.

Schwer atmend legte ich mich zurück, konzentrierte mich auf mein Ziel und versuchte, alles andere aus meinen Gedanken auszublenden. Es würde ein Stoß in den Rücken sein müssen; ich hatte nicht genug Platz, um nach seiner Kehle zu zielen.

Seine schmutzigen Finger krallten sich jetzt in meine Oberschenkel und drückten sie mit Gewalt auseinander. In Gedanken konnte ich sehen, wie Ruperts stumpfer Finger unter Murtaghs Rippen bohrte, und hörte seine Stimme: »Hier, Kleine, unter den tiefsten Rippen, dicht neben dem Rückgrat. Stich fest zu, aufwärts in die Niere, und er bricht zusammen wie ein Stein.«

Es war fast Zeit; Harrys schlechter Atem wehte mir ekelhaft warm über das Gesicht, und er fummelte mir zwischen den entblößten Beinen herum, um an sein Ziel zu gelangen.

»Sieh gut hin, du geiler Bock, und schau dir an, wie das geht«, keuchte er. »Deine Schlampe wird gleich um mehr betteln, und …«

Ich schlang ihm den linken Arm um den Hals, um ihn festzuhalten, dann hob ich die Messerhand und stieß zu, so fest ich konnte. Der Zusammenprall setzte sich in meinem Arm fort, und ich hätte den Dolch um ein Haar verloren. Harry kreischte auf und wand sich, um sich zu befreien. Da ich nichts sehen konnte, hatte ich zu hoch gezielt, und das Messer war an einer Rippe abgerutscht.

Ich konnte ihn jetzt nicht loslassen. Zum Glück waren meine Beine vom Gewirr der Röcke befreit; ich schlang sie Harry fest um die verschwitzten Hüften und gewann so die kostbaren Sekunden, die ich für einen zweiten Versuch brauchte. Mit der Kraft der Verzweiflung stieß ich erneut zu, und diesmal traf ich die Stelle.

Rupert hatte recht gehabt. Harry bäumte sich zu einer grauenvollen Parodie des Liebesaktes auf und brach dann lautlos auf mir zusammen, während ihm das Blut in pulsierenden Stößen aus der Wunde im Rücken spritzte.

Arnold hatte sich eine Sekunde von dem Spektakel am Boden ablenken lassen, und eine Sekunde war mehr als genug für den rasenden Schotten, den er in Schach hielt. Bis ich meinen Verstand wieder so weit beisammen hatte, dass ich mich unter dem verstorbenen Harry hervorwinden konnte, war Arnold seinem Kameraden in den Tod gefolgt, denn Jamie hatte ihm die Kehle von einem Ohr zum anderen mit dem Sgian dhu durchgeschnitten, den er im Strumpf trug.

Jamie kniete sich neben mich und zog mich unter dem Toten hervor. Wir zitterten beide vor Schrecken und klammerten uns minutenlang aneinander, ohne etwas zu sagen. Immer noch wortlos hob er mich auf und trug mich von den beiden Leichen fort zu einer grasbewachsenen Stelle hinter einigen Eschen.

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