Nein, nicht Colum. Dougal. Der Rotschopf beugte sich tief zwischen die beiden dunklen Köpfe, und die breiten, attraktiven Züge der drei Gesichter nahmen im Licht der ersterbenden Kerzen eine gespenstische Ähnlichkeit an. Im Hinsehen begriff ich, dass die Ähnlichkeit weniger dem Knochenbau geschuldet war, den sie gemeinsam geerbt hatten, sondern der Miene schockierter Trauer, die sie jetzt alle drei trugen.

Geilies Hand bohrte sich in meinen Unterarm.

»Schlechte Neuigkeiten«, sagte sie unnötigerweise.

»Vierundzwanzig Jahre«, sagte ich leise. »Das scheint mir für eine Ehe wirklich lange zu sein.«

»Aye, das stimmt«, pflichtete mir Jamie bei. Ein warmer Wind spielte über uns in den Ästen und hob mir das Haar von den Schultern, so dass es mich im Gesicht kitzelte. »Länger, als ich überhaupt lebe.«

Er stand an den Koppelzaun gelehnt, hochgeschossen, elegant, kräftig. Ich vergaß immer wieder, wie jung er in Wirklichkeit war; er schien so selbstsicher und kompetent zu sein.

»Andererseits«, sagte er und schnippte einen Strohhalm auf den zerwühlten Koppelboden, »glaube ich nicht, dass Dougal mehr als drei Jahre davon mit ihr verbracht hat. Er lebte die meiste Zeit hier in der Burg – oder unterwegs, um Colums Geschäfte zu regeln.«

Dougals Frau Maura war auf ihrem Anwesen Beannachd gestorben. Eine plötzliche Fiebererkrankung. In Begleitung von Ned Gowan und dem Boten, der gestern Abend die Nachricht überbracht hatte, war Dougal im Morgengrauen aufgebrochen, um sich um das Begräbnis und den Nachlass seiner Frau zu kümmern.

»Dann haben sie sich also nicht sehr nahegestanden?«, fragte ich neugierig.

»So nah wie die meisten Eheleute, nehme ich an. Sie hat sich um die Kinder und das Anwesen gekümmert und hatte damit genug zu tun. Ich glaube nicht, dass sie ihn sehr vermisst hat, obwohl sie sich immer zu freuen schien, wenn er bei ihr war.«

»Stimmt, du hast ja eine Weile bei ihnen gelebt, nicht wahr?« Ich kam ins Grübeln, weil ich mich fragte, ob das wohl Jamies Vorstellung von einer Ehe war; getrennt zu leben und sich nur hin und wieder zu sehen, um Kinder zu zeugen. Andererseits hatten seine eigenen Eltern dem wenigen nach, was er erzählt hatte, eine sehr liebevolle Ehe geführt.

Wieder las er auf diese frappierende Weise meine Gedanken und sagte: »Bei meinen Eltern ist es anders gewesen. Dougal hat eine arrangierte Ehe geführt, genau wie Colum, und es ging dabei mehr um Land und um Geld als darum, dass sie einander wollten. Aber meine Eltern – nun ja, sie haben aus Liebe geheiratet, gegen den Willen beider Familien, deshalb lebten wir auch in Lallybroch … nicht isoliert, aber doch eher für uns. Meine Eltern haben nicht oft Verwandte besucht und hatten nur selten außerhalb des Anwesens zu tun, deshalb glaube ich, dass sie sich einander mehr zugewandt haben, als es Mann und Frau normalerweise tun.«

Er legte mir die Hand in den Rücken und drückte mich dichter an sich. Dann senkte er den Kopf und strich mir mit den Lippen über das Ohr.

»Zwischen uns war es ja auch arrangiert«, sagte er leise. »Trotzdem hoffe ich … vielleicht eines Tages …« Er verstummte verlegen und winkte ab.

Da ich ihn in dieser Hinsicht nicht ermutigen wollte, lächelte ich statt einer Antwort so neutral ich konnte und wandte mich der Koppel zu. Ich spürte ihn dicht an meiner Seite, obwohl wir uns nicht berührten und seine Hände jetzt auf dem Zaun lagen. Ich griff ebenfalls nach dem Zaun, um mich davon abzuhalten, seine Hand zu nehmen. Nichts, was ich lieber getan hätte, als mich ihm zuzuwenden, ihm Trost zu spenden, ihm mit meinem Körper und meinen Worten zu versichern, dass das, was zwischen uns war, mehr war als eine geschäftliche Abmachung. Es war der wahre Kern dieser Feststellung, der mich davon abhielt.

Was zwischen uns ist, hatte er gesagt. Wenn ich mit dir zusammen bin, wenn du mich berührst. Nein, es war alles andere als üblich. Es war auch kein einfaches Verliebtsein, wie ich anfangs gedacht hatte. Nichts konnte weniger einfach sein.

Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass ich an einen anderen gebunden war, durch ein Gelübde, durch Loyalität, durch das Gesetz. Und durch Liebe.

Ich konnte, konnte Jamie nicht sagen, was ich für ihn empfand. Das zu tun und dann zu gehen, was ja unvermeidlich war, wäre der Gipfel der Grausamkeit gewesen. Doch ich konnte ihn ebenso wenig anlügen.

»Claire.« Er hatte sich mir zugewandt und blickte auf mich hinunter; ich konnte es spüren. Ich sagte nichts, sondern hob ihm das Gesicht entgegen, und er beugte sich zu mir, um mich zu küssen. Auch was das betraf, konnte ich ihn nicht belügen, und ich tat es auch nicht. Schließlich, so dachte ich dumpf, hatte ich ihm Aufrichtigkeit versprochen.

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