»Gut.« Er stand auf und ergriff den Gürtel. »Also dann, steh auf, und wir bringen es hinter uns.«

Mir stand vor Entrüstung der Mund offen. »Was?! Ich sage doch, ich höre auf deine Anordnungen!«

Er seufzte entnervt, setzte sich wieder auf den Hocker und betrachtete mich gleichmütig.

»Jetzt hör mir gut zu. Du sagst, du verstehst mich, und ich glaube es dir. Aber es ist etwas anderes, etwas im Kopf zu verstehen oder es wirklich zu verinnerlichen.« Ich nickte zögernd.

»Schön. Also, ich muss dich bestrafen, und zwar aus zwei Gründen: Erstens, damit du es verinnerlichst.« Er lächelte plötzlich. »Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass eine Tracht Prügel eine gute Hilfe dabei sein kann, die Dinge in ernsterem Licht zu betrachten.« Ich klammerte mich fester an den Bettpfosten.

»Der andere Grund«, fuhr er fort, »sind die anderen Männer. Du hast doch gemerkt, wie sie sich beim Essen verhalten haben?« Das hatte ich; die Stimmung war so unangenehm gewesen, dass ich froh gewesen war, ins Zimmer zu flüchten.

»Es gibt so etwas wie Gerechtigkeit, Claire. Du hast ihnen allen unrecht getan, und dafür musst du büßen.« Er holte tief Luft. »Ich bin dein Mann; es ist meine Pflicht, mich darum zu kümmern, und genau das habe ich vor.«

Ich hatte gleich mehrere Einwände gegen diesen Vorschlag. Gerechtigkeit oder nicht – und ich musste ja zugeben, dass er sie zumindest zum Teil auf seiner Seite hatte –, meine Eitelkeit wurde tief verletzt durch die Vorstellung, mich schlagen zu lassen – ganz gleich, von wem oder warum.

Ich fühlte mich zutiefst betrogen, weil der Mann, auf den ich mich als Freund, als Beschützer und als Geliebter verließ, mir so etwas antun wollte. Und mein Selbsterhaltungstrieb war in aller Stille entsetzt über den Gedanken, mich jemandem auszuliefern, der ein Claymoreschwert schwingen konnte, als sei es eine Fliegenklatsche.

»Ich lasse es nicht zu, dass du mich schlägst«, sagte ich entschlossen und klammerte mich noch fester an den Bettpfosten.

»Nicht?« Er zog die Augenbrauen hoch. »Nun, lass dir sagen, Claire, dass ich keineswegs glaube, dass du da etwas mitzureden hast. Du bist meine Frau, ob es dir gefällt oder nicht. Wenn ich dir den Arm brechen oder dich bei Wasser und Brot in die Besenkammer sperren wollte – und glaub ja nicht, dass du mich nicht in Versuchung führst –, könnte ich das tun, ganz zu schweigen davon, dir den Hintern zu versohlen.«

»Ich werde schreien.«

»Das ist anzunehmen. Wenn nicht vorher, dann gewiss währenddessen. Ich vermute, dass sie dich noch auf dem nächsten Gehöft hören werden; du hast gute Lungen.« Er grinste gehässig und robbte über das Bett auf mich zu.

Mit einigen Schwierigkeiten löste er meine Finger von dem Pfosten und zog an meinen Händen, um mich zur Bettkante zu zerren. Ich trat ihm vor die Schienbeine, richtete aber keinen Schaden an, da ich keine Schuhe trug. Leise ächzend gelang es ihm, mich mit dem Gesicht auf das Bett zu legen und mir den Arm zu verdrehen, um mich dort festzuhalten.

»Ich meine es ernst, Claire! Wenn du dich fügst, sagen wir, wir sind mit einem Dutzend Hiebe quitt.«

»Und wenn nicht?«, fragte ich bebend. Er ergriff den Gürtel und schlug ihn sich mit einem unangenehmen Geräusch vor das Bein.

»Dann drücke ich dir das Knie in den Rücken und schlage dich, bis mir der Arm müde wird. Und ich warne dich, du wirst lange vor mir genug haben.«

Ich fuhr aus dem Bett und baute mich mit geballten Fäusten vor ihm auf.

»Du Barbar! Du … du Sadist!«, zischte ich außer mir. »Du machst das doch zu deinem Vergnügen! Ich werde dir das nie verzeihen!« Jamie hielt inne und verdrehte den Gürtel.

Unbeeindruckt erwiderte er: »Ich weiß nicht, was ein Sadist ist. Aber wenn ich dir den heutigen Nachmittag vergebe, wirst du mir vermutlich ebenfalls vergeben, sobald du wieder sitzen kannst. Und was mein Vergnügen betrifft …« Seine Lippe zuckte. »Ich habe gesagt, ich muss dich bestrafen. Ich habe nicht gesagt, dass es mir keine Freude machen wird.« Er zeigte mit dem Finger auf mich und krümmte ihn.

»Dreh dich rum und knie dich nieder!«

Am liebsten wäre ich am nächsten Morgen gar nicht aus dem Zimmer gegangen, und ich beschäftigte mich ausgiebig mit Kleinigkeiten – band mir das Haar aus dem Gesicht, löste es wieder und griff zur Bürste. Ich hatte seit gestern Abend kein Wort mehr mit Jamie gesprochen, doch er bemerkte mein Zögern und drängte mich, ihn zum Frühstück zu begleiten.

»Du brauchst keine Angst vor den anderen zu haben, Claire. Sie werden dich vermutlich ein bisschen hänseln, aber es wird schon nicht so schlimm. Kopf hoch.« Er legte mir die Hand unter das Kinn, und ich biss ihn, scharf, aber nicht tief.

»Oh!« Er riss die Finger zurück. »Vorsicht, Kleine; du weißt doch gar nicht, wo sie gewesen sind.« Er gluckste und ließ mich stehen, um zum Frühstück zu gehen.

Er hat gut lachen, dachte ich bitter. Wenn es Rache war, wonach es ihn gestern Abend gelüstet hatte, so hatte er sie bekommen.

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