Jamie war dabei, das Hisstau vom Fahnenmast abzuschneiden. Die schweren roten und blauen Falten der Flagge rauschten neben mir zu Boden. Jamie wickelte das Ende des Taus hastig um einen der Holme und warf den Rest über die Mauer ins Freie.
»Los!«, sagte er. »Halt dich mit beiden Händen fest und stütz dich mit den Füßen an der Mauer ab.« Das tat ich. Das dünne Seil rutschte mir durch die Finger und verbrannte mir die Hände. Ich landete neben den Pferden und stieg hastig auf. In der nächsten Sekunde schwang sich Jamie hinter mir in den Sattel, und wir galoppierten davon.
Ein oder zwei Meilen jenseits des Forts verlangsamten wir unser Tempo, da es so schien, als hätten wir alle etwaigen Verfolger abgehängt. Nach kurzer Beratung beschloss Dougal, dass wir am besten auf das Gebiet der Mackintoshs zuhielten, da dies das nächste sichere Clanterritorium war.
»Wir schaffen es heute Abend bis Doonesbury, dort dürften wir sicher sein. Bis morgen wird es sich zwar herumsprechen, dass man uns sucht, aber dann sind wir längst wieder unterwegs.« Es war später Nachmittag; wir setzten uns zügig in Bewegung, doch unser Pferd blieb mit seiner doppelten Last etwas hinter den anderen zurück. Mein Pferd graste vermutlich immer noch fröhlich in seinem Wäldchen und wartete darauf, dass ein glücklicher Finder es mit nach Hause nahm.
»Wie hast du mich gefunden?«, fragte ich. Ich begann jetzt als Reaktion auf die Ereignisse des Nachmittags zu zittern und verschränkte die Arme, um das Nervenflattern zu kontrollieren. Meine Kleider waren zwar inzwischen vollständig getrocknet, doch ich empfand eine Kälte, die mir durch Mark und Bein drang.
»Ich dachte, ich lasse dich besser doch nicht allein, und habe einen Mann zu dir zurückgeschickt. Er hat zwar nicht gesehen, wie du dein Versteck verlassen hast, aber er hat gesehen, wie die englischen Soldaten die Furt überquerten. Sie hatten dich dabei.« Jamies Stimme war kalt, was ich ihm kaum verübeln konnte. Meine Zähne fingen an zu klappern.
»Ich b-bin überrascht, d-dass du nicht einfach geglaubt hast, d-dass ich für die Engländer spioniere, und mich d-dagelassen hast.«
»Das wollte Dougal eigentlich. Aber der Mann, der dich gesehen hat, hat gemeint, du hättest dich gewehrt. Ich musste mich zumindest selbst davon überzeugen.« Er blickte mit unveränderter Miene auf mich hinunter.
»Du hast Glück, Sassenach, dass ich gesehen habe, was sich in diesem Zimmer abgespielt hat. Zumindest muss Dougal jetzt zugeben, dass du nicht mit den Engländern gemeinsame Sache machst.«
»D-dougal, ja? Und was ist mit dir? Was denkst
Statt einer Antwort prustete er nur. Schließlich hatte er Erbarmen mit mir und zog an seinem Plaid, um es mir über die Schultern zu legen, doch er nahm mich nicht in die Arme und berührte mich auch sonst nicht mehr als unbedingt notwendig. Grimmig schweigend ritt er dahin und führte die Zügel mit ruckartigen Bewegungen, die seinem üblichen reiterlichen Geschick überhaupt nicht ähnlich sahen.
Ich war viel zu bestürzt und erschüttert, um seine Launen zu ertragen.
»Nun, was ist?! Was ist mit dir los?«, fragte ich ungeduldig. »Hör doch endlich auf zu schmollen!« Meine Worte klangen schärfer als beabsichtigt, und ich spürte, wie er noch mehr erstarrte. Plötzlich zügelte er das Pferd und blieb am Straßenrand stehen. Ehe ich wusste, wie mir geschah, war er abgestiegen und hatte mich ebenfalls aus dem Sattel gezerrt. Ich landete ungeschickt und hätte fast das Gleichgewicht verloren, als meine Füße auf dem Boden auftrafen.
Dougal und die anderen blieben stehen, als sie uns halten sahen. Jamie winkte sie mit einer abgehackten Geste weiter, und Dougal hob die Hand, um ihm anzudeuten, dass er verstand. »Bleibt nicht zu lange«, rief er, und sie setzten sich wieder in Bewegung.
Jamie wartete, bis sie außer Hörweite waren. Dann riss er mich herum, so dass ich ihm gegenüberstand. Ich spürte, wie der Zorn in mir aufstieg; mit welchem Recht ging er so mit mir um?
»Schmollen!«, sagte er. »Schmollen nennst du das? Es kostet mich gerade meine ganze Selbstbeherrschung, dich nicht zu schütteln, bis dir die Zähne klappern, und du sagst mir, ich soll aufhören zu schmollen!«
»Was in Gottes Namen ist nur mit dir los?«, fragte ich wütend. Ich versuchte, ihn abzuschütteln, doch seine Finger bohrten sich in meine Oberarme wie die Zacken einer Falle.
»Was mit mir los ist? Wenn du es wissen willst, erzähle ich dir, was mit mir los ist!«, knurrte er mich an. »Ich habe es satt, wieder und wieder beweisen zu müssen, dass du nicht für die Engländer spionierst. Ich habe es satt, dich jede Minute zu beobachten, aus Angst, welche Dummheit du als Nächstes anstellst. Und habe es
»Und du glaubst,