Jamies langer Rücken, der im warmen Zwielicht der Stallgasse glänzte, bückte sich, als er eine Forke voll Heu von dem Haufen in der Ecke aufspießte und es zu einer der Boxen trug.

Er lächelte seinen Vetter an. »Gib mir auch einen, ja?« Er lehnte die Heugabel an eine Box und biss in den Apfel, den ihm Hamish reichte. Seite an Seite standen sie an der Wand und kauten kameradschaftlich ihre Äpfel. Als Jamie fertig war, gab er einem Fuchs, der einen langen Hals machte, das Kerngehäuse und holte sich die Forke wieder. Hamish folgte ihm durch die Stallgasse und kaute langsam.

»Ich habe gehört, mein Vater war ein guter Reiter«, begann Hamish nach kurzer Pause zögernd. »Bis es … bis es nicht mehr ging.«

Jamie warf seinem kleinen Vetter einen raschen Blick zu, gab aber erst dem Fuchs sein Heu, ehe er etwas sagte. Seine Antwort bezog sich weniger auf Hamishs Worte als auf den Gedanken dahinter.

»Ich habe ihn nie reiten gesehen, aber ich sage dir eines, Junge: Ich hoffe, ich brauche nie so viel Mut, wie Colum ihn hat.«

Ich sah Hamishs Blick neugierig auf Jamies narbigem Rücken ruhen, doch er sagte nichts. Nach dem zweiten Apfel waren seine Gedanken eindeutig zu einem anderen Thema abgeschweift.

»Rupert hat gesagt, du musstest heiraten«, sagte er kauend.

»Ich wollte heiraten«, sagte Jamie mit fester Stimme und stellte die Heugabel wieder an ihren Platz.

»Oh. Äh … gut«, sagte Hamish unsicher, als verwunderte ihn diese neuartige Vorstellung kolossal. »Ich habe mich nur gefragt … macht es dir etwas aus?«

»Was denn?« Jamie begriff, dass dieses Gespräch offensichtlich eine Weile dauern würde, und setzte sich mit Hamish auf einen Heuballen.

Hamishs Füße reichten nicht bis auf den Boden, sonst hätte er sicher damit gescharrt. Stattdessen klopfte er unruhig mit den Absätzen gegen das fest verschnürte Heu.

»Macht es dir etwas aus, verheiratet zu sein?« Er sah seinen großen Vetter an. »Jeden Abend mit einer Dame ins Bett zu gehen, meine ich.«

»Nein«, erwiderte Jamie. »Nein, das ist sogar sehr schön.«

Hamishs Miene spiegelte Skepsis.

»Ich glaube nicht, dass ich es schön finden würde. Aber die Mädchen, die ich kenne, sind alle spindeldürr und riechen nach Gerstenwasser. Claire … deine Frau, meine ich«, fügte er hastig hinzu, um jede Verwechslung auszuschließen. »Sie ist, äh, sie sieht aus, als wäre es schön, mit ihr zu schlafen. Weich, meine ich.«

Jamie nickte. »Aye, das stimmt. Sie riecht auch gut.« Selbst bei dem gedämpften Licht konnte ich einen kleinen Muskel in seinem Mundwinkel zucken sehen, und ich wusste, dass er es nicht wagte, den Kopf zum Heuboden zu heben.

Es folgte eine lange Pause.

»Woher weiß man das?«, fragte Hamish schließlich.

»Was denn?«

»Welche die Richtige zum Heiraten ist«, sagte der Junge ungeduldig.

»Oh.« Jamie lehnte sich an die Steinwand zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf.

»Das habe ich meinen Pa auch einmal gefragt«, sagte er. »Er hat gemeint, man weiß es einfach. Und wenn man es nicht weiß, ist sie auch nicht die Richtige.«

»Mmmpfm.« Der Miene des sommersprossigen Jungengesichtes nach zu urteilen, schien das keine sehr zufriedenstellende Erklärung zu sein. Hamish lehnte sich zurück, um Jamies Haltung nachzuahmen. Seine Füße und die Strümpfe ragten waagerecht über die Kante des Heuballens hinaus. Obwohl er noch klein war, verhieß sein kräftiger Körperbau, dass er seinem Vetter eines Tages ähneln würde. Die aufrechten Schultern und die Haltung des elegant geformten Schädels waren beinahe identisch.

»Wo sind denn deine Schuhe?«, fragte Jamie vorwurfsvoll. »Du hast sie doch nicht schon wieder draußen vergessen? Deine Mutter wird dich ohrfeigen, wenn du sie verloren hast.«

Hamish tat diese Drohung schulterzuckend ab. Er hatte eindeutig Wichtigeres im Kopf.

»John …«, begann er und verzog angestrengt die Stirn. »John sagt …«

»John, der Stallknecht, John, der Küchenjunge, oder John Cameron?«, hakte Jamie nach.

»Der Stallknecht«, antwortete Hamish mit einer gereizten Geste – er wollte nicht abgelenkt werden. »Er sagt, äh, über das Heiraten …«

»Mmm?«, ermunterte ihn Jamie und hielt das Gesicht taktvoll abgewandt. Er drehte den Kopf in meine Richtung und fing meinen Blick auf, als ich über die Kante lugte. Ich grinste ihn an, und er musste sich auf die Unterlippe beißen, um nicht zurückzugrinsen.

Hamish holte tief Luft, atmete aus, und dann folgte ein Wortschwall. »Er-sagt-man-muss-eine-Frau-besteigen-wie-ein-Hengst-eine-Stute-und-ich-habe-ihm-nicht-geglaubt-aber-ist-es-wahr?«

Ich biss mir fest auf die Finger, um nicht laut aufzulachen. Jamie, dem das nicht möglich war, bohrte sich die Finger in den Oberschenkel und wurde genauso rot wie Hamish. Sie sahen aus wie zwei reife Tomaten, die nebeneinander auf einem Heuballen lagen und darauf warteten, vom Preisrichter einer Gemüseschau begutachtet zu werden.

»Äh, aye … nun ja, sozusagen …«, sagte er mit erstickter Stimme. Dann bekam er sich wieder in den Griff.

»Ja«, sagte er mit fester Stimme, »ja, so ist es.«

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