Er stellte sich neben das Bett und ließ den Gürtel sacht hin und her schwingen.
»Nun, Claire, ich fürchte, wir haben noch etwas zu erledigen, ehe wir schlafen gehen.« Mich beschlich plötzlich ein ungutes Gefühl.
»Und zwar?«
Er antwortete nicht sofort. Er setzte sich mit Bedacht nicht neben mich, sondern nahm auf einem Hocker mir gegenüber Platz.
»Ist dir klar, Claire«, sagte er leise, »dass wir alle heute Nachmittag hätten umkommen können?«
Ich senkte den Blick mit beschämter Miene auf die Bettdecke. »Ja. Ich weiß. Meine Schuld. Es tut mir leid.«
»Ah, es ist dir also klar«, fasste er zusammen. »Wenn einer von uns so etwas getan und den Rest derart in Gefahr gebracht hätte, weißt du, dass man ihm wahrscheinlich die Ohren abgeschnitten oder ihn ausgepeitscht hätte, wenn er nicht gleich getötet worden wäre?« Ich erbleichte.
»Nein, das wusste ich nicht.«
»Nun, ich weiß, dass dir unsere Lebensweise noch nicht vertraut ist, und das entschuldigt einiges. Aber ich habe dir gesagt, du sollst in deinem Versteck bleiben, und wenn du das getan hättest, wäre all das nie geschehen. Jetzt suchen uns die Engländer überall; wir müssen uns tagsüber versteckt halten und bei Nacht reisen.«
Er hielt inne. »Und was Hauptmann Randall betrifft … aye, da ist noch etwas ganz anderes.«
»Du meinst, er wird jetzt ganz besonders nach dir Ausschau halten, da er weiß, dass du hier bist?« Er nickte geistesabwesend und starrte in das Feuer.
»Aye. Er … es ist etwas Persönliches für ihn.«
»Es tut mir so leid, Jamie«, wiederholte ich mich. Jamie winkte ab.
»Ach, wenn nur ich davon betroffen wäre, würde ich kein Wort mehr darüber verlieren. Obwohl, wenn wir schon dabei sind …« Er warf mir einen scharfen Blick zu. »Es hat mich fast umgebracht zu sehen, wie dieses Tier seine Hände auf dir liegen hatte, das sage ich dir.« Er blickte grimmig in das Kaminfeuer, als durchlebte er die Ereignisse des Nachmittags noch einmal.
Mir kam der Gedanke, ihm von Randalls … Schwierigkeiten zu erzählen, doch ich hatte Angst, dass es mehr schaden als nützen würde. Zu gern hätte ich Jamie in die Arme genommen und ihn angefleht, mir zu vergeben, doch ich wagte es nicht, ihn zu berühren. Nach einem langen Moment des Schweigens erhob er sich seufzend und schlug mit dem Gürtel leicht an seinen Oberschenkel.
»Nun denn«, sagte er. »Bringen wir es hinter uns. Du hast großen Schaden angerichtet, indem du meinen Befehl missachtet hast, und ich werde dich dafür bestrafen, Claire. Du weißt doch noch, was ich zu dir gesagt habe, als wir uns heute Morgen getrennt haben?« Oh ja, das wusste ich noch, und ich warf mich hastig über das Bett und setzte mich mit dem Rücken an die Wand.
»Was meinst du damit?«
»Du weißt ganz genau, was ich damit meine«, sagte er unbeirrt. »Knie dich vor das Bett und zieh deine Röcke hoch.«
»Ich werde nichts dergleichen tun!« Ich klammerte mich an den Bettpfosten und presste mich noch tiefer in die Ecke.
Jamie sah mich einen Moment mit zusammengekniffenen Augen an, während er überlegte, was er jetzt tun sollte. Mir kam der Gedanke, dass es nichts gab, was ihn davon abhalten konnte, mit mir zu machen, was immer er wollte; er war fast einen halben Zentner schwerer als ich. Schließlich beschloss er, lieber zu reden, als zu handeln. Sorgfältig legte er den Gürtel beiseite, ehe er über die Bettdecke kroch, um sich neben mich zu setzen.
»Also, Claire …«, begann er.
»Ich habe doch gesagt, es tut mir leid!«, platzte ich heraus. »Und das stimmt auch. Ich werde so etwas nie wieder tun!«
»Nun, genau das ist es aber«, sagte er langsam. »Denn vielleicht tust du es ja doch. Und das liegt daran, dass du die Dinge nicht so ernst nimmst, wie sie sind. Ich glaube, dass du von einem Ort kommst, an dem alles einfacher ist. Dort, wo du herkommst, ist es keine Sache von Leben und Tod, wenn man einen Befehl missachtet oder die Dinge selbst in die Hand nimmt. Im schlimmsten Fall bringst du jemanden in eine unangenehme Lage, oder du ärgerst ihn, aber du bringst niemanden in Lebensgefahr.« Ich beobachtete seine Finger, die das braune Tuch seines Kilts in Falten legten, während er seine Gedanken ordnete.
»Es ist die brutale Wahrheit, dass eine harmlose Handlung an einem Ort und in einer Zeit wie dieser ernste Konsequenzen haben kann – vor allem für einen Mann wie mich.« Er sah, dass ich den Tränen nah war, und klopfte mir auf die Schulter.
»Ich weiß, dass du mich oder andere niemals mit Absicht in Gefahr bringen würdest. Aber es ist gut möglich, dass du es tust, ohne es zu wollen, so wie heute, weil du mir einfach noch nicht glaubst, dass etwas gefährlich ist. Du bist es gewohnt, für dich selbst zu denken, und ich weiß«, sagte er mit einem Seitenblick, »dass du es nicht gewohnt bist, dir von einem Mann sagen zu lassen, was du tun sollst. Aber du musst es lernen, um unser aller willen.«
»Also schön«, sagte ich langsam. »Ich verstehe. Du hast natürlich recht. In Ordnung, ich befolge ab jetzt deine Anordnungen, auch wenn ich nicht damit einverstanden bin.«