Es war schrecklich gewesen. Meine widerstrebende Zustimmung hatte exakt bis zum ersten brennenden Knall des Leders auf meiner Haut angedauert. Es folgte ein kurzer, heftiger Ringkampf, an dessen Ende Jamie eine blutige Nase, drei traumhafte Kratzer auf der Wange und einen tiefen Biss im Handgelenk hatte. Wenig überraschend hatte
Es stellte sich heraus, dass Jamie recht hatte – sollte seine schwarze Schottenseele doch zur Hölle fahren. Die Männer begrüßten mich zwar zurückhaltend, aber nicht unfreundlich; die feindselige Verachtung des gestrigen Abends war verflogen.
Als ich mir etwas Rührei von der Anrichte holte, trat Dougal zu mir und legte mir väterlich den Arm um die Schultern. Sein Bart kitzelte mich in den Ohren, als er mir vertraulich zubrummte: »Ich hoffe, Jamie war gestern Abend nicht zu streng mit dir. Es hat sich ja so angehört, als würdest du mindestens ermordet.«
Ich lief rot an und wandte mich ab, damit er es nicht sah. Nach Jamies gemeinen Bemerkungen hatte ich eigentlich beschlossen, während der gesamten Prozedur keinen Mucks von mir zu geben. Doch als es dann so weit war, hätte ich gewettet, dass selbst die Sphinx den Mund nicht gehalten hätte, wenn sich Jamie Fraser mit dem Riemen über sie hergemacht hätte.
Dougal drehte sich um und rief Jamie, der am Tisch saß und Brot mit Käse aß, zu: »Also, Junge, du hättest die Kleine doch nicht gleich halb umbringen müssen. Eine sanfte Erinnerung hätte auch genügt.« Er klopfte mir zur Illustration fest auf den Hintern, und ich zuckte zusammen und warf ihm einen finsteren Blick zu.
»Ein paar Blasen am Allerwertesten haben noch nie jemandem dauerhaft geschadet«, sagte Murtagh, der den Mund voll Brot hatte.
»Genau«, sagte Ned und grinste. »Kommt, setzt Euch doch, Kleine.«
»Ich bleibe stehen, danke«, lehnte ich würdevoll ab, und sie brachen in brüllendes Gelächter aus. Jamie vermied es sorgfältig, mich anzusehen, und schnitt sich geschäftig ein Stück Käse ab.
Im Lauf des Tages folgten weitere gutmütige Hänseleien, und keiner der Männer versäumte es, mir irgendwann auf den Hintern zu klopfen und dabei Mitleid vorzutäuschen. Im Großen und Ganzen jedoch war es erträglich, und ich begann widerstrebend einzuräumen, dass Jamie möglicherweise recht gehabt hatte, auch wenn ich ihn immer noch am liebsten erwürgt hätte.
Da an Sitzen nicht zu denken war, beschäftigte ich mich den ganzen Morgen mit kleineren Näharbeiten, die ich unter der Ausrede, das Licht zu benötigen, stehend an der Fensterbank erledigen konnte. Nach dem Mittagessen, das ich ebenfalls im Stehen zu mir nahm, gingen wir alle in unsere Zimmer, um uns auszuruhen. Dougal hatte beschlossen, erst im Dunkeln nach Bargrennan aufzubrechen, unserem nächsten Ziel. Jamie folgte mir zwar zu unserem Zimmer, doch ich schlug ihm entschlossen die Tür vor der Nase zu. Sollte er doch wieder auf dem Boden schlafen.
Gestern Abend hatte er sich danach sehr taktvoll verhalten. Sobald er fertig war, hatte er sich den Gürtel wieder umgeschnallt und war wortlos aus dem Zimmer gegangen. Eine Stunde später war er zurückgekehrt, nachdem ich das Licht gelöscht hatte und zu Bett gegangen war. Doch er war nicht so dumm gewesen zu versuchen, sich zu mir zu legen. Nach einem Blick in die Dunkelheit, in der ich reglos verharrte, hatte er tief aufgeseufzt, sich in sein Plaid gewickelt und sich an der Tür auf den Boden schlafen gelegt.
Ich wiederum war zu wütend und zu aufgeregt gewesen und hatte mich körperlich zu elend gefühlt, um schlafen zu können. Den Großteil der Nacht hatte ich deshalb wach gelegen. Dabei hatte ich abwechselnd über das nachgedacht, was Jamie gesagt hatte, und mit dem Wunsch gekämpft, aufzustehen und ihn in eine empfindliche Stelle zu treten.
Wäre ich objektiv gewesen, wozu ich aber nicht in der Stimmung war, hätte ich vielleicht zugegeben, dass er recht damit hatte, dass ich die Dinge nicht ernst genug nahm. Doch er hatte unrecht, wenn er behauptete, dass es daran lag, dass es dort, wo ich herkam, weniger gefährlich war. Eigentlich glaubte ich sogar eher, dass das Gegenteil der Fall war.
Diese Zeit war in vielfacher Hinsicht unwirklich für mich, wie ein Theaterstück oder ein Kostümwettbewerb. Im Vergleich mit der mechanisierten Massenvernichtung, die ich miterlebt hatte, erschienen mir die kleinen Scharmützel, deren Zeugin ich hier geworden war – ein paar mit Schwertern und Musketen bewaffnete Männer –, eher pittoresk als bedrohlich.